Streberlied

Juli 14, 2010 um 4:43 am | Veröffentlicht in Bloghexe, BlogMist, Filosofaseln, Hexenblabla, Hexenlieder, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Spielwiese | 3 Kommentare
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Ein Beitrag zum Programm Strebenslanges Lernen
oder: Wir dichten das Sommerloch


Wasserspielas tut die Hex‘, wenn der Tag kurz ist und die Stunden knapp? Na was schon – spielen! Spielen und dichten. Okay, okay… mehr so reimen.

Drauf kommen tut man auf sowas nicht mal von selber. Die schnuckeligsten Anlässe zum gepflegten Zeitverschwenden (mitsamt der unausgesprochenen Frage: Wie verschwendet man etwas, das man gar nicht hat?) erfindet ja immer der Wolf in seinen motivierenden Preisausschreiben aufm Nachbarblog, der wo Hexens Wa(h)lheimat ist, wie mittlerweile bekannt. Teilnahme Herzenssache.

Das verflossene und unlängst ausgerufen gewesene forderte Einsatz (oder einen Satz? oder einen halben?) zur Vervollständigung des angesägten Spruchs „Es strebt der Mensch ein Leben lang….“

Phhh… ich und _ein_Satz?! Mich stoppt ja nich mal der Dreisatz in meiner ureignen angeborenen Zwölfodernochmehrtonigkeit. Schon gleich gar nicht, wenn die Mußeminuteln wiedermal nicht reichen, sich mit Würze in Kürze zu fassen (was schon Meister Goethe wusste, als er noch nicht mal Geheimrat war. 😉 ) So sprudelte und murmelte denn aus der ollen Streberhexe die uferlose

(Un)Ode an das ewige Streben… und so

Es strebt der Mensch ein Leben lang
im Tun und auch im Meiden
nach Hab und Gut, Wein, Weib, Gesang,
nach Freuden – oder Leiden,

nach Sinn und Unsinn, Lohn und Brot,
nach Gipfelsturm, nach Ruhe.
Und kriegt er keine Flügel nicht,
will er bequeme Schuhe.

Der strebt nach Macht, nach Volk und Raum,
will siegen oder erben,
der nach Willkomm, nach Abschied kaum –
drin haust ein kleines Sterben -,

strebt auf, strebt ab, nach Höh’rem gar,
verbissen und versponnen,
und sieht sich oft doch wieder da,
wo alles hat begonnen,

strebt von der Wiege bis zum Tod –
geklagt sei’s und gepfiffen -,
in seinem Lebenssegelboot
die Klippen zu umschiffen,

auf die es ihn tagein, tagaus Barfuß nach Strandgut
in Sturm und auch bei Flaute,
bei Wellengang und stiller See
hintrieb: wo Finstres graute,

wo Morgenrot ihn mal ergriff,
als neue Ufer harrten;
wo ’s Steuer brach, das ganze Schiff,
als ihn Sirenen narrten

vielleicht auch der Klabautermann –
mit Sang und mit Verlocken,
mal kam er, mal kam er nicht an,
tat Lieb‘ und Seel‘ verzocken.

Sieht Inseln blühen oder Wahn,
weiß nie, was kommt am Ende,
er strebt und rackert, dass sein Kahn
auch mal ’nen Hafen fände.

Der hier will alles, der da grient,
nimmt’s leicht, was kommt, mit Spaß.
Kriegt einer je, was er verdient? –
Der sag‘: wie geht denn das?

Der alte Mann am Fische zieht
im Meer, das ihm verwandt.
Der Dichter träumt, dass einst ein Lied
man singt – von seiner Hand.

Ich streb und taste mit dem Zeh,
dem großen und dem kleinen,
dass ich nicht fall und aufrecht geh
auf Wiesen, Strand und Steinen,

aus Strandgut Hühnergötter klaub
oder ’nen Engel fänge…
was Glück bringt, wenn ich nur dran glaub-
in angemessner Menge.

Es irrt der Mensch, solang er strebt
und andersrum stimmts auch,
wer ohne Fehl‘ ist, werf‘ den Stein –
die Sehnsucht wohnt im Bauch.

Du liebst, strebst, träumst, traumtanzt – und fällst.
Ja mei, auch das kommt vor.
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
der ist ein armer Tor.

So gehts uns allen, gell, mein Freund?
Da hilft auch kein Gezeter.
Der Trick ist: wieder aufzustehn –
lang hinschla’n, das kann jeder.

Was sind wir doch ein seltsam Tier,
das großtut: “Streber samma!” –
Zuviel gestrebt, das wissen wir,
bringt Stress und Katzenjammer.

Mensch, alter Streber, halt mal ein!
Was musst du stets durchs Leben rasen?
Soo schlimm kann es doch wohl nicht sein:
sich einfach auch mal treiben lassen…
die Beine baumeln… Wolken zählen…
die Sommersprossen auf der Nasen…
die Lieblingshandynummer wählen…
auf der Mundharmonika blasen,
zu zweit allein das Eine tun, Zurück ans Ruder!
in Platten stöbern oder Truhn,
zu Haus in sich sein dann und wann,
bevor der Tanz hebt wieder an.

Es strebt der Mensch sein Leben lang,
ob er gesund ist oder krank.
So soll’s wohl sein. Die Zeit verrinnt,
drum, Steuermann: bleib hart am Wind!
Zurück ans Ruder in dein Boot –
weil wenn du aufhörst, bist du tot.

Ha, gewonnen hab ich trotzdem was, was richtig Großes: Glockensang und Lautenklang. Der Sound wird niemals alt und trägt in seiner ganzen Melancholei durch einen Sommer samt – und sonders – dessen langen lauen Nächten. Und noch viel weiter.
Danke Wolf. Ein ganz großes.

Ach ja, hier noch der Soundtrack für heute: mit den Katzenjammerinnen wider jeglichen solchen:


If we live through this night and we’d still be allright, sehn wir uns demnächst. Wieder hier… oder in einer Bar in Amsterdam. 😉

Bilder: Strebermädchen – via Lemmy the Mod, Bootmädchen – via Inmyfathersshadow, The man the sea saw – via Themantheseasaw.
Video: Katzenjammer. A Bar in Amsterdam. The official music video – via youtube.

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Kein Neujahr für Warmduscher

Januar 9, 2010 um 3:53 pm | Veröffentlicht in 2010, Alles platti, Berlin, Fest-Platte, Hexenblabla, Hexengeschichten, Hexenseele, Kalenderblätter, Neujahr, Real-Poetisches, Träller-Hexe, verwoben geschroben, Wetter-Hexe, Zuhaus-Hexe | Hinterlasse einen Kommentar
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Oder: PSYCHOdelische Wünsche von Haus zu Haus

m neuen Jahr Glück und Heil.
Auf Weh und Wunden gute Salbe.
Auf groben Klotz ein grober Keil.
Auf einen Schelmen anderthalbe.
(Johann Wolfgang v. Goethe)

Die Morgenstunde des ersten Tages im neuen Jahr blinzelt durch die Eiskristalle auf ihren Wimpern, mit leicht verschneitem Blick. Am Cecilienplatz schlummern die Bänke vor sich hin, locken verträumt mit flauschigweißen Daunenkissen. Doch nur ein paar aufgeplusterte Spatzen, die sich lärmend um eine barmherzig hingestreute Handvoll Sonnenblumenkerne balgen, wagen ein Probesitzen auf der – zweifellos arschkalten – Polsterung. Und hüpfen ihre winzigen Spuren in sie hinein. Schneekalligraphie.

Sonst ist es still und leer auf dem Platz an diesem späten Neujahrsmorgen: die letzten Böller sind ins All unterwegs, die letzten Silvesterpartylöwen gerade erst ins Bett gekrochen. In der kleinen Kneipe um die Ecke lauscht die Wirtin dem Summen des Wasserkessels auf dem Herd, serviert sich selbst den ersten steifen Grog und linst durch die Scheiben nach Gästen fürs Katerfrühstück. Und die Jauchzer vom Rodelberg hinter den Gärten murmeln sich, in Schneewatte gepackt, gedämpft durch frostige Atemwolken…

Da zerreißt ein langer, markerschütternder Schrei die himmlische Feiertagsruhe des jungfräulichen Jahres.

SchneekillerEr hallt durchs Hofkarree und wabert an den Betonmauern wieder nach oben in die letzte Etage, aus der er gekommen ist. Dem einsamen Spaziergänger treibt er mehr als alle Minusgrade eine Gänsehaut samt lähmendem Entsetzen in den Nacken. Hitchcock-Fantasien explodieren in ihm und ein Norman BatesPerkins der Plattensiedlung mit blitzender Messerklinge an der Faust schleicht sich in seine Gedanken. Im Affekt langt er nach dem Handy in seiner Gesäßtasche. Zieht den Kopf zwischen die Schultern und wendet sich gehetzt um – nach den Schritten, die in seinem Rücken durch den Schnee knirschen.

Im Bad einer Mietwohnung, elfter Stock links, das traurige Ende einer Tragödie: der Abfluss gurgelt höhnisch, ein letzter Seufzer. Und unter der eiskalten Dusche stirbt barfuß bis zum Hals… meine stille Hoffnung. – Dass das seit dem Silvestermorgen plötzlich ausgebliebene warme Wasser (verdammte, verweichlichte Zivilisationskrüppel, wir!) selbstverständlich wieder aus dem Hahn plätschert. Dass es wie früher, als alles noch viel besser war, noch ehrbare Weihnachtsklempner gibt. Dass im neuen Jahr alles gut wird. Dass wir in diesem endlich mal Zeit für die g r o ß e n Fragen des Lebens……

Wie bitte? Was? Nönööö, es geht mir gut, dochdoch. Solidarische Grüße von hier aus an alle andern Festtagsgeschädigten und glücklichen Überlebenden. Und an den hilfesuchenden Unbekannten, der mit dem Suchbegriff des Tages zum Hexenblog gefunden hat: ‚Wie wirft man einen Christbaum aus dem Fenster?‘ – Vooorsichtich! sag ich. Oder warten, bis der Nachbar unten vorbei geht. Tsss… wohl keinen Fernseher! Etwa noch nie die KnutWerbung des berühmt-berüchtigten Holzmöblers gesehen? [Anmerkung: Ich hab übrigens noch nie, nie, nie einen Tannenbaum aus dem 11. Stock geworfen,einen Christbaum sowieso nicht. Mir fehlt immer die Traute, ob ich den Nachbarn von da oben auch richtig treffe.]

Ach ja, eigentlich wollte ich euch nur was wünschen, liebe Hexen-Leser und -freunde. Gut im Jahr 2010 angekommen zu sein nämlich. Und auch sonst alles, Schönes. Besser spät als nie! Wohin es uns diesmal bringt, wissen wir spätestens in 356 Tagen. Hexens Herzenwunsch für euch: Geht es an, wie der alte Herr Geheimrat oben und seht’s nicht zu verbissen! Mit dem halt ich es auch – und versuche dasselbe. (Weitere gute Vorsätze bitte erst im Rest des Jahres dazuerfinden, akut und zeitnah. Sonst wird’s eh wieder nix damit.)

In diesem Sinne…
Kommt, lasst uns leben! …und so.

Huch, wo kommen nur immer die ollen 80er Ohrwürmer her? – Na, woher schon – aus Westernhagen! 😉 (Auch in der Studioversion, nochmal mit Lürüx und ordentlichem Sound.) Oder doch von einem überstrapazierten Heimatsender, der sich im Autoradio dauernd selber einstellt?

***

Hmmjahh… ich geh dann mal. Neuen Hexentrank brauen.
Wir trinken, sehn und/oder lesen uns. Oder?
Und habt’s schön warm derweilen.

Eure baldige und machmal leicht verpeilte verwehte Schneehex‘

Spätsommergewitter

August 25, 2009 um 11:54 pm | Veröffentlicht in Alles platti, Berlin, Bilderhexe, Bloghexe, Hexenblabla, Hexenlieder, Hexentanz, Real-Poetisches, Spielwiese, Wetter-Hexe, Zuhaus-Hexe | 5 Kommentare
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Hmm… das soll Urlaubswetter werden? Na, ich weiß ja nicht.

gewitterhimmel ohne rb häuser
regen an der Fensterscheibe
Regenbogen kla Karreeregenbogen mit hochhäusern vk

Der Sommer atmet aus

buchstabe b 1öen pfeifen um die Eckeregenschirm marg vkl
und ein Windstoß – so ein Schuft! –
zerrt mich dreist dort in die Hecke,
zaust mein Haar, nimmt mir die Luft.

Ein Hut und Nachbars Abendzeitung
spielen Haschmich übern Platz,
Mutter Nachbar voll Verzweiflung
hinterher, doch – für die Katz‘.

Im Blitz-Licht posen Sturmwindsbräute,
ein Donner grollt, was uns gleich blüht,
ein Nass klatscht auf versprengte Häute,
alles rennet, rettet, flieht.

Vor dem Fenster dräut das Wetter –regenflugobjekt5_2
Dieser Sommer atmet aus.
Schirme zu Rhabarberblättern
formt verschmitzt er außer Haus.

Doch noch hat er sich nicht verzogen,
weiß, was sich schickt so hintennach:
malt tröstend einen Brückenbogen
zum Drüber-GSehn uns übers Dach…

Ist’s das wirklich schon gewesen –
Sommerbarfußmädchenglück?
Gut. Von heut an bis zum nächsten
lieb ich mich dahin zurück.

Jaah… der gute alte Regenschirm; wollte wer so einer sein?: in einem richtigen Wolkenbruch, der von allen Seiten regnet (manchmal sogar von unten), der so vieles davonweht und -schwemmt, ist er zu nichts nütze. Und wenn’s dann wieder sommert und die Pfützen fußwarm sind, wird er in der Ecke oder an einem einsamen Haken vergessen. So richtig was wert ist so einer einem vielleicht doch nur bei einem laaangen langweiligen Landregen……?

Der musikalische Sommerschlussverkauf hat heute was Einschlägiges für Ostrock-Fans, von einer, die es konnte, wie ihre Jungs auch – Tamara Danz. Unvergessen und unvergesslich… groß…

Hmjah… das lürüsche Gewitter oben ist Hexenwerk. Hobby-Poesie – nur ein Spaß. Seid also nachsichtig mit mir, Gereimtes hab ich seit Jaaahren nicht mehr öffentlich gemacht.

Quellen: Die Bilder sind noch regenfeucht, von von eben und vom Samstagswolkenbruch über Berlin. Selber gemacht, bis auf die Regenschirme – dort nur das mausgezitterte fliegende Kritzelmädchen. 😉
Video: Silly: Bye Bye my Love. Aus: Bye Bye… – Best of Silly Vol. 1 (1996). Via youtube.

Dinner for You, kein Kästner und guten Rutsch!

Dezember 31, 2008 um 10:26 pm | Veröffentlicht in 2008, 2009, Alles platti, Bloghexe, Fest-Platte, Fremd-Worte, Hexenblabla, Hexentanz, Kultur, Real-Poetisches, So Momente halt... | 3 Kommentare
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buchstabe-auch wenn er sowas von Recht hat, kann man ja nicht schon wieder wie letztes Mal die treue Leserschar mit den unpädagogischen Ermunterungen seines Leib- und Magen-Kästner ins neue Jahr schicken. Hmm, was fangen wir also heuer mit Silvester an und wen haben wir da denn noch so im Angebot?

Tucholsky vielleicht? Nee, den sieht man ja genauso ratlos wie sich selber. Und so richtig aufzubauen vermag er einen irgendwie auch nicht, wa?:

