42 oder: Überlebenstraining mit Handtüchern

Mai 25, 2010 um 11:24 pm | Veröffentlicht in Alles platti, BildungsLückenbauten, Filosofaseln, Fremd-Worte, Kalenderblätter, Kultur, Zuhaus-Hexe | 4 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Ufff… geschafft.
Frisch gewaschen, frisch getrocknet und gefaltet wandert ein Stapel frischflauscheliger Handtücher auf die Ablage im Bad.

Seit der Osterbesuch aus der Schweiz sich aufgrund dramatisch lebensgefährlicher Umstände mit gerade doch noch gutem Ausgang für Mutter und Kind zu einer WG auf Zeit ausgewachsen hat, findet hier wieder große Wäsche statt. Denn in meinem mittlerweile effizient bestückten Haushalt hat sich durch die Langzeiteinquartierung unverhofft ein kleiner Engpass an trockenen Tüchern aufgetan. Und da eine asoziale um Bergvolkes Wohl besorgte Schweizer Versicherung offenbar der Meinung ist, dass ein zwölf Wochen zu früh geborener Säugling dieses frühgeburtliche Vorkommnis in der Berliner Charité statt in der Basler Heimatklinik aussitzen, respektive -liegen soll, bis er sich selber Zöpfe flechten, an Mamis Hand zum Bahnsteig hetzen und einen Platz im Mutter-Kind-Abteil für die knapp 1000 Kilometer einklagen kann, wird das wohl auch noch ein paar lange Tage so bleiben.

Doch we don’t panic und hoffen standhaft, dass der große Bruder des zarten Würmchens, der immerhin schon mannhafte 2 Lebensjahre auf dem Buckel hat, die Mama noch wiedererkennt. Wenn für die nach Aberwochen der Heimwärtstrip mit Brüderchens Schwesterchen durch eine gefühlte Galaxis in trockenen Tüchern ist…

Wie überlebenswichtig in dieser Situation und überhaupt ein solider Vorrat an solchen selben sein kann, weiß jedes Kind und jeder Anhalter seit und dank Douglas Adams:

“Ein Handtuch ist so ungefähr das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Einmal ist es von großem praktischem Wert – man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santraginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatmet; man kann unter den so rot glühenden Sternen in den Wüsten von Kakrafoon darunter schlafen; man kann es als Segel an einem Minifloß verwenden, wenn man den trägen, bedächtig strömenden Moth-Fluss hinuntersegelt, und nass ist es eine ausgezeichnete Nahkampfwaffe; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen die Antwort(ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen – bescheuert wie eine Bürste, aber sehr, sehr gefräßig); bei Gefahr kann man sein Handtuch als Notsignal schwenken und sich natürlich damit abtrocknen, wenn es dann noch sauber genug ist.

Was jedoch noch wichtiger ist: ein Handtuch hat einen immensen psychologischen Wert. Wenn zum Beispiel ein Strag (Strag = Nicht-Anhalter) dahinter kommt, dass ein Anhalter sein Handtuch bei sich hat, wird er automatisch annehmen. er besäße auch Zahnbürste, Waschlappen, Seife, Keksdose, Trinkflasche, Kompass, Landkarte, Bindfadenrolle, Insektenspray, Regenausrüstung, Raumanzug usw, usw. Und der Strag wird dann dem Anhalter diese oder ein Dutzend andere Dinge bereitwilligst leihen, die der Anhalter zufällig gerade „verloren“ hat. Der Strag denkt natürlich, dass ein Mann, der kreuz und quer durch die Galaxis trampt, ein hartes Leben führt, in die dreckigsten Winkel kommt, gegen schreckliche Übermächte kämpft, sich schließlich an sein Ziel durchschlägt und trotzdem noch weiß, wo sein Handtuch ist, eben ein Mann sein muss, auf den man sich verlassen kann.”

D.A.: Per Anhalter durch die Galaxis

Deswegen und weil man dem Mann einfach ein – und bittschön, möglichst interaktives – Denkmal setzen m u s s t e, war heute Handtuchtag, TOWEL DAY. Wie jedes Jahr am 25. Mai seit 2001, dem Jahr, in dem er sich in die Galaxis davongemacht hat.

Wobei das Datum selbst sich weder um den ersten (11. März) noch den letzten Tag seines Lebens (11. Mai) schert und auch sonst nichts Explizites mit seiner Vita zu schaffen hat. Den Schöpfer absonderlicher Welten und sarkastischer Philosofaseleien des alltäglich Absurden tät’s freuen, glaub ich. Der Tag, an dem einer sein Überlebenshandtuch vergisst, ist schließlich am Ende immer der falsche und seine Antwort auf die lebendigen Fügungen des menschlichen Universums wäre wahrscheinlich: 42.

So kümmerte sich denn auch in deutschen Landen überaus passend unpassend kein Anhalter auch nur einen feuchten Kehricht um einen fünfundzwanzigsten Mai, als allhier das bislang größte frottierte Gedenken begangen wurde: am 9. Juni 2005. Da erflimmerte in Deutschlands Lichtspielhäusern DER Film nach dem posthumen galaktischen Tramper-Drehbuch vom Adams und Scharen von Cineasten strömten im Bademantel und mit ihrem Handtuch über der Schulter an die Kinokassen. Hat mir jedenfalls einer erzählt, der es mindestens von Hamburg wusste, weil er damals mittendrin statt nur dabei war. – Ich hab derweilen… sehr wahrscheinlich bestenfalls ein Papiertaschentuch benutzt, in irgend einem Restaurant am Ende meines Universums 42 Mal versucht, den Kellner zum Kellnern anzustiften… oder wiedermal keinen Anhalter mitgenommen.

Adams selbst behauptete steif und fest, die Idee zu dem Galaxis-Kram sei ihm gekommen, “while I was lying drunk in a field in Innsbruck, Austria, in 1971.” Und als ihm der Anhalter-Hype auf den Zeiger zu gehen begann oder so, steckte er sich seinen Babelfisch ins Ohr und verhalf mal fix Monty Python's flying Circus zu seinem vorletzten ( als Pepperpot with nuclear missile) und letzten (als Mitautor der Party Political Broadcast on Behalf of the Liberal Party) glorreichen Ende.

Interessant wäre ja auch zu erfahren, ob es ihm in seinem nächsten Leben – wie im ersten angedacht – vergönnt ward, Zoologe zu werden. Anzunehmen ist es eher nicht, denn er war überzeugter Atheist – die haben nur ein hiesiges Dasein. Doch seine Enttäuschung über die weitgehende Ignoranz der Welt seinen Letzten ihrer Art gegenüber, auf die er sehr stolz war, saß tief.

So long, Douglas – and Thanks for All the Fish.

Heute war Handtuchtag.
Und ihr da draußen, Anhalter in Bloggers Galaxis: Auf, auf! Für das Aussterben menschlicher Unarten – und wider das Aussterben jeglicher Arten (Blogger, Anhalter und Systemadministratoren eingeschlossen).
Don't panic! And always know where your towel is.

Der Soundtrack für heute sollte passen: Monty Python ist quasi bucklige Verwandtschaft, die Handtücher um die Lenden sind auch kompatibel. Und wer wenn nicht Brian wüsste, wer wenn nicht Eric Idle erhellte in jedem Vers, dass 42!

Bilder: Die Antwort in der Wüste (Happy Towel Day): via code-monk bei flickr. Douglas Adams: via GCO bei wordpress. Rest: weiß ich nicht mehr; eventuelle Urheber bei Bedarf bitte melden.
Video: Monty Python – Always Look on the Bright Side of Life. Aus: Das Leben des Brian, via bei youtube.

Advertisements

Kein Neujahr für Warmduscher

Januar 9, 2010 um 3:53 pm | Veröffentlicht in 2010, Alles platti, Berlin, Fest-Platte, Hexenblabla, Hexengeschichten, Hexenseele, Kalenderblätter, Neujahr, Real-Poetisches, Träller-Hexe, verwoben geschroben, Wetter-Hexe, Zuhaus-Hexe | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , ,

Oder: PSYCHOdelische Wünsche von Haus zu Haus

m neuen Jahr Glück und Heil.
Auf Weh und Wunden gute Salbe.
Auf groben Klotz ein grober Keil.
Auf einen Schelmen anderthalbe.
(Johann Wolfgang v. Goethe)

Die Morgenstunde des ersten Tages im neuen Jahr blinzelt durch die Eiskristalle auf ihren Wimpern, mit leicht verschneitem Blick. Am Cecilienplatz schlummern die Bänke vor sich hin, locken verträumt mit flauschigweißen Daunenkissen. Doch nur ein paar aufgeplusterte Spatzen, die sich lärmend um eine barmherzig hingestreute Handvoll Sonnenblumenkerne balgen, wagen ein Probesitzen auf der – zweifellos arschkalten – Polsterung. Und hüpfen ihre winzigen Spuren in sie hinein. Schneekalligraphie.

Sonst ist es still und leer auf dem Platz an diesem späten Neujahrsmorgen: die letzten Böller sind ins All unterwegs, die letzten Silvesterpartylöwen gerade erst ins Bett gekrochen. In der kleinen Kneipe um die Ecke lauscht die Wirtin dem Summen des Wasserkessels auf dem Herd, serviert sich selbst den ersten steifen Grog und linst durch die Scheiben nach Gästen fürs Katerfrühstück. Und die Jauchzer vom Rodelberg hinter den Gärten murmeln sich, in Schneewatte gepackt, gedämpft durch frostige Atemwolken…

Da zerreißt ein langer, markerschütternder Schrei die himmlische Feiertagsruhe des jungfräulichen Jahres.

SchneekillerEr hallt durchs Hofkarree und wabert an den Betonmauern wieder nach oben in die letzte Etage, aus der er gekommen ist. Dem einsamen Spaziergänger treibt er mehr als alle Minusgrade eine Gänsehaut samt lähmendem Entsetzen in den Nacken. Hitchcock-Fantasien explodieren in ihm und ein Norman BatesPerkins der Plattensiedlung mit blitzender Messerklinge an der Faust schleicht sich in seine Gedanken. Im Affekt langt er nach dem Handy in seiner Gesäßtasche. Zieht den Kopf zwischen die Schultern und wendet sich gehetzt um – nach den Schritten, die in seinem Rücken durch den Schnee knirschen.

Im Bad einer Mietwohnung, elfter Stock links, das traurige Ende einer Tragödie: der Abfluss gurgelt höhnisch, ein letzter Seufzer. Und unter der eiskalten Dusche stirbt barfuß bis zum Hals… meine stille Hoffnung. – Dass das seit dem Silvestermorgen plötzlich ausgebliebene warme Wasser (verdammte, verweichlichte Zivilisationskrüppel, wir!) selbstverständlich wieder aus dem Hahn plätschert. Dass es wie früher, als alles noch viel besser war, noch ehrbare Weihnachtsklempner gibt. Dass im neuen Jahr alles gut wird. Dass wir in diesem endlich mal Zeit für die g r o ß e n Fragen des Lebens……

Wie bitte? Was? Nönööö, es geht mir gut, dochdoch. Solidarische Grüße von hier aus an alle andern Festtagsgeschädigten und glücklichen Überlebenden. Und an den hilfesuchenden Unbekannten, der mit dem Suchbegriff des Tages zum Hexenblog gefunden hat: ‚Wie wirft man einen Christbaum aus dem Fenster?‘ – Vooorsichtich! sag ich. Oder warten, bis der Nachbar unten vorbei geht. Tsss… wohl keinen Fernseher! Etwa noch nie die KnutWerbung des berühmt-berüchtigten Holzmöblers gesehen? [Anmerkung: Ich hab übrigens noch nie, nie, nie einen Tannenbaum aus dem 11. Stock geworfen,einen Christbaum sowieso nicht. Mir fehlt immer die Traute, ob ich den Nachbarn von da oben auch richtig treffe.]

Ach ja, eigentlich wollte ich euch nur was wünschen, liebe Hexen-Leser und -freunde. Gut im Jahr 2010 angekommen zu sein nämlich. Und auch sonst alles, Schönes. Besser spät als nie! Wohin es uns diesmal bringt, wissen wir spätestens in 356 Tagen. Hexens Herzenwunsch für euch: Geht es an, wie der alte Herr Geheimrat oben und seht’s nicht zu verbissen! Mit dem halt ich es auch – und versuche dasselbe. (Weitere gute Vorsätze bitte erst im Rest des Jahres dazuerfinden, akut und zeitnah. Sonst wird’s eh wieder nix damit.)

In diesem Sinne…
Kommt, lasst uns leben! …und so.

Huch, wo kommen nur immer die ollen 80er Ohrwürmer her? – Na, woher schon – aus Westernhagen! 😉 (Auch in der Studioversion, nochmal mit Lürüx und ordentlichem Sound.) Oder doch von einem überstrapazierten Heimatsender, der sich im Autoradio dauernd selber einstellt?

***

Hmmjahh… ich geh dann mal. Neuen Hexentrank brauen.
Wir trinken, sehn und/oder lesen uns. Oder?
Und habt’s schön warm derweilen.

Eure baldige und machmal leicht verpeilte verwehte Schneehex‘

Spätsommergewitter

August 25, 2009 um 11:54 pm | Veröffentlicht in Alles platti, Berlin, Bilderhexe, Bloghexe, Hexenblabla, Hexenlieder, Hexentanz, Real-Poetisches, Spielwiese, Wetter-Hexe, Zuhaus-Hexe | 5 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , , ,

Hmm… das soll Urlaubswetter werden? Na, ich weiß ja nicht.

gewitterhimmel ohne rb häuser
regen an der Fensterscheibe
Regenbogen kla Karreeregenbogen mit hochhäusern vk

Der Sommer atmet aus

buchstabe b 1öen pfeifen um die Eckeregenschirm marg vkl
und ein Windstoß – so ein Schuft! –
zerrt mich dreist dort in die Hecke,
zaust mein Haar, nimmt mir die Luft.

Ein Hut und Nachbars Abendzeitung
spielen Haschmich übern Platz,
Mutter Nachbar voll Verzweiflung
hinterher, doch – für die Katz‘.

Im Blitz-Licht posen Sturmwindsbräute,
ein Donner grollt, was uns gleich blüht,
ein Nass klatscht auf versprengte Häute,
alles rennet, rettet, flieht.

Vor dem Fenster dräut das Wetter –regenflugobjekt5_2
Dieser Sommer atmet aus.
Schirme zu Rhabarberblättern
formt verschmitzt er außer Haus.

Doch noch hat er sich nicht verzogen,
weiß, was sich schickt so hintennach:
malt tröstend einen Brückenbogen
zum Drüber-GSehn uns übers Dach…

Ist’s das wirklich schon gewesen –
Sommerbarfußmädchenglück?
Gut. Von heut an bis zum nächsten
lieb ich mich dahin zurück.

Jaah… der gute alte Regenschirm; wollte wer so einer sein?: in einem richtigen Wolkenbruch, der von allen Seiten regnet (manchmal sogar von unten), der so vieles davonweht und -schwemmt, ist er zu nichts nütze. Und wenn’s dann wieder sommert und die Pfützen fußwarm sind, wird er in der Ecke oder an einem einsamen Haken vergessen. So richtig was wert ist so einer einem vielleicht doch nur bei einem laaangen langweiligen Landregen……?

Der musikalische Sommerschlussverkauf hat heute was Einschlägiges für Ostrock-Fans, von einer, die es konnte, wie ihre Jungs auch – Tamara Danz. Unvergessen und unvergesslich… groß…

Hmjah… das lürüsche Gewitter oben ist Hexenwerk. Hobby-Poesie – nur ein Spaß. Seid also nachsichtig mit mir, Gereimtes hab ich seit Jaaahren nicht mehr öffentlich gemacht.

Quellen: Die Bilder sind noch regenfeucht, von von eben und vom Samstagswolkenbruch über Berlin. Selber gemacht, bis auf die Regenschirme – dort nur das mausgezitterte fliegende Kritzelmädchen. 😉
Video: Silly: Bye Bye my Love. Aus: Bye Bye… – Best of Silly Vol. 1 (1996). Via youtube.

Mit Tschechow nach Marzahn

Februar 1, 2009 um 10:46 pm | Veröffentlicht in 2009, Alles platti, Bücherhexe, Berlin, BildungsLückenbauten, Drumherum und anderswo, Kalenderblätter, Kultur, Real-Poetisches, Zuhaus-Hexe | 3 Kommentare
Schlagwörter: , , , , ,

Über Mohrrüben und das Leben und ein paar seltsame Begegnungen in der S-Bahn

„Ich empfehle von Herzen, Tschechows Werke
so oft wie möglich zur Hand zu nehmen und
durch sie hindurchzuträumen, wie das ein Leser tun soll.“

(Vladimir Nabokov)

schild-btt-1Berlin Alexanderplatz.

Ich sehe ihn schon von weitem, wie er mit wehenden Mantelschößen von der Rathausseite heranstürmt und muss schmunzeln, als er entschuldigend seinen Hut vor einem regenbogenfarbenen Punk zieht, der ihm rempelnd vor die eilenden Füße gekollert ist. Der Typ schaut ihm mit offenem Mund hinterher.

„Da sind Sie ja, Anton Pawlowitsch, willkommen, ich freue mich. Nur vielleicht hätten wir doch lieber im Taxi statt mit der S-Bahn….?“

„Die Freude ist ganz meinerseits. Aber, aber Kindchen, Sie auch? Der Wirt meiner netten Pension hatte schon so ein kleines Entsetzen in den Augen, als er erfuhr, was ich vorhabe. Wissen Sie, ich bin durch Sibirien gereist und hab vor 120 Jahren die Abgründe Russlands auf Sachalin gesehen. Wer wird da vor den Abgründen einer Stadt des zivilisierten 21. Jahrhunderts die Hosen voll haben?”

Tschechow-Skulptur mit Regenschirm TomskEr zwinkert mir mit blitzenden Augen zu und rückt unternehmungslustig seinen Hut in die Stirn. Ich zwinkere zurück:

“Sie haben Recht. Ich w o h n e da – seit …zig Jahren, gleich um die Ecke. Und ich wette, Ihr Wirt ist noch nie in Marzahn gewesen. Solche Leute pflegen das Abgründige dort am besten zu kennen. Kommen Sie, hier die Treppe hoch. Wir schaffen die nächste Bahn noch.”

“Wie fahren wir, ist es weit bis zum Theater?” – “Mit der Linie 7 bis Ahrensfelde, Endstation. Noch ein paar Meter zu Fuß und schon sind wir da. Nicht länger als eine halbe Stunde.”

Die Bahn ist mäßig besetzt.
Uns schräg gegenüber am Fenster sitzt ein hitzig streitendes Pärchen, russischer Landadel, vorletztes Jahrhundert, das sich zur Gaudi der Umsitzenden nicht um die Lautstärke schert. Streitpunkt? Das liebe Geld, was sonst?:

Sie: …Überdies sind es heute gerade sieben Monate, daß mein Mann gestorben ist, und ich befinde mich gegenwärtig in einer Stimmung, die mich am wenigsten zur Beschäftigung mit Geldsachen disponiert.
ER: Und ich befinde mich gegenwärtig in einer solchen Stimmung, daß ich, wenn ich morgen die Prozente nicht bezahle, beinvoran aus dem Schornstein fliege. Man konfisziert mir mein Gut!
Sie: Übermorgen erhalten Sie Ihr Geld.
Er: Ich benötige das Geld nicht übermorgen, sondern heute.
Sie: Verzeihen Sie, aber heute kann ich Ihnen nicht bezahlen.
Er: Und ich kann bis übermorgen nicht warten.
Sie: Was soll man denn tun, wenn ich’s jetzt eben nicht habe!
Er: Kurzum, Sie können nicht bezahlen?…
Sie: Ich kann nicht…
Er: Hm!… Ist das Ihr letztes Wort?
Sie: Ja, mein letztes.
Er: Das letzte? Positiv?
Sie: Positiv.
Er: Ergebensten Dank. Das wolln wir auch so notieren.

In der kurzen Funkstille zwischen den beiden lupft mein Begleiter grüßend den Hut zu ihnen hinüber und wendet sich mir wieder erwartungsvoll zu:

tschechow_ohne-tolstoi-aus-russl_journal“Nun, erzählen Sie, Kindchen, erzählen Sie! Wie kam es zu dieser Ehre, in dieser Siedlung mit den hohen… den Hochhäusern ein Theater nach mir zu benennen?”

„Oh, man verehrt Sie, Anton Pawlowitsch, heute wie damals. Und hat Sie sicherlich wissen lassen, dass Sie heute Abend viele Landsleute treffen werden, Rückkehrer in das Land ihrer Wurzeln, die Ihre Muttersprache sprechen und ihren Tschechow im Bücherregal stehen haben. Und sie teilen diese Verehrung durchaus mit vielen ihrer deutschen Nachbarn. Dass es das Theater überhaupt gibt – ja, solche Schnörkel malt das Leben -, verdankt sich auch ein bisschen den vorhin erwähnten ‚Abgründen‘. Kultur braucht Geld und manchmal, vor allem in, wie wir es heute gern nennen, sozialen Brennpunkten, öffnet die Stadt ihr Säckel dafür. Und aus diesem Säckel fließt es erstaunlicherweise und auch zum Segen des Theaters unverdrossen, auch wenn es dort im Viertel inzwischen nicht mehr gar so lichterloh brennt, wie ich meine. Was der Kultur da aber nur zum Wohle und gut sein kann…“

Der Streit neben uns flammt wieder auf:

dame_mit_dem_huendchen_me

Sie: Sie verstehen sich nicht in weiblicher Gesellschaft zu benehmen!

Er: Nein, ich verstehe mich sehr wohl in weiblicher Gesellschaft zu benehmen!

Sie: Nein doch! Sie sind ein ungezogener, grober Mensch! Anständige Menschen sprechen nicht so mit Frauen!
Töricht und grob.

Er: Töricht und grob! Ich verstehe mich in weiblicher Gesellschaft nicht zu benehmen! Meine Gnädige, ich habe in meiner Zeit mehr Frauen gesehen, als Sie Sperlinge! Dreimal hab ich mich im Duell geschossen wegen Frauen, zwölf Frauen habe ich verlassen, neun verließen mich! Tja-wohl! Es gab eine Zeit, da spielte ich den Narren, raspelte Süßholz, redete Honig, sprühte Perlen und knixte mit den Füßen [. ..] Ich liebte leidenschaftlich, auf jegliche Manier, hol mich der Teufel, schwatzte wie eine Elster über Frauen-Emanzipation, habe mein halbes Vermögen auf Zartgefühl verlebt, aber jetzt – gehorsamer Diener! Jetzt führt ihr mich nicht mehr an! Genug! Sschwarze Augen, rote Lippen; Grübchen auf den Wangen, Vollmond, Flüstern, scheues Atmen — für das alles gebe ich heute, meine Gnädige, auch nicht einen Kupferdreier! […] In der Liebe versteht sie nichts weiter als winseln, miauen und den Kopf hängenlassen! Wo ein Mann leidet und opfert, drückt sich ihre Liebe bloß darin aus, daß sie mit der Schleppe schwänzelt und uns um so fester an der Nase führt […] Nun sagen Sie mir auf Ehre und Gewissen: Haben Sie je eine Frau gesehen, die aufrichtig, treu und beständig war? Nein, Sie haben sie nicht gesehen! Treu und beständig sind allein Greisinnen und Mißgeburten! Eher noch treffen Sie eine gehörnte Katze oder eine weiße Waldschnepfe, als eine beständige Frau!

Sie: Erlauben Sie, wer ist denn dann Ihrer Meinung nach treu und beständig in der Liebe? Etwa der Mann?

Er: Tja-wohl, der Mann!

Sie: Der Mann! Der Mann treu und beständig in der Liebe! Sagen Sie, was für eine Neuigkeit! […] Die Männer treu und beständig! Wenn wir schon davon reden, so will ich Ihnen sagen, daß von allen Männern, die ich je gekannt habe und kenne, der allerbeste mein verstorbener Gatte war… Ich liebte ihn leidenschaftlich, mit meinem ganzen Wesen, wie nur eine junge, denkende Frau zu lieben vermag; ich gab ihm meine Jugend, mein Glück, mein Leben, mein Vermögen, ich atmete ihn, betete zu ihm wie eine Heidin, und… und was? Dieser beste aller Männer betrog mich gewissenlos auf jedem Schritt! Nach seinem Tode fand ich in seinem Tisch eine Schublade voll von Liebesbriefen, und bei seinen Lebzeiten ließ er mich — schrecklich zu denken! — zu ganzen Wochen allein, machte vor meinen Augen anderen Frauen den Hof, betrog mich, warf mit meinem Geld herum, machte sich über meine Liebe lustig .. . Und, ungeachtet alles dessen, liebte ich ihn und war ihm treu . . .

Er: […] Mir unbegreiflich, für wen Sie mich halten? Als ob ich nicht weiß, warum Sie diese schwarze Maskerade tragen […] Gewiß doch! Das ist so geheimnisvoll, so poetisch! Fährt am Gutshaus irgendein Leutnant oder ein wildgelockter Dichter vorüber, so blickt er auf die Fenster und denkt: „Hier wohnt jene geheimnisvolle Tamara, die sich aus Liebe zu ihrem Gatten in ihre vier Wände vergraben hat.“ Wir kennen doch diesen Hokuspokus! […]

Sie: Wie unterstehn Sie sich, mit mir derart zu reden?

Er: Bitte, schreien Sie nicht, ich bin Ihnen kein Verwalter! Lassen Sie mich doch die Dinge beim rechten Namen nennen. Ich bin keine Frau und pflege meine Meinung direkt herauszusagen! Also, schreien Sie bitte nicht!

Sie: Ich schreie nicht, Sie schreien! Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe!…

Wir sehen uns grinsend an. “Ich hoffe, Sie haben Ihr Notizbuch dabei, lieber Anton Pawlowitsch. Die Luft an dem Ort, an den wir uns begeben, riecht nach Geschichten, wie Sie sie lieben.” „Du fragst: was ist das Leben? Das ist, als wollte man fragen: was ist eine Mohrrübe? Eine Mohrrübe ist eine Mohrrübe, mehr ist darüber nicht zu sagen“, murmelt er. Kramt in seinen Taschen und nickt. “Und weiter, Mädchen? Erzählen Sie weiter.”

Dazu soll es zunächst nicht kommen. Denn am Ostkreuz steigt ein Kontrolleur zu:

“Ihre Fahrkarten, bit–te!” ruft er, lustig mit der Zunge klappernd. […]

Verschlafene, ins Halbdunkel gehüllte Gestalten fahren zusammen, schütteln die Köpfe und reichen ihm ihre Fahrkarten.

“Ihre Fahrkarte, bit–te!” wendet sich Podtjagin an einen Passagier […], einen hageren Menschen, der sich in einen Pelzmantel und eine Decke gehüllt hat […] “Ihre Fahrkarte, bit–te!”

Der hagere Mensch gibt keine Antwort. Er schläft. Der Oberschaffner berührt seine Schulter und wiederholt ungeduldig: “Ihre Fahrkarte, bit–te!”

Der Passagier fährt zusammen, öffnet die Augen und blickt Podtjagin entsetzt an. “Wie? Was? Wer?” “Ich sage Ihnen doch: Ihre Fahrkarte! Sind Sie so gut!”

“Mein Gott!” stöhnt der hagere Mensch und verzieht weinerlich das Gesicht. “Du lieber Gott! Ich leide an Rheumatismus … drei Nächte habe ich nicht geschlafen, habe extra Morphium eingenommen, um einzuschlafen, und Sie kommen mit Ihren Fahrkarten! Das ist doch grausam, unmenschlich! … Es ist grausam und unnütz! Was brauchen Sie plötzlich meine Fahrkarte? So dumm!”

Podtjagin überlegt sich, ob er sich verletzt fühlen soll oder nicht, und entschließt sich für das erstere. “Schreien Sie bitte nicht! Hier ist kein Wirtshaus!” sagt er.

“Im Wirtshause sind die Leute viel menschlicher …”, sagt der Passagier hustend. “Jetzt muß ich zum zweitenmal einschlafen! Es ist doch merkwürdig: das ganze Ausland habe ich bereist, und kein Mensch hat von mir meine Fahrkarte verlangt; hier aber kommen sie jeden Augenblick, wie wenn der Teufel sie stieße! …”

“Fahren Sie dann ins Ausland, wenn es Ihnen so gut gefällt!”

“Es ist dumm, verehrter Herr! Jawohl! Es genügt ihnen nicht, daß sie die Passagiere durch Kohlendunst, Hitze und Zugluft halb hinmorden, sie müssen sie auch noch mit allen diesen Formalitäten plagen. Meine Fahrkarte braucht er plötzlich! Gott, welch ein Eifer! Wenn es doch der Kontrolle wegen wäre, aber der halbe Zug fährt ohne Fahrkarten!”

“Hören Sie mal, Herr!” braust Podtjagin auf. “Wenn Sie nicht aufhören, zu schreien und das Publikum zu belästigen, so muß ich Sie auf der nächsten Station aus dem Zuge weisen und über Ihr Benehmen ein Protokoll aufnehmen!”

“Es ist empörend!” schimpft das Publikum. “Wie er dem kranken Menschen zusetzt! Hören Sie mal, man muß doch Rücksicht nehmen!”

“Der Herr schimpft aber selbst!” entgegnet Podtjagin feige. “Gut, ich verzichte auf seine Fahrkarte … Ganz wie Sie wünschen … Aber Sie wissen doch, daß das meine Pflicht ist … Wenn es die Dienstinstruktion nicht verlangte, dann natürlich … Sie können sogar den Stationschef fragen … Sie dürfen jeden fragen …”

ausenansicht-btt

Der frustrierte Kontrolljagin verlässt an der nächsten Station die Bahn – nicht, ohne dass mein Nachbar ihm ein grübelnd verträumtes Lächeln hinterher schickt. Und obwohl das aufgelöste Publikum sich langsam wieder beruhigt, ahne ich: das wird nix mehr mit einer gepflegten und ungestörten Unterhaltung bis zur Endstation. Ich fass mal zusammen – und kann’s dem großen Kollegen ja dann ausdrucken, wenn er mag.

blick-inDas Berliner Tschechow-Theater kenn ich ja schon aus der Zeit, als es noch ganz woanders war, was sag ich, als es noch nicht mal so hieß und das Publikum sich noch an den kleinen runden Kaffeehaustischen niederließ. Ich war sogar an einem der großen Erfolge des Vorgängers beteiligt: einer Filmvorführung und Diskussion zu Günter Kottes “Lieber Wolodja” über den heißgeliebten Volksbarden Wladimir Wyssozki. In Anwesenheit des Filmemachers, der seinen Spuren in Moskauer Kneipen und anderswo gefolgt war. Die Resonanz und Sachkenntnis der Leut‘ hat uns damals umgehauen und wir mussten bei Nachbars noch Stühle borgen gehn. Das war zu der Zeit, so Ende der Neunziger, als ich in der Ecke noch ein eigenes und wohlbesuchtes soziokulturelles Projekt am Leben erhielt und, meist vergeblich, bei den ansässigen Vertretern des Stadtsäckels um ein paar Kröten bettelte.

Die Intendantin des späterhin Tschechow-Theaters, die beiläufig kein Mensch Intendantin nennt, ist Slowakin und promovierte Kulturwissenschaftlerin und ruiniert mit ihrem Engagement für den Laden nix, außer Tag für Tag ihre Gesundheit. Ich hab selbiges in und aus ihr – spätestens – ohne Wenn und Aber schätzen gelernt, als sie mir dereinst quasi für lau und aus Kollegialität geholfen hat, ein multikulturelles Event in der Heiligkreuz-Kirche in Kreuzberg für 800 Leute aus allen Bundesecken auf die Beine zu stellen. Freundinnen wurden wir schon vorher. Und von der Hilfe hat sie a u c h was gehabt: von den erstaunlich zahlreichen Kontakten zu Künstlern, die bereit waren, damals für unsere kärglichen Euronen (oder ohne) aufzutreten, zehrt sie noch heute.

autorenlesung-tschechow-1Und das Theater, entstanden zuvörderst aus dem Wunsch russlanddeutscher Zuwanderer, ihre eigene Kultur und Sprache in das Leben im Kiez einzubringen, ist ihr Baby. Sein Markenzeichen sind zweisprachige Theateraufführungen v.a. von komödiantischen Tschechow-Einaktern wie “Der Bär”, “Der Heiratsantrag” etc. Was allerdings der Vielseitigkeit des Programms in keiner Weise gerecht wird. Das reicht quer durch alle Kunstgenres und Zielgruppen. Neben Konzerten, Kinderbespaßungen, Kabarettaufführungen und was weiß ich noch alles können Maler ihre Bilder ausstellen, Amateurtänzer ihre ersten Lorbeeren sammeln und No-Name-Autoren an die Öffentlichkeit treten und an ihrem Ruhm arbeiten – wenn sie sich denn trauen.

Bahnhof Mehrower Allee. Nun wird es aber Zeit, meinen guten Anton Pawlowitsch von dieser pelzbemantelten Landsmännin loszueisen. Die muss ihn erkannt haben und versucht gerade, ihm ihre selbstgestrickten dramatisch-literarischen Werke anzuschwatzen:

“Sehen Sie, ich … ich …”, sagte die Dame, indem sie Platz nahm, in noch größerer Erregung. “Sie erinnern sich meiner nicht … Ich heiße Muraschkina … Sehen Sie, ich bin eine große Verehrerin Ihres Talents und lese stets mit Genuß Ihre Aufsätze … Glauben Sie nur nicht, daß ich Ihnen schmeicheln will, – Gott behüte! – ich lasse Ihnen nur Gerechtigkeit widerfahren … Immer, immer lese ich Ihre Aufsätze! Einigermaßen stehe ich auch selbst der Schriftstellerei nicht ganz fern, d.h. natürlich … ich wage es nicht, mich eine Schriftstellerin zu nennen, aber auch ich habe schon einige Tropfen Honig in den Bienenkorb der Literatur gebracht. Zu verschiedenen Zeiten sind von mir drei Erzählungen für die Jugend erschienen, – Sie haben sie natürlich nicht gelesen … ich habe auch viel übersetzt und … und mein verstorbener Bruder war Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Djelo‘.”

“So, so … hm … Womit kann ich dienen?”

eingangstur-btt-bea“Sehen Sie … (Die Muraschkina senkte die Augen und errötete). Ich kenne Ihr Talent … und Ihre Anschauungen […] und möchte gerne Sie um Ihre Ansicht oder eigentlich um Rat bitten. Ich bin, pardon pour l’expression, mit einem Drama niedergekommen, und bevor ich es an die Zensur schicke, möchte ich Ihr Urteil hören…”

“Oh, entschuldigen Sie tausendmal, dass ich Ihr angeregtes Gespräch unterbreche, aber wir sind da, Anton Pawlowitsch.” Er wirft mir einen dankbaren Blick zu, schlägt den Kragen hoch und folgt mir auf den Bahnsteig. Das streitsüchtige Paar aus dem Zug scheint denselben Weg zu haben wie wir. Wenige Minuten später stehen wir am Fuß eines Elfgeschossers. An der Eingangstür zum Ladentheater erwartet man uns schon – also mehr ihn, glaub ich.

Das Pärchen ist backstage verschwunden. Wen wunderts? – gegeben wird heute “Der Bär”. Zweisprachig.

P.S. Viel zu lang! – jaja, ich weiß. Aber ich konnte nicht anders. Und jaja, drei Tage zu spät… ich weiß, ich weiß. Aber es war ja nur die Generalprobe; runder Geburtstag ist nächstes Jahr, da passt’s dann. 😉

Bilder: Tschechow-Denkmal in Tomsk: Wikimedia commons. Tschechoew-Porträt: RusslandJournal (modifiziert). Dame mit Hündchen-Szenenbild: Deutsches Filminstitut.de. Autorenlesung: Feelgoodradio-Archiv. BTT Marzahn: selbereigene.
Song: Wladimir Wyssozki: „За меня невеста…“ (Sa menja newesta…) – via youtube.
Textquellen: Anton Tschechow: Der Bär, OdysseeTheater Wien. Anton Tschechow: Ja, das Publikum! und Das DramaGutenberg Projekt.
I

Das Dings des Tages…

Januar 14, 2009 um 11:41 pm | Veröffentlicht in Alles platti, Bloghexe, BlogMist, Dings des Tages, Drumherum und anderswo, Hexentanz, Real-Poetisches, Unnützes Wissen, Zuhaus-Hexe | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , ,

wild-thing…ist ein Versuch, durch mehr oder weniger regelmäßige Futtergaben für diese neu erschaffene Rubrik des Hexenblogs einen therapeutischen Beitrag zur Selbstdisziplinierung der ansässigen Besenfliegerin zu leisten. Und zu besserer Ausnutzung ihrer oft spärlichen Zeitreserven. Vor allem und zuvörderst aber, die Plattenbauromantik, die mitnichten so ärmlich ist, wie sie für sich Manchen vielleicht anfühlt, und natürlich erst recht den geneigten Leser nicht weiter so scham- und lieblos vor sich hin hungern zu lassen. 😉

Ähm… was noch lange nicht heißt, dass die Fütterung täglich erfolgt, nur nicht gleich überfressen übertreiben. Dennoch handelt es sich hierbei eindeutig und ohne Frage um ein Projekt „Gute Vorsätze fürs neue Jahr“. Na, schaun wir mal.

Die etwas diffuse Namensgebung soll dabei kein Im-Trüben-Fischen, Im-Dunkeln-Tappen, Im-Nebel-Stochern oder ähnlich Unentschlossenes suggerieren. Nein, sondern derdiedas Dings des Tages will uns lediglich ein sonniges Offenhalten aller Optionen für Bemerkenswertes, Lustiges, Ab- und Tiefgründiges, Helden- und Zauberhaftes oder auch ganz und gar Unnützes bedeuten. Ich lasse mich da mal selber überraschen. Man fängt ja irgendwann an, seinen Blog auf Schritt und Tritt in sich mitzuschleppen, wenn ihr wisst, was ich meine. 🙂 In diesem Sinne.

Sozusagen als Premierendings – tadaaa! – darf ich vorstellen?:

Der Nachzügler des Tages!

oller weihnachtsbaum

Entdeckt bei mir vorm Haus einzwei Stunden nach der jüngsten Abholung der nadelnden Weihnachtsüberreste. Man hofft für ihn, der ja – unwissend und schuldlos – diese Verspätung nicht selbst zu verantworten hat, dass die BSR-Muskelmänner ihn bei ihrer unwiderruflich letzten Runde für dieses Jahr noch finden. Und denkt wieder mal an das traurige Ende des eitlen kleinen Tannenbaums vom Hans Christian Andersen.

Wenigstens liegt er brav und unaufdringlich in der ihm zugewiesenen Ecke. In meinem Friedrichshainer Dienstbezirk kollern diese abgewrackten Stachelviecher hemmungslos vor deinen Füßen übern Gehweg. Und du hebst verunsichert und fluchtbereit den Blick nach oben, weil du nicht sicher sein kannst, ob sie nur der verspielte Nordost dorthin geweht hat oder doch die hauptstädtischen Südschweden bei einem nicht näher benannten Möbelhaus Knut feiern gelernt haben. (Ich werd den Teufel tun und hier Schleichwerbung begehen!)

Passt also schön auf, dass euch nix auf den Kopf fällt, lernt lieber was über das Maibaumwerfen in meiner weiland Heimat. Und nicht verzagen! Denn eins ist sicher: der nächste Frühling kommt bestimmt.

Bilder: Wild Thing: allposters.de. Bummelbaum: Selbereigenes.
Song: Die Ärzte: die Ärzte Jäg Alskar Sverige. Via youtube.

Wer ist der Kerl mit dem Hut?

Dezember 23, 2008 um 12:58 pm | Veröffentlicht in 2008, Berlin, BildungsLückenbauten, Bloghexe, DieStadtreporterin, Drumherum und anderswo, Geschichtsbuch, Hexenritte, Kalenderblätter, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, Zuhaus-Hexe | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , ,

Begegnung mit einem Berliner Original

„Es lebt aber, wie ich an allem merke,
dort ein so verwegner Menschenschlag beisammen,
daß man mit der Delikatesse nicht weit reicht,
sondern daß man Haare auf den Zähnen haben
und mitunter etwas grob sein muß, um sich über Wasser zu halten.“
Johann Wolfgang von Goethe: In einen Brief an Eckermann, 4. Dezember 1823.

Berliner DroschkeBei einem meiner wöchentlichen Stop-and-Go-Kämpfe auf vier Rädern durch die Potsdamer ist sie mir zum ersten Mal aufgefallen, diese seltsame Skulptur auf dem Mittelstreifen, schräg gegenüber der Staatsbibliothek. Ein Kerl mit Vollbart, Zylinder und Radmantel, ohne Beine, die in dem grob behauenen Findling unter ihm zu stecken scheinen, auf dem er Tag für Tag hockt und gelassen auf die Neue Nationalgalerie blickt, während der Berliner Großstadtverkehr links und rechts an ihm vorbeirauscht.

Der berühmteste Droschkenkutscher BerlinsWer ist dieser Typ mit dem Hut und dem Droschkenkutscher-Outfit der Goldenen Zwanziger, hab ich mich gefragt. Und weil einfach dort anhalten und nachschauen mitten in der Rush Hour wohl sämtliche Benzindroschken-Kutscher gegen mich aufgebracht hätte, blieb nur die Alternative, der Bildungslücke nach bester Bloggermanier hinterherzugooglen:

Gustav Hartmann heißt der betagte Knabe. Und er war Droschkenkutscher, hingegen alles andere als gelassen. Zwar geborener Magdeburger, doch ein echtes Berliner Original, dem Volksmund und mir entweder gar nicht oder längst als der Eiserne Gustav bekannt. Was er neben dem – 1938 erstmals bei Rowohlt erschienenen – gleichnamigen Buch von Hans Fallada und der danach ins Bild gesetzten 50er-Jahre-Filmkomödie von Georg Hurdalek mit Heinz Rühmann in der einschlägigen Hauptrolle vor allem einer spektakulären Selbstinszenierung und Protestaktion verdankt.

Der echte Eiserne Gustav, Fuhrunternehmer und Pferdetaxenbesitzer, musste Ende der zwanziger Jahre erleben, wie die sich unaufhaltsam ausbreitenden Bezinkutschen sein Gewerbe bedrohten und die motorisierten Taxifahrer ihm die Kundschaft streitig machten. Mit Herz und Energie und seinem (Wahl)Berliner ‚eisernen‘ Dickschädel beschloss er also als rüstiger Endsechziger vor achtzig Jahren, nicht sang- und klanglos Pleite zu machen, sondern mit einem Spektakulum: einer Droschkenfahrt nach Paris in fünf Monaten mit ihm selber auf dem Kutschbock seines Einspänners und seinem Gaul Grasmus davor. Er befand sich mit dieser Idee in jenem Jahr 1928 der Rekordjagden in bester Gesellschaft mit Charles Lindbergh, dem Ozeanüberflieger, dem schnellsten Wüste-Gobi-Durchquerer Sven Hedin, dem einbeinigen Höchste-Gipfel-Erklimmer und wer weiß wem sonst noch.

gustav-mit-weib-und-gaulDem entsprechend wurde er nach über 2000 Kilometern bei seiner Ankunft in Paris – genau an seinem 69. Geburtstag – auch gefeiert. Und zwar nicht nur für diese Leistung von Mann und Pferd, sondern auch für seinen erhebenden Beitrag zur Völkerverständigung, die er in der Hauptstadt des feindlichen Frankreich als Friedensbote zelebrierte. Und er ließ es sich natürlich samt seinem Gaul nicht nehmen, die Tour gleich retour nach Berlin zu machen, und wurde auch zu Hause pompös empfangen.

Übrigens hieß besagter Klepper “Grasmus” eigentlich Erasmus, doch Gustav hatte das schnörkelige Sütterlin-E auf der Kaufurkunde irrtümlich für ein G gehalten. Somit trug der einmalige Vierbeiner einen einmaligen Namen, für den sein vorgesetzter und nicht auf den Kopf gefallener Zügelhalter eine von echtem Berliner Mutterwitz triefende Erklärung vorzubringen hatte: “Der heißt Grasmus, weil er aus Gras Mus macht!” Zu den durch Falladas Buch genährten Legenden gehört allerdings die Behauptung, dass er die motorisierten neuen ‚Droschken‘ in Bausch und Bogen verteufelte – schon vor seiner Paris-Tour war er selbst im Besitz eines Taxis.

Eiserner Gustav SkulpturNach seiner Rückkehr gründete Gustav Hartmann eine Stiftung für die Hinterbliebenen von Taxifahrern, die bei der Ausübung ihres Berufes ums Leben kamen.

Über sechs Jahrzehnte nach seinem Eingehen in den Droschken- und Taxikutscherhimmel musste sich sein Eisenschädel noch einmal bewähren. Seine nachgeborenen Berufsgenossen sponsorten ihm 2000 in dankbarer Erinnerung ein Denkmal, geschaffen von Gerhard Rommel. Doch seinen Standort mussten sie erkämpfen – denn nach kommunalpolitischer Lesart kamen die ursprünglich gewünschten Stellplätze (Wannsee, Tiergarten, am Brandenburger Tor, im Nikolaiviertel, Unter den Linden) nicht in Frage. Weil: die hatten alle schon ein Denkmal. 😉

Jetzt schaut er die Potsdamer Straße entlang und passt da ganz gut hin, wie ich finde: denn die hat sogar eine extra (Bus- und) Taxi-Spur.

Heut ist der siebzigste Todestag von Gustav Hartmann. Und die Berliner Taxifahrer ziehen, auch wenn sie keine Zylinder mehr tragen, immer noch ihren Hut vor dem Eisernen Gustav.

Bilder: Gustav Hartmann mit Frau und Gaul in Paris. Via mdr.de. Gustav-Hartmann-Denkmal: Wikimedia Commons. Rest – Creative commons Lizenz; eventuelle Urheber bei Bedarf bitte melden.
Trailer Der Eiserne Gustav – via youtube.

Everyone I know goes away in the end…

September 12, 2008 um 11:56 pm | Veröffentlicht in Alles platti, Drumherum und anderswo, Hexentanz, Kalenderblätter, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, Uncategorized, Zuhaus-Hexe | 5 Kommentare
Schlagwörter: , , , ,


latte-Wohnen ist manchmal ganz schön anstrengend.

Ich bin genervt. Denn mein Herr Nachbar unter mir, 10. Stock, links, hämmert mir seit einer geschlagenen Stunde mit allen Reglern auf rechts geschlagene Klampfe, geblasenes Blech und den verheerenden Ring-of-Fire-Ohrwurm durch die Zimmerdecke – also seine, die mein Fußboden ist. Rauf und runter, immer wieder von vorne. Himmel! Was macht der am Freitagabend – üben für ’ne Karaoke-Show??

Ich überlege, ob ich ihn mit einem kräftigen Schlag gegen das Heizungsrohr an Paragraph 1 der HVO (=Hochhausverkehrsordnung) – der da lautet: Zimmerlautstärke und gegenseitige Rücksichtnahme – erinnern soll, und schalte, sozusagen als Fluchtversuch vor dieser ohrwürmelnden Boa Constrictor, das Radio ein.

Es laufen die Nachrichten… „Heute vor fünf Jahren starb der amerikanische Countrysänger Johnny Cash.“ —————-

Hmmm… wenn das nicht Grund und Alibi genug ist für was Legendäres (und Regler nach rechts):

… und diesen einmaligen Clip… und ein bisschen sentimentale Wehmut – durfte der alte Man in Black sich mit der Stimme einfach so davonmachen? Aber wer weiß, wer sagt uns denn, dass nur ELVIS LEBT…? 😉

Jahaaa, da musst du jetzt a u c h durch, Herr Nachbar.

Ruhe weiter in Frieden, Johnny.
We’ll find a way…Machs gut, Man in Black!

Bild: via. Video: via Fast Focus TV bei youtube

„Ich dreh‘ mich um, da blüht der Flieder…“

Mai 12, 2008 um 5:40 am | Veröffentlicht in 2008, Alles platti, Bloghexe, Fest-Platte, Hexenkräuter, Kultur, Real-Poetisches, Zuhaus-Hexe | 3 Kommentare
Schlagwörter: , , ,

HexenfliederWenn irgendein duftend erblohenes Gewächs dieser Erde zu mir gehört, dann ist es der Flieder. In allen Farben, mit allen Sinnen.

Der Herr Honigbrötler hat jüngstens auf so anrührende Weise verflogene Gerüche der Vergessenheit entrissen und sie sorgsam vor derselben gerettet. Zu m e i n e n gehört unbedingt der betäubende Duft der wunderschönen Fliederdolden, oft vermischt mit dem von heißem Kerzenwachs.

Denn seit ich denken kann, waren ein paar Zweige der schweren und doch so zarten Blütentrauben meine Geburtstagsblumen (äh… nee, der ist noch nicht heute 😉 ). Von den Eltern als ausladender Strauß zwischen die Geschenke drapiertPfingstflieder - meiner oder von pubertierenden Jungs und verliebten Studenten angeschleppt, gehörten sie mehr als alles andere dazu. Mit den Jahren kam es mir vor, als trügen die Büsche immer früher ihre blassviolette, weiße oder tief burgunderfarbene Pracht. Und so oft welkten sie bis Mitte Mai längst schon wieder dahin und nix wars mit Flieder für die Hex’…

Heute steht er in voller Blüte. Und bei mir zu Hause. Mein Sohn hat mir einen Armvoll gebracht, aus Nachbars Garten geklaut. Und ich hab mich halbtot gefreut. Nicht dass ich einen Muttertag bräuchte – meine Kinder sind sowieso jeden Tag die besten der Welt. Aber für ’nen Fliederstrauß nehm ich den a u c h in Kauf.

Es fühlt sich so an, als könnte man solchen Schöpfungen der Natur, die einen verzückt erschauern lassen, nur mit purer Poesie begegnen. So ist es denn auch mit mit der fliedernen: sie will Leidenschaft, nicht Anbetung – sonst wäre sie ein Baum geworden. Dichter haben den Flieder und seine wonnige Zeit zuhauf besungen, vor allem wohl in Zuständen, von denen man hoffen will, dass sie nicht nur der Umnebelung durch den Fliederduft entsprangen. Wie der hier zum Beispiel – möge er dank dem schnuppernden Fest der Sinne dem Vergessen entrinnen: 😉

Liebesmorgen (Paul Boldt)...liegen wir wie junge Flüsse

Aus dem roten, roten Pfühl
kriecht die Sonne auf die Dielen,
Und wir blinzeln nur und schielen
Nach uns, voller Lichtgefühl.

Wie die Rosa-Pelikane,
Einen hellen Fisch umkrallend,
Rissen unsere Lippen lallend
Kuß um Kuß vom weißen Zahne.

Und nun, eingerauscht ins weiche
Nachgefühl der starken Küsse,
Liegen wir wie junge Flüsse
Eng umsonnt in einem Teiche.

Und wir lächeln gleich Verzückten;
Lachen gibt der Garten wieder,
Wo die jungen Mädchen Flieder,
Volle Fäuste Flieder pflückten.

Bilder: Flieder: Meiner. Frühling: Helmut Maletzke, Greifswald 1979; creative commons.

Luftschiffe überm Lustschloss?

November 26, 2007 um 12:56 am | Veröffentlicht in Alles platti, Berlin, BildungsLückenbauten, Geschichtsbuch, Kalenderblätter, Kultur, Uncategorized, Unnützes Wissen, Zuhaus-Hexe | 4 Kommentare
Schlagwörter:

Ein vergessenes Kapitel Berliner Geschichte

buchstabe_a.gifls ich jüngstens unversehens in die Träumereien zweier ausgewachsener BloggerKerle von der Wiederkehr der Luftschifffahrt surfte, fingen meine kleinen grauen Zellen an zu rotieren: da war doch was…

Fliegen mit Jules VerneDie Himmelszigarren faszinieren mich ja schon, seitdem ich als kleine Zopfliese mit den abenteuerlichen Erfindungen eines Jules Verne in 80 Tagen um die Welt gereist bin. Und wenn heute gelegentlich so ein gasgefülltes Riesenteil mit gedämpftem Brummen – meist mit einem Monster-Werbebanner geschmückt – über die Stadt schwebt, wer legt da nicht den Kopf in den Nacken und hält ehrfürchtig inne? Und wünscht sich, dort oben zu sein – oder?

Aber wer weiß heute schon noch, dass in Berlin, im heutigen Marzahn-Hellersdorf, ein Kapitel deutscher Luftfahrtgeschichte geschrieben wurde? Vom einstigen Herrn des Biesdorfer Schlosses nämlich.

Für Ortsunkundige sei erwähnt, dass Biesdorf eines der fünf Dörfer ist, über die ich schon längst mal was schreiben wollte aus denen der Bezirk Marzahn Hellersdorf heute besteht. Und das Biesdorfer Schloss… sorry, es war nie ein Lustschloss, genau genommen war es sogar niemals ein Schloss (obwohl jeder es so nennt), sondern eher ein hochherrschaftlicher Landsitz im Stil der italienischen Renaissance. Es liegt an der B1 in Richtung Frankfurt/Oder. Und wenn ihr stadtauswärts fahrt, kommt ihr ein paar Kilometer vor der östlichen Stadtgrenze daran vorbei, also an dem, was nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges davon übrig geblieben ist. Aber davon später einmal.

Wilhelm von SiemensVom Ende des 19. bis in das 20. Jahrhundert hinein gehörte Schloss Biesdorf der Familie von Siemens. Der Begründer des allbekannten Imperiums, Werner von Siemens, hatte es 1889 als Sommersitz für seinen Sohn Wilhelm erworben. Und eben jener Wilhelm von Siemens ließ auf dem Gelände des heutigen Verschiebebahnhofs Wuhlheide – das damals noch gar nicht zu Berlin gehörte – eine Luftschiffhalle bauen. 1909 fertiggestellt, war sie eine Weltneuheit: sie konnte nach wechselnder Windrichtung für die anfliegenden Luftschiffe um 360 Grad gedreht werden. Von Siemens beteiligte sich damals an einer… hm, heute würde man sagen, Ausschreibung zum Bau militärisch nutzbarer Luftschiffe. Die Tests der zwei gebauten Typen des Siemens-Schuckardt-Luftschiffes waren nicht erfolgreich genug und das Kriegsministerium entschied sich für den bewährten Zeppelin-Typ. Von den Erprobungs- und (zivilen) Rundfahrten der Siemens-Modelle sind vor allem die um das kaiserliche Schloß und nach Potsdam sowie eine Wasserlandung auf dem Müggelsee in die Annalen eingegangen.

Die Halle, die während des ersten Weltkrieges für andere Luftschiffe genutzt wurde, musste nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages nach Kriegsende abgetragen werden. Und dieses durchaus bemerkenswerte Intermezzo in der Berliner Geschichte ist heute fast ganz in Vergessenheit geraten.

Luftschiffe über BiesdorfIm Marzahn-Hellersdorfer Heimatmuseum gibt es eine kleine Austellung zu den „Luftschiffen über Biesdorf“ Und wen das Thema interessiert, der kann hier fast geschenkt eine Broschüre darüber erwerben. 75% günstiger gibts die allerdings für einen schlappen Euro im Museum selbst. Vielleicht kommt ihr ja mal vorbei…

Mal in einem Luftschiff zwischen Himmel und Erde schwimmen – doch, das wäre bestimmt der Wahnsinn. Diese bestaunten Wunder der Technik – ob sie wohl wiederkommen?

P.S. Ach ja, an dieser Stelle herzlichen Dank an die beiden luftschiffaffinen Herren für die Idee zum Blog.

P.P.S. Öhm, und wer nicht so der Luftschiffer ist, der nehme halt die Treppe zum Himmel. Aber dann wenigstens zünftig mit den Zeppelinen… 😉

Luftschiffhalle in Biesdorf

Bilder: Creative Commons

Himmelhoch fluchend – zu Tode gejauchzt

Oktober 9, 2007 um 12:01 am | Veröffentlicht in Alles platti, BlogMist, Drumherum und anderswo, Hexentanz, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Spielwiese, Zuhaus-Hexe | 6 Kommentare

Nicht fluchen, nur beißen!Na gut, ganz so wild ist es nun auch wieder nicht. Aber uns‘ hochverehrter Herr Geheimrat mit seinem Wortgeflügel wird halt gerne genommen – auch leicht geschüttelt. – Nicht gerührt!

Gerührt war ich nämlich ganz und gar nicht, als ich gerade feststellen musste, dass meine verlinkten Plenzdorfschen Paul-und-Paula-Filmschnipsel und die dazugehörigen Puhdys-Songs aus YouTube entschwunden (worden) sind. Womit das relevante Hexengeschreibsel nur noch halb soviel wert ist. Grrrrrrr… und da soll man nicht fluchen und in die Tastatur beißen? Also wirklich, Copyright hin oder her – es waren doch tatsächlich nur Schnipsel, höchstens zum Anfüttern und Neugierigmachen gut. Pfffff…! Selber schuld! ’ne billigere Werbung kriegen die nie wieder. Das verstehe, wer will. Dabei youtubte das Zeux dort ewige Zeiten friedlich und freundlich vor sich hin. Hmmm… werden wohl ein paar Plenzdorf-Erben ihre Advokaten von der Kette gelassen haben.

Locations of visitors to this pageAuf der Suche nach was Tröstlichem brachten mich schließlich ein paar rote Sommersprossen auf meinem Erbsenzähler der Weltkarte zum Lächeln – meine Visitor locations. Nicht, dass man nun grad ein trafficgeiler WordPresser wäre – so ein Nischenblöggele wie das von der Hex‘ ist klein, fein und mein 😉 . Aber freuen tut’s eine dann doch und sooo unspannend ist es ja auch nicht, aus welcher Herren Länder die Leute so in’n Plattenbau zu Besuch kommen.

Hach, und für die paar Tage Internetz-Visite schaut es doch schon mal ganz nett aus, nä. Nur seltsam, dass ausgerechnet die russischen Weiten auf der Landkarte so ein… öhm, schwarzes Loch?… weißer Fleck?, tja was auch immer sind. Zähln die die Erbsen etwa nich mit? Weil: selber treibt man sich eigentlich zur Genüge auf deren Seiten rum…

russische KircheHexi kurvt, äh surft

Nächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.

%d Bloggern gefällt das: