Wer lernt mir Deutsch?

August 19, 2007 um 6:28 pm | Veröffentlicht in BildungsLückenbauten, Fremd-Worte, Hexen-Gedanken, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, Real-Politisches, Uncategorized | 3 Kommentare

Ich hab Angst vor dem Alter, wir werden umgeben sein von
lauter sprachlosen Faustkämpfern, Pantomimen und Buchflüchtern.
(Frederic Hormuth)

Deutsch vom StengelDer Herr Kabarettist mit dem lecker Honigbrot-Blog sorgte sich jüngstens um dem guten Deutsch der Vater- und Mutterpflanzen einer frühkindlichen Zielgruppe der Sprachförderung. Zu Recht, kann ihm eine, die ihren Honig aufs Brot zu einem erklecklichen Teil zwischen Sprachgetesteten, -geförderten und -geprüften verdient, nur heftigst kopfnickend beipflichten.

„Ich gebe zu , daß mein Verhältnis zur deutschen Sprache
wie mein Verhältnis zu meiner Frau ist:
Ich liebe sie, ich bewundere sie, ich verstehe sie meistens,
aber ich beherrsche sie nicht.“ (Hans Blix)

Gut, und ich gebe zu: der Mann, der das gesagt hat, ist Ausländer. Was nichts daran ändert, dass er (vielleicht gerade deshalb?) über Einsichten verfügt, an denen es nicht wenigen unserer eigenen Landsleute mangelt – aber sowas von.

Wo einbürgerungswillige Migranten sich einem Sprachtest zu unterziehen haben, der sich gewaschen hat, und die die reformierte Reformierung uns‘ aller Zuwanderungsgesetzes in nochmals schärferer Gangart diesen auch von nachziehenden EhegattInnen Aufenthaltsberechtigter fordert, hätte so mancher Inländer wohl seine liebe Not, da heil durchzukommen. Und liefe im angenommenen Testfall doch glatt Gefahr, mutter- und vaterlandslos zu werden.

Rechtschreibung Glücksache Vom Aussterben Ausweisen bedroht wären u. a. Exemplare der Gattung deutschestesteste Deutschländer Würstchen, deren gefühlter Dünnpfiff Durchfall sich uns so mancherorten schwarz auf Wand offenbart.

Aber auch diverse normale Mutterzüngler mit allgemeiner Sprach-, Sprech-, Lese- und Schreibverunsicherung sähen, auf Deutsch gesagt, ganz schön alt und verstoßen aus. Erwartet man doch von Einlassbewerbern in bundesdeutsche Lande, dass sie

in der Lage sind, sich in der deutschen Sprache auszudrücken, mit der deutschen Bevölkerung zu kommunizieren und deutschsprachige Medien zu verstehen. Ausreichende Sprachkenntnisse liegen vor, wenn sich die Einbürgerungsbewerber/innen im täglichen Leben einschließlich der üblichen Kontakte mit den Behörden in ihrer deutschen Umgebung sprachlich zurecht finden und ein ihrem Alter und Bildungsstand entsprechendes Gespräch führen können. Dazu gehört ausdrücklich, dass die Einbürgerungsbewerber/innen z.B. einen deutschen Text des alltäglichen Lebens lesen, verstehen und den wesentlichen Inhalt mündlich wiedergeben können…

(So nachzulesen zum Bleistift hier.)

Auweia! Um verfrühte Panikanfälle zu vermeiden, schlage ich vor, wir ignorieren einstweilen einfach mal die „üblichen Kontakte mit den Behörden in [unserer] deutschen Umgebung“. Die Anforderung diesbezüglichen Zurechtfindens brächte uns aller Wahrscheinlichkeit nach an den Rand der Entvölkerung. Allerdings müsste spätestens jetzt neben den bereits erwähnten Betroffenen auch dem arg- und ahnungslosen Noch- oder Nichtmehr-Konsumenten von Presseerzeugnissen mit dem gewissen Etwas Leseranspruch schwanen: es könnte eng werden.

Hilft nur das?Doch zum Glück und zu satirischen Zwecken – heißen Dank an dieser Stelle nach Augsburg! – steht uns ein Trainingsparcours zur Verfügung, der präventiv durchlaufen werden kann. Was durch die von mir soeben ins Leben gerufene Initiative „Deutsch für und wider alle Fälle“ wärmstens empfohlen wird. (Hinweis: Die leicht überholte Aktualität einiger Inhalte – so jeder Text einen haben sollte – ist ausnahmsweise mal nicht dem Sommerloch geschuldet und muss Sie auch nicht irritieren.)
Freiwillige Testkandidaten bitte hier lang!

Was die Urheber der in ihrer Sprachkunst bemerkenswerten Basistexte für die Testfragen angeht, muss deren einschlägige Vorgänger bereits ein Herr Schopenhauer gekannt haben, als er mit Nachdruck spruch:

Schreibt ihr Plattheiten und Unsinn in die Welt, so viel es euch beliebt,
das schadet nicht, denn es wird mit euch zu Grabe getragen; ja, schon vorher. Aber die Sprache laßt ungehudelt und unbesudelt:
denn die bleibt.

