Dinner for You, kein Kästner und guten Rutsch!

Dezember 31, 2008 um 10:26 pm | Veröffentlicht in 2008, 2009, Alles platti, Bloghexe, Fest-Platte, Fremd-Worte, Hexenblabla, Hexentanz, Kultur, Real-Poetisches, So Momente halt... | 3 Kommentare
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buchstabe-auch wenn er sowas von Recht hat, kann man ja nicht schon wieder wie letztes Mal die treue Leserschar mit den unpädagogischen Ermunterungen seines Leib- und Magen-Kästner ins neue Jahr schicken. Hmm, was fangen wir also heuer mit Silvester an und wen haben wir da denn noch so im Angebot?

Tucholsky vielleicht? Nee, den sieht man ja genauso ratlos wie sich selber. Und so richtig aufzubauen vermag er einen irgendwie auch nicht, wa?:

Silvester

Was fange ich Silvester an?
Geh ich in Frack und meinen kessen
Blausanen Strümpfen zu dem Essen,
Das Herrn Generaldirektor gibt?
Wo man heut nur beim Tanzen schiebt?
Die Hausfrau dehnt sich wild im Sessel –
Der Hausherr tut das sonst bei Dressel -,
Das junge Volk verdrückt sich bald.
Der Sekt ist warm. Der Kaffee kalt –
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?

Wälz ich mich im Familienschoße?
Erst gibt es Hecht mit süßer Sauce,
Dann gibt’s Gelee. Dann gibt es Krach.
Der greise Männe selbst wird schwach.
Aufsteigen üble Knatschgerüche.
Der Hans knutscht Minna in der Küche.
Um zwölf steht Rührung auf der Uhr.
Die Bowle -? (‚Leichter Mosel‘ nur – )
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?

Mach ich ins Amüsiervergnügen?
Drück ich mich in den Stadtbahnzügen?
Schrei ich in einer schwulen Bar:
„Huch, Schneeballblüte! Prost Neujahr -!“
Geh ich zur Firma Sklarz Geschwister –
Bleigießen? Ists ein Fladen klein:
Dies wird wohl Deutschlands Zukunft sein…
Prost Neujahr!
Helft mir armem Mann!
Was fang ich bloss Silvester an?

Na dann eben “the same procedure as every year”. Jaaah, “Dinner for One” ist Kult – und Kult ist gut, weil was Konsensfähiges. Außerdem gibts den diesmal sogar in einer raffiniert auf traditionell-avantgardistisch getrimmten Version aus dem Hause LEGO:

Für konservative Liebhaber des Originals in dezentem Schwarz-Weiß und notorische Gewohnheitsgucker natürlich auch selbiges zum alten Preis:

denn egal, was Silvester auch immer mit uns anfängt: kein Jahresende ohne Miss Sophie mit dem gesunden Appetit und ihren verblichenen Verehrern sowie dem dienstbaren besoffenen Butler. Oder? 😉

Ha! Und zu guter Letzt dann doch noch was Erhebendes von einem Positivdenker – leider auch schon verblichen:

Wünsche zum neuen Jahr

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass
Ein bisschen mehr Wahrheit – das wäre was

Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut
Und Kraft zum Handeln – das wäre gut

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht
Und viel mehr Blumen, solange es geht
Nicht erst an Gräbern – da blühn sie zu spät

Ziel sei der Friede des Herzens
Besseres weiß ich nicht

Peter Rosegger. Aus: „Mein Lied“

Was quatsch ich hier eigentlich noch rum? Wo ich doch nur sagen wollte:
Kommt gut rüber ins neue Jahr, Leute! Und durch natürlich auch. Wir sehn uns.

Eure Hex‘

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…und bessert euch drauflos!

Dezember 31, 2007 um 4:10 am | Veröffentlicht in 2008, BlogMist, Drumherum und anderswo, Fest-Platte, Hexenblabla, Hexenkräuter, Hexentanz, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches | 8 Kommentare
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Von klugen Sprüchen und guten Vorsätzen

Wird’s besser? Wird’s schlimmer? – fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich: Leben ist immer
lebensgefährlich!
(Erich Kästner)

Blogger-Prosit durchs www!Schon wieder Neujahr? Dabei hätte das alte noch für Monate gereicht.
Tschulljung, aber was soll man angesichts der allerwärts sprudelnd überschwappenden Selbstläuterungsprojekte zum neuen Jahr anderes tun als Herrn Volksmund bemühen und kalauern?

Und überhaupt, wäre nicht dieser Neustart alle Jahre wieder erfunden worden, machten auch nicht Hinz und Kunz und Katz‘ alle Jahre wieder sich einen solchen vor. – Sagte nicht erst neulich jemand sehr weise: „Hey, ist doch nur Silvester“? 😉 Hm, also bei mir stimmts. Außer einem neuen Terminkalender aufm Schreibtisch (in dem schon wieder was drin steht) gehts nach der Feiertagsbesinnlichkeit in vollem Galopp weiter, nix mit alles auf Anfang und so.

Aber was wird diesem Neujahrstag nicht alles an Vorsätzlichkeiten in geballter Ladung aufgebürdet: weniger rauchen, weniger saufen, weniger fremdgehen, weniger streiten, weniger Trägheit, weniger zunehmen, mehr abnehmen, mehr Sport treiben, mehr Zeit haben, mehr sparen, mehr lesen, mehr Kultur, mehr Liebe [bitte die Liste beliebig fortsetzen] und wie die heimlichen und unheimlichen Defizite alle heißen – ab 1. Januar wird aufgearbeitet. Wenns geht, gleich alle auf einmal.

Gutmensch und SchweinehundAch ja? Wie lange hielten gleich nochmal im Vorjahr und im Vorvorjahr und dem davor auch die hehren und anstrengenden Pläne vor, und wie emsig sägte der innere Schweinehund vom ersten Tag an daran rum?

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert…“, wissen wir spätestens seit George Bernard Shaw. Dabei will ich ja um des Himmels Willen keinem ausreden, sich zu bessern – im Gegentum, das tut uns allen gut. Aber ein bisschen glashelle Lebensnähe und Realitätssinn schon auch. Hey, und ein Mychen Spontanität vielleicht? Man muss sich ja nicht immer gleich überfordern. Und vor allem nicht an einem einzigen Tag so unter Druck setzen und die Welt der schlechten Gewohnheiten aus den Angeln heben, nä. Das Jahr hat 365 Tage! Ha, und das, was jetzt kommt, sogar wieder mal einen mehr, 2008 ist Schaltjahr. Das sollte uns doch ermutigen zum Plänemachen, oder?

Und gegen k(l)einen Mut und den Weg zur Hölle gibts jetzt noch einen Löffel gute Medizin nach bewährter und hülfreicher Rezeptur meines geliebten Herrn Hausapothekers; der weiß nämlich, wie’s geht, respektive – wie nicht. Keine Angst – schmeckt süß und tut gar nicht weh! 😉

Spruch für die Silvesternacht

Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat!

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!

(Erich Kästner. Aus: Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke)

elke-hexe-form-we2.gifSo, und nun kommt alle gut ins Neue Jahr, ihr Lieben! In dem dann viel Indian Spirit (ihr wisst schon, das In-sich-Ruhn 😉 ):
Wishes of Happiness, Love and Prosperity
für uns alle.

Eure engelsgleiche Hex‘

Wir treffen uns drüben..

Bilder: Der Engel und der ‚Schweinehund‘ – von http://www.stereopoly.de/. Die andern: G.e.k.l.a.u.t… öhm, creative commons-Lizenz. Diese bezieht sich (nach einem Kommentar-Hinweis und zusätzlich zur aufgeführten Quelle) auch auf die verwendeten Zitate.

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