Sollte jemand bis hierher durchgehalten haben und trotzdem (noch) sprachlich fit sein, so halte er/sie sich ‚praktizierend‘ bitte gern an Friedrich von Logau, einen echten Sprachmusikanten:

Kann die deutsche Sprache schnauben,
schnarren, poltern, donnern, krachen,
kann sie doch auch spielen, scherzen,
lieben, kosen, tändeln, lachen.

schiller-logau-illu-1.gif

Oder, so es noch einen Hauch poetischer und mindestens ebenso sinnlich sein darf (und wer wollte dagegen etwas haben? 😉 ), an die Schillernde Ermunterung:

Lass die Sprach dir sein, was der Körper den Liebenden.
Er nur ist’s, der die Wesen trennt und der die Wesen vereint.

Sowas ist, finde ich jedenfalls, schon fast wert, ein Credo zu werden. Nun ja – oder wenigstens effektvoll eingesetzt… 😉

P.S. Wer sich seines Deutsches jetzt immer noch nicht (oder erst recht nicht mehr) sicher ist, sollte ruhig noch ein paar Zusatzlektionen bei einem verdienten und ehrwürdigen Sprachhüter absolvieren, der zeit seines Lebens Strauchler und Katastrophen des deutschen Sprachgebrauchs gesammelt und – keineswegs spaßfrei – öffentlich gemacht hat. Dies würde ihn gewisslich freuen, den Hansgeorg Stengel auf seiner Wolke, wie vielleicht auch die Wahl des Titels für diesen Beitrag.

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Knast for fun – all inclusive

August 5, 2007 um 2:45 am | Veröffentlicht in BlogMist, Drumherum und anderswo, Hexen-Unfug, Hexentanz, Kultur, MarktLückenbauten, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Uncategorized | 3 Kommentare

Urlaub par excellence decadence

Glaube mir, liebes Kind:
Wenn man einmal in Sansibar
Und in Tirol und im Gefängnis und in Kalkutta war,
Dann merkt man erst, daß man nicht weiß, wie sonderbar
Die Menschen sind.
(Joachim Ringelnatz)

Fernweh…Auch wenn der Sommer sich nicht so recht entscheiden mag, ob er nun einer ist, kann man es selbst als unverdrossener Weiterwerktätige/r einfach nicht nicht merken: es ist Urlaubszeit.

Ich bin reif für die Insel…Die Kollegen lassen dich mit deiner – und ihrer – Arbeit alleine. Das Überstundenkonto wächst und die Sekretärin tapeziert in fernwehen Anfällen von Masochismus ihre Pinnwand mit bunten Ansichtskarten von Südseeinseln und Nordlandfjorden, die die Abwesenden auf der Rückseite mit schadenfrohen Dreizeilern verziert haben. Das alljährliche große Reisen ist ausgebrochen…

Und was machen die Alles-schon-gesehen-Haber? Die Ohne-den-Kick-nicht regenerieren-Könner? Die Luxus-Überdrusser und Mainstream-Vermeider? Hey, wo leben wir denn! Keine Marktlücke, für die sich nicht noch ein Lückenbüßer fände.

Foto: Langholmen
130 - all inclusiveWie wärs denn in dem Falle dieses Jahr mal mit einem Urlaub im Knast – öh, also gänzlich freiwillig, versteht sich. Zelle 130 – all inclusive: Verhaftung, Gerichtsverhandlung, Anstaltskleidung und Henkersmahlzeit. Wem das noch nicht reicht, der kann auch noch einen Ausbruch buchen. Knasthotels sind groß im Kommen. In den meisten saßen vor wenigen Jahren sogar noch echte Knastbrüder und -schwestern ein. Das ist doch das Flair, das wir wollen: Urlaub hinter Gittern!

Besonders empfehlenswert finde ich das Angebot ja für Sozialpädagogen, Hauptschullehrer und Familienhelfer. Das da noch keiner drauf gekommen ist – die könnten dafür womöglich praktischerweise sogar Bildungsurlaub beantragen. Oder für renitente High-Society-Sprösslinge à la P. Hilton, als Training quasi. Oder als Akklimatisierung für entlassene Insassen des BB-Containers. Knast for fun – es leben die Geschäftemacher ohne Grenzen! Und vielleicht kann man durch eine gut gestylte PR dann auch gleich Signale für die echten Kriminellen setzen: die stellen sich nach dem Bruch in der Tanke , dem Autoklau oder Drogendeal umgehend am Gefängnistor an. – Wo andre Ferien machen, das muss doch Erholung pur sein…
Knast for fun
Foto: dpp
Wo wir grad bei einschlägigen Marktlücken sind: ich hätte da noch was Herziges für alle Urlaubsverhinderten. Teddybär goes MunichSchließlich will ich nicht schuld dran sein, dass die jetzt alle der Neid frisst. 😉 Wenn die Firma ohne euch zugrunde geht und ihr nicht selber fahren könnt, dann schickt doch euer – ähm, Kuscheltier. Nach München nämlich. Ferien für Bärli und Hasi, yeah! Als deutsche Inländer seid ihr mit euerm zerknuddelten Teddy für nicht mal schlappe hundert Euronen dabei. Plus Taschengeld selbstverständlich. Er wird es euch ewig danken. Und euch wochenlang von seinen unvergesslichen Erlebnissen erzählen, bevor ihr abends, eng aneinander gekuschelt, zusammen einschlaft… öööh, ja. Es gibt doch nix, was es nicht gibt. Und, nicht wahr, nix fehlt einem zum Glück mehr als eine erholte Plüschbestie. Wir bremsen buchen auch für (Kuschel)Tiere!

Hm, wieso muss ich grad nur dauernd an Steven King denken?
Foto: http://teddy-in-munich.com/index.html

Am Stock ins Kino

Juni 30, 2007 um 12:59 pm | Veröffentlicht in BildungsLückenbauten, Kultur, Spielwiese, Uncategorized | 6 Kommentare

Eieiei, hier fl… liegt ja noch ein Film-Stöckchen rum. Der Frederic hat es nach mir geworfen, als ich gerade verdienstreist war. Aber ich mag mich ja nicht schon wieder drumrum drücken und habe deswegen brav nachgesessen, auch wenns dafür nun wohl kein Honigbrot mehr gibt. Also mögen die (Licht)Spiele beginnen!

Ein Film, den du schon mehr als zehnmal gesehen hast:
Öhm, da gibt es so ein… *hüstel* Weihnachtsritual der diesbezüglich nie erwachsen werdenden Hexen-Abkömmlinge, dem man sich schwer entziehen kann. Und das heißt „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gucken. Oder „Ronja Räubertochter“… oder „Kevin – allein zu Haus“. Und fragt mich jetzt bitte nicht, wie oft. 😉

Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast:
Ich glaube, da gibts keinen. Kinogehen ist eh selten genug. Die ich mag, hab ich früher exzessiv als Video aufgenommen oder in der Videothek aufgestöbert. Inzwischen wird auch mal der eine oder andere (weniger exzessiv) als DVD ‚archiviert‘.

Dead Man lebt!Ein Schauspieler, wegen dem du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen:
Hm, eigentlich schau ich einen Film eher um seiner selbst willen. Na gut, ein paar, ohne den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit: Johnny Depp, und zwar schon seit dem melancholisch-romantischen „Edward mit den Scherenhänden“ (meinem ersten J. Depp-Film) und seit Jarmuschs „Dead Man“. Dustin Hoffman, der dahingegangene Sir Peter Ustinov, Orson Welles, Romy Schneider (trotz Sissi), Julie Christie, Winona Ryder………….

Ein Schauspieler, wegen dem du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen:
Keine Ahnung. Vielleicht wegen ein paar von den bizepsrollenden Hau_Draufs, Typ: Muskeln statt Hirn?

Filmmusical, dessen Songtexte du komplett auswendig kennst:
Ein seinerzeit zur Kollektivbildung verordneter Herdengang ins Kino bescherte mir „My Fair Lady“, die Verfilmung der Loeweschen Pygmalion-Vorlage mit Audrey Hepburn und Rex Harrison von 1964 und – okay, ich gebs zu – ich kenne immer noch alle Lieder auswendig. Aber wer kennt die nicht, oder? 😉 Das „Phantom der Oper“ könnte ich auch noch grob zusammenkriegen. Und natürlich „Die Legende von Paul und Paula“, für die allerdings weder ich noch sonst jemand das das Wort Musical über die Lippen bringen würde.

Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen…Ein Film, bei dem du mitgesungen hast:
Bei eben jener Legende von Paul und Paula, dem Plenzdorf-Carow-Hit. Die Puhdys-Songs des Soundtracks „Wenn ein Mensch lebt“ und „Geh zu ihr“ wurden zusammen mit dem Film in der DDR Kult. (Die Band hatte übrigens in den Siebzigern und Anfang der Achtziger im Westen fast mehr Fans als im Osten.) Und wusste eigentlich jemand, dass der Ulli Plenzdorf für die Songtexte Verse aus dem Alten Testament verwendet hat?

Ein Film, den jeder gesehen haben sollte:
Ich weiß nicht, da hat ja jeder so seine eigenen Präferenzen. „Forrest Gump“ wäre für mich vielleicht so einer. Oder „Wenn die Gondeln Trauer tragen“… „Wer die Nachtigall stört“

Ein Film, den du besitzt:
Erwähnte ich nicht schon mal meine komplette „Miss Marple“- und Herkule Poirot-Kollektion? „Ice Age“, den ganzen Loriot, „Pulp Fiction“, „Good Bye, Lenin!“, ‚Mondscheintarif“, „Andrej Rubljow“ …und ein gutes Dutzend andere.

Ein Schauspieler, der seine Karriere nicht beim Film startete und der dich mit seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat:
Ups, wieder mal erwischt, mitten in ’ner Bildungslücke. Der einzige der mir da jetzt spontan einfiele, ist Konstantin Wecker, der sich für mein Empfinden in diversen Nebenrollen gar nicht so schlecht gemacht hat. Im kürzlichen Oberbayernstückerl „Wer früher stirbt, ist länger tot“ war er auch wieder dabei, als Vampir. Von den Mädels: Jessica Schwarz, zet Be als November in „Kammerflimmern“ oder in „Verschwende deine Jugend“ als Melitta.

Schon mal einen Film in einem Drive-in gesehen?
Niemals nicht. Dafür aber schon mal ein Drive-in in einem Film. *g*

Schon mal im Kino geknutscht?
Öhm… ja, klar. Hat das nicht jeder mal in seinen frühen Zeiten jugendlichen Überschwangs? Ging man damals nicht manchmal sogar nur deshalb ins Kino? 😉

Ein Film, den du schon immer sehen wolltest, aber bisher nicht dazu gekommen bist?
Wozu kommt man schon heutzutage! Eigentlich ist seit geraumer Zeit endlich mal „Walk The Line“ im Plan – gesehen hab ich ihn immer noch nicht. „Die fetten Jahre sind vorbei“ – noch einer, den ich noch nicht geschafft habe…

Hast du jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?
Nö. Wenn ich ein Kino mal von innen sehe, fällt das inzwischen sowieso schon immer unter besondere Vorkommnisse. Und dann auch noch abhauen? Da geht man ja dann auch nicht nur auf gut Glück hin.

Ein Film, der dich zum Weinen gebracht hat?
cover-fahrenheit-451.jpgAch herrje! Immer diese indiskreten Fragen. 😉 Wo ich doch für das Gros der einigermaßen tränenträchtigen Stellen so anfällig bin.
Popcorn?
Ja bitte! Aber süß. Danke. Nur nicht im Kino.

Wie oft gehst du ins Kino?
Autsch, würde ich selten sagen, wäre das wohl immer noch hochgestapelt.

Welchen Film hast du zuletzt im Kino gesehen?
„Fahrenheit 451“, einer von den Truffautschen. Auch schon wieder ’ne ganze Weile her.

Dein Lieblingsgenre?
Hab ich ein Lieblingsgenre? Krimis mit hintersinnigem Humor, luzide Satiren, Parodien… Nouvelle Vague… romantelnde Komödien…

Dein erster Film, den du im Kino gesehen hast?
Definitiv den DDR-Märchenfilm „Rotkäppchen“. Ein nachhaltiges Erlebnis: die „Kristall-Lichtspiele“ in meiner Heimatstadt hatten gerade neu eröffnet und die kleine Hex‘ entdeckte mit großen Augen und offenem Mund die Zauberwelt der Großleinwand…

Welchen Film hättest du lieber niemals gesehen?
Weiß nicht, womöglich einen von denen, die ich eh niemals gesehen habe? 😉

Der merkwürdigste Film, den du mochtest?
Hm, ich überlege gerade, ob ich nicht sowieso die merkwürdigen am meisten mag… und ist das eigentlich allgemein zu definieren? Hier würde i c h ja mal die „Rocky Horror Picture Show“ anführen wollen. Oder noch eine – Peter Weirs „Truman-Show“… Monty Python…

Der beängstigendste Film, den du je gesehen hast?
Na, nu sagt bloß, der „Borat“ is nich beängstigend! Klassisch auch immer wieder diese ach so drollig-humorigen Pleiten_Pech_und_Pannen-Filmchen, in denen der Dreikäsehoch von Familiennesthäkchen zehn Meter tief ausm Baumhaus fällt oder beim Sesselhüpfen mitm Kopp in den Fernseher knallt.

Na gut, noch einen ‚richtigen‘: „Es geschah am helllichten Tag“. Der ist schon Ewigkeiten her, und ich war noch ein zartes Wesen, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Gert Fröbe ist ein Sexualmörder, der kleine Mädchen meuchelt, und Heinz Rühmann ein Kriminalkommissar, der ein kleines blondzöpfiges solches als Köder benutzt, um ihn zur Strecke zu bringen. Obwohl ich die Dürrenmattsche Buchvorlage vorher schon kannte, ein beklemmender Film, auch heute noch…

Ui, noch einer fällt mir grad ein, das Fincher-Brancato-Ferris-Spektakel „The Game“.

Was war der lustigste Film, den du je gesehen hast?
Ohje, wie soll man sich da für einen entscheiden? Und über Leben des Brian ist sich die Mehrheit ja eh schon einig. 😉 „Ein Käfig voller Narren“ fiele mir zum Beispiel ein, herrliche Komödie. Und zwar das Original von Eduardo Molinaro bittschön, nicht irgend son Remake. Und wenn auf Deutsch, dann um Himmels willen möglichst nicht die DVD: zwar ungeschnittene Version, aber die Neusynchronisation ist grauenhaft. Um noch was Einheimisches zu nennen: „Sonnenallee“. Zum Totlachen, wenn auch vielleicht nicht für jeden. Denn er enthält ein gerüttelt Maß an Ossi-Insider-Gags. Als ich den Film damals im Kino gesehen habe, hörte man genau, wo die Alt- und wo die Neu-Ländler saßen – von letzteren kamen die durchgängigen Lachsalven.

Hm, gar nicht so einfach so ein Stöckchen, auf dem schon fast alle andern rumgebissen haben. Man will schließlich nicht dauernd dasselbe schreiben. Und so lasse ich es auch jetzt einfach hier liegen – falls da doch noch eine/r ist, der es noch nicht ins Kreuz gekriegt hat.
Die Legende vom Glück ohne Ende
Foto: Potsdamer Filmarchiv

Dem Büroschlaf eine Lobby!

Juni 18, 2007 um 1:14 am | Veröffentlicht in BildungsLückenbauten, MarktLückenbauten, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, Uncategorized, verwoben geschroben | 10 Kommentare

Die Schwester von Pierre BriceSage einer was gegen das private Bildungsfernsehen mit finanziellem Anreiz! Denn wer sorgt wie dieses für die Anhäufung von unnützem Wissen? Nicht von ungefähr sprießen allerorten begeisterte „Genial Daneben“-Ableger. Und ohne das jüngste “Wer wird Millionär“-PromiSpecial wüsste doch kein Schwein, dass Karl May und Winnetous Schwester Marie Versini, mit zweitem Vornamen Nscho-tschi, den Frauentyp des kleinen Dieterle geprägt haben, der mal ein großer Häuptling Bohlen werden wollte. Eine unverzichtbare Information.

BüropennerAuch Power Napping nebst seiner wissenschaftlichen Begründung wären ohne Herrn Jauch wohl für alle Zeiten sang- und klanglos im Orkus des Vergessens versunken. Wie? Öhm, nö, is sich keine Dauer-übers-Ohr-Haue von Kaltakquisiteuren in der Endlosschleife oder der Autoschiebermafia, sondern die Rechtfertigung des Kurzzeit-Wegpennens am dienstlichen Schreibtisch. Wo es doch gegen Burnout-Zustände und Merkbefreitheit helfen soll.

Das klingt schon mal nach einer sehr begrüßenswerten Gesundheitskampagne. Der leider eine einflussreiche Lobby zu fehlen scheint – war ja klar, immer bloß die dicken Kinder. Die einschlägige Seite noch einschlägiger geforscht habender Studenten wird seit beunruhigend langer Zeit nicht mehr gepflegt. Dabei haben die gleich die angemessenen Schlafmöbel mit entwickelt, damit man bei der Großhirnhygiene zur Mittagszeit nicht immer so unsanft mit dem Kopf auf die Tastatur knallt. Mein Favorit: „Napmosphere“, der futuristische Büro-Kokon „als Ort der Zurückgezogenheit, der Verwandlung und der Wiederauferstehung“.
Büro-KokonNickerchen im Büro-Kokon

Hach, was könnte Schreibtischarbeit schön sein! 😉

Tssss, warum setzen sich die wirklich tollen und nützlichen Sachen immer so schwer durch? Wen wunderts denn da noch, dass Zeitreisende in geheimer Mission den weiland präsenten Frauenruheraum reanimieren.
Frauenruheraum - etwas heruntergekommen

Müll me! – Von verkannten Poeten

Mai 30, 2007 um 12:20 am | Veröffentlicht in Alles platti, Berlin, Real-Poetisches, SchilderBilderbuch, Uncategorized | 2 Kommentare

Während die Berliner Stadtreinigung wortmüllend um Bürgernähe ihrer Dienstleistungen
ringt,
Glas geben - aber leise!Geöffnet rund um die Uhr
[Geöffnet rund um die Uhr…]

Siedler aufm Präsentiertellerhaben die Häuslebauer einer Biesdorfer Un-Plattensiedlung ganz andere Kümmernisse – mit einem augenscheinlich tumb und taub am Bürger vorbeigaloppierenden Amtsschimmel. Ihr friedliches Siedleridyll wurde seinerzeit rettungslos vom DDR-Wohnungsbauprogramm umarmt. Und man hat seit Jahr und Tag nicht nur die kuschelige Nachbarschaft von bis zu 22 Etagen Beton vor der Nase, sondern auch eine heftig frequentierte Kreuzung nebst Tankstelle. Wer dort mit seinen diversen PS unterm Hintern vorbei heizt, den trifft ein stummer Schrei – nach Stille.

Biesdorfer Poesie der VerzweiflungNochmal verzweifeltes Gereim
[Die „Poesie“ der Verzweiflung]

Folterflocken

Mai 26, 2007 um 10:53 pm | Veröffentlicht in Alles platti, Berlin, Hexentanz, Uncategorized, Zuhaus-Hexe | 2 Kommentare

Ein Höllenritt auf dem Schneebesen

Es schneit! Bei dreißig Grad im Schatten.

Barfuß im Pappelschnee…Nein, ausnahmsweise ist es diesmal nicht ein böses Symptom des Klimawandels. Und das mit dem Ritt auf dem Schaumschläger war natürlich geflunkert – denn es ist definitiv KEIN Flugwetter. Jedenfalls nicht für Hexen. Das hinterhältige Schneetreiben heißt nämlich Pappelblüte. Überall diese Watteplusterchen: auf dem Gehweg wate ich knöcheltief durch sie hindurch, sie schweben auf der Autoarmatur, im Hausflur und auf dem Fensterbrett herum. Sogar der Briefkasten hustet sie mir beim Öffnen ins Gesicht – hatschiii! Die Biester krabbeln in die Nase und ins Dekolletee, kitzeln an Stellen, die ausdrücklich genehmigungspflichtig sind – und zwar von mir höchstpersönlich. Interessiert die aber nicht.

Aaaaah, was kann man nur dagegen tun? Hosentaschenstaubsauger? Schutzanzug mit Helm? Der wäre bei der Hitze ein genau so sicherer Weg in den Wahnsinn wie die flauschigen Quälgeister. Hat nicht jemand eine rettende Idee?

Dabei gibt es kaum noch Pappeln hier, ganz anders als in den Ursprungszeiten der Platten-Begrünung. Wo kommt das Zeugs nur hergeweht. Muss ich doch glatt beim nächsten Wuhletal-Jogging mal recherchieren. Auch wenn mir das jetzt nicht grad weiterhilft.

Oder doch? Was anderes. Ein Trommeln und Rauschen, das immer stärker wird, dringt durchs offene Fenster herein. Der Himmel hat Mitleid mit mir. Er öffnet seine Schleusen und ein gut gebrauter Wolkenbruch spült die Krabbelflocken da draußen davon.

Und im Blumenkasten auf meinem Balkon wächst still und heimlich eine kleine Pappel…

Wuhletal - kaum Schnee…

Licht aus! – Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn

Mai 18, 2007 um 8:15 pm | Veröffentlicht in 2007, Alles platti, Berlin, DieStadtreporterin, Fest-Platte, Hexengeschichten, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Politisches, Uncategorized, Zuhaus-Hexe | 4 Kommentare

oder: Eine ganz kleine Himmelfahrt-Nachlese am Brückentag

Vatertag ist ja nun vorbei und hat in meinem näheren sozialen Umfeld – soweit das schon zu übersehen ist – bis auf zugelaufene männliche Katzen keine größeren Schäden hinterlassen.

Vadders Himmel? - Aber siischer!Ich hab von vergangenen Brandenburg-Ausflügen an diesem feuchtfröhlichen Jubelfeste vor allem in Erinnerung, dass die arglose Kraftfahrerin von Bollerwagenfahrern mittels einem über die Landstraße gespannten Strick so dreieinhalbmal auf 500 Metern zum Mittrinken genötigt werden sollte. Die Pfötchen ums Lenkrad gekrallt konnte man sich letztlich mit einem Prosit und dem Argument retten, keine Hand frei zu haben. Hilfreich zum Abkürzen der Prozedur ist dabei in jedem Fall ein männlicher Beifahrer, der sich opfert – damit es nicht nach schnöder Verschmähung der Gastfreundschaft aussieht. Oder man verzichtet auf selbichte Ausflüge.

Nicht ganz perfekte Brückentage Die kann man ja dann am Brückentag nachholen, den wochendendnahe Feiertage einem freundlicherweise bescheren. Mein letzter – also der vorm 1. Mai – war allerdings etwas pannenumweht, mit kleinen Fehlern sozusagen. Ungefähr wie beim Herrn Flier’sweltler. Woher der sowas nur gewusst hat!?

Um genau zu sein, wir sprechen hier über zwei Pannen – eine der eigenen Dämlichkeit, die andere ‚höherer Gewalt‘ geschuldet. Ihre Gemeinsamkeit: 2x akuter Energiemangel. Der erste in meiner Autobatterie – weil der Hex‘ zwar ein Licht auf- aber nicht wieder ausging. Jaja, spart euch eure hämischen Spitzen – ein Anflug von Altersdemenz, ich weiß. 😉 Der andere ereilte nicht mich alleine, sondern gleich ein paar tausend Hellersdorfer Plattensiedler – aus dem Nichts und ohne Vorwarnung: ein Stromausfall über mehrere Stunden.

Ausgeknipst Da merkt man erstmal, wie hilflos man ohne und abhängig von den/m Saft aus der Steckdose ist. Nicht mal Kaffeekochen ist drin. Und man fühlt sich wie… wie in einem schwarzen Loch, ist abgeschnitten von der Welt: kein Radio, kein Fernsehen, kein PC, nix CD-Hören, nix Uhrzeit, ja sogar die Türklingel funktioniert nicht. Im ganzen Haus wird es geradezu gespenstisch still. Alle Netze auf einen Schlag zerrissen.

Halt, nicht ganz. Es klopft an der Tür und Frau P. von gegenüber fragt: „Ist bei Ihnen auch der Strom weg?“ Im Hausflur sammeln sich Grüppchen und erinnern sich auf einmal wieder an eine ungewohnte Art der Kommunikation. Von Balkon zu Balkon fliegen Flüche und Mutmaßungen über die Dauer der Stromlosigkeit. In nie gesehenen Wohnzimmern rückt man zusammen und versucht das Beste aus dem Ganzen zu machen, lernt endlich auch mal ein paar Neuzuzüge kennen. Geteiltes Leid ist doppelte Freud’… oder so.

Energie-NOTSTAND!!!Es ist wie in alten Zeiten: plötzlich merkt man wieder, dass man Nachbarn hat. Und es fühlt sich gar nicht mal so schlecht an. Was mich auf den Gedanken bringt, ob dieser Effekt nicht zu nutzen wäre – soziale Kontakte (respektive Beziehungen) aufzumöbeln, dem nachbarschaftlichen Nachwuchs beizubringen, im Fahrstuhl zu grüßen oder die Vattenfallschen Preiserhöhungen gelegentlich zu boykottieren. Die Einsparungen an der Abzocke kann man ja dann in ’ne spontane Grillparty investieren. Motto: Licht aus! Wir treffen uns bei Kerzenschein im Hof…

Yeah, es leben die Brückentage!

Meez, meez, meez…

Mai 6, 2007 um 10:00 pm | Veröffentlicht in Fest-Platte, Hexentanz, So Momente halt..., Spielwiese, Uncategorized | 2 Kommentare

Hexi mal anders

Und zwar ganz ohne ihre sonstigen Utensilien wie Digicam oder Hexenbesen. Eine Katze hat sie auch nicht… und eigentlich viel zu viele wichtige Dinge zu tun, die allerdings längst nicht so witzig und kurzweilig sind. Außerdem ist Arbeit – zumal am Sonntag – nur das halbe Leben, wenn überhaupt. Deshalb heute die hier selbst gebastelte ultimative und alternative Gegendarstellung zu sämtlichen fotografischen Versuchen an der Hex‘, dazu so recht sommerbarfüßig:

Hexi malanders Der extra-romantelige Look ist Absicht und eine Absage an aktuelle Fashion-Trends – man weiß schließlich, was man sich als Hexe schuldig ist: Zeitlosigkeit. 😉 Im Ernstfall könnte man auch noch eine kleine Wochenendmelancholie dafür verantwortlich machen.

Und sogar die Blümelein – selbst gepflückt – haben einen Grund: Red Roses for… you, Wolf. Und alles Liebe zum Geburtstag, Bordkamerad. Blaue Blumen hatten sie leider nicht in dem Saftladen. Dafür darfst du dir noch ein Ständchen aussuchen, je nach Stimmung. Btw: ich kann auch Walzer tanzen. 🙂

Bitte auf dem Besen anreisen!

April 30, 2007 um 11:13 pm | Veröffentlicht in Berlin, Fest-Platte, Fremd-Worte, Hexentanz, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Spielwiese, Uncategorized | 2 Kommentare

Ritt zum HexentanzHätte ichs mir nicht denken können? Massenhaft BESUCHE heut auf Hexis Seite. Schließlich haben wir Walpurgisnacht. Die einschlägigen Suchbegriffe (alle von heut) lassen über angeregte Erwartungshaltung und bunte Fantasien der Be_Sucher spekulieren – was haben die bloß in dieser Nacht noch vor??? 😮

– Hexen verbrennen (aberaber, seid froh, dass ihr uns habt!)
– nackte Hexen in der Walpurgisnacht (Vorsicht! Is noch ganz schön kühl, die Nacht)
– „deiner fast entblößten Brust“ (dat is Franz Kafka, außerdem: siehe oben)
– Sex mit der Hex (hmja, vielleicht besser als mit der Ex)
– Hexen Gift mischen (vielleicht tuts ja auch ein klärendes Gespräch mit der Schwiegermutter?)
– Besen schwingen (Was, heute noch?)
– SM und Hexen-Magie (Öh ja, ich bring dann den Reisigbesen mit.. hm, noch was? – ein paar glimmende Kohlen vielleicht? *g*)
– Hexen bekehren (Muss das sein? Und wenn ja, wozu?)

sexy Hexentanz

Über Sinn, Mythos und Aberglauben der Walpurgisnacht weiß Hexenschwester Lobelia besser Bescheid als ich, sie kennt sogar das richtige Stärkungsmenü und die passenden Kräutlein zum Hexentanz.

Mephisto der wilde TänzerUnd der böse Bube mit dem Bocksfuß hatte ja sein eigenes wohlbekanntes Rezept, um seinen Faustus auf Betriebstemperatur zu bringen und ihm wilde und deftige Walpurgisträume zu bescheren. Wem die richtige Motorik zum Tanzen fehlt, der kann ja heut vor Tau und Tag dem mephistophelischen Spektakel zur Abwechslung einfach mal lauschen.

Na, dann stellt mal heut schön eure Reisigbesen gekreuzt vor eure Türe, wenn ihr sicher sein wollt vor uns. Aber ihr mögt uns ja, gell? Also auf auf, lasst uns in den Mai tanzen. In Berlin, das bekanntermaßen so seine speziellen Erfahrungen mit der Walpurgisnacht hat, kann man das heuer sogar mit 6000 Polizisten. Nichts wünscht man sich mehr, als dass sie die Muße dazu hätten… Ach ja, und reist lieber auf dem Besen an, für den ist – soweit mir bekannt und im Gegensatz zu Privat-KFZ jedweder Art – kein weiträumiges Parkverbot verhängt worden.

Also, ich schwing mich nu mal auf mein Hexenfluggerät und reite schon vor. Wir sehn uns später – vielleicht da. Oder für den, dem die mittelalterlichen Schandmäuler mit ihrer eigenen drehleiernden Hexe lieber sind, hier – kommt aufs Selbe raus.

Unnütz oder nütz…

Januar 28, 2007 um 4:56 am | Veröffentlicht in Hexen-Gedanken, Spielwiese, Uncategorized | 8 Kommentare

Hoppla, da trifft einen plötzlich und unerwartet ein Stöckchen vom Seewolf, das man ja ungern ignorieren mag – denn die Bordkameraden der“Pequod“ lassen einander niemals nicht im Stich.
Meine zehn nutzlosesten Fähigkeiten soll ich auflisten. Hm, ehrlich gesagt kommt es mir manchmal so vor, als sei sogar eine Menge von dem, was man in seinem Leben mal vorsätzlich gelernt hat, unnütz. Uiui, da balanciert man ja an Abgründen – des eigenen Ich – wenn man mal tiefer drüber nachdenkt. Aber zum Glück will das ja bei so einer Frage eh keiner ganz genau wissen.

Aaalso… ja, was kann ich denn?

1. Ich kann noch alle Kinderlieder vom „Traumzauberbaum“ singen und überhaupt fast alle aus den Geschichtenliedern (Plattenserie in der DDR). Ha, die werden sogar heute noch verlegt. Und sind, wie mir jetzt beim Schreiben grad auffällt, vielleicht gar recht alltagsrelevant. Oder warum fang ich immer beim Fensterputzen an, vom Regentropfen Paule Platsch zu trällern? Außerdem auswendig abrufbar wären zet Be der „Osterspaziergang“ des Doktor Faustus, die Hanna-Cash-Ballade* vom Herrn Brecht (aus Zeiten jugendlich-hoffnungsvoller Rezitationswettbewerbe) und das Gesamtrepertoire der „Miss Marple“- und „Monk“-Dialoge (infolge ungesund häufigen Konsums)…

2. Apropos unnütz belegter Speicherplatz: ich hab ein ausgeprägtes Gedächtnis für Telefonnummern und Geburtsdaten. Das ist ja zunächst mal durchaus brauchbar; allerdings tummelt sich in diesem Sammelsurium auch munter der Zahlen- und Kalendersalat von Leuten, die längst aus meinem Leben verschwunden sind. Dafür haperts dann gelegentlich mit dem Namensgedächtnis, oh, und das kann peinlich werden. Was hatten die in dem bescheuerten Fernsehwerbespot doch gleich nochmal für’n Mittelchen für den vergesslichen Kerl mit zuwenig Sauerstoff im Gehirn?

3. Worin ich richtig gut bin: die Töne eines jeglichen weckenden Weckers in meine Morgenträume einzubauen als etwas, das da hin gehört und mich friedlich weiterschlummern lässt. Für diese Fähigkeit ist ‚unnütz‘ geradezu heftig untertrieben – die hebelt nicht nur Nutzen, Sinn und Zweck eines Weckers aus, sondern ist im Ernstfall höchst kreislauf-, ja sogar existenzgefährdend. Das zur Zeit zuverlässigste Gegenmittel: eine energische Mitbewohnerin.

4. Ich kann Chinesisch, naja, nur ein ganz kleines bisschen. Nicht mal zum geradebrechten Small-Talk (und vor allem: mit wem?) würde es reichen. Ich hab das mal zwei Jahre lang aus purer Neugier gelernt und dann wieder aufgehört. Warum, weiß ich nicht mehr genau.

5. Ganz hervorragend kann ich Tagespläne aufstellen, mit einem Arbeitspensum von geschätzt 48 Stunden. Eigenartigerweise ist am Ende des Tages dann meistens noch reichlich Plan übrig. Kann nicht mal jemand von den Experten für lebenswichtige Erfindungen wenigstens den 36-Stunden-Tag…..?

6. Zu den barfüßigen Fähigkeiten kann ich auch noch was beisteuern. Zunächst mal oute ich mich auch als Mitglied der Zeheneinrollfraktion. Mit denselbigen kann ich außerdem verstreute Papierblätter vom Boden aufsammeln, Teppichfransen ‚glattkämmen‘, Blumen pflücken usw. Ich kann barfuß sogar Autofahren. Letzteres ist weniger unnütz als unzulässig, weil nämlich eine Gefährdung des öffentlichen Straßenverkehrs – wird jedenfalls von den Hütern des Gesetzes behauptet.

7. Ich kann sauber und wie von der Nähmaschine getackert mit der Hand einen Saum umnähen. Das ist solange völlig sinnlos, wie man seine Nähmaschine nicht auf Nimmerwidersehen an die freundliche Nachbarin verborgt hat, die sie dann beim Umzug aus Versehen mitnimmt.

8. Als alteingesessene Platten-Siedlerin kann ich die Fahrstuhlsprüche im hauseigenen Aufzug den jeweiligen Bewohnern und Besuchern meines Hauses zuordnen. Man kennt schließlich seine Pappenheimer. Aber wer will sowas schon hören? Hm, außer dem Hausverwalter vielleicht. Doch dazu stehe ich viel zu sehr auf diese Sorte Alltagspoesie, um gerade dem mein unnützes Wissen preizugeben.

9. Ah ja, und wo wir grad so schön bei der Mietergemeinschaft sind: Ich kann durch meine eigenen vier Wände anhand der Lautstärke der Beziehungsgespräche, der Erziehungs- und Sexgeräusche meiner lieben Nachbarn kompetent Auskunft geben, wie es um deren Haussegen Wir windehen dir…bestellt ist. Obwohl ich darauf gut und gern verzichten könnte. Jaha, Platte is hellhörig.

10. Ich kann – immer noch und sogar mit Begeisterung – aus Löwenzahn und Gänseblümchen Kränze winden, um sie entweder mir selber oder auch mal Scharen von wildfremden Kindern ins Haar zu setzen. Bin halt ’ne alte, unverbesserliche Romantikerin.

*

10.a (außerhalb des Protokolls) Ach Wolf, außerdem bin i c h diejenige, die den besten Kartoffelsalat ever kann. Unnütz daran ist, solches im virtuellen Raum gegenseitig zu behaupten. Vielleicht sollten wir mal zu ’nem Salat-Contest antreten… ;o)

So, und nun weiß ich gar nicht, wem man das Stöckchen noch zuwerfen könnte. Vielleicht mag ja noch jemand – freiwillig?

*siehe auch im Kommentar

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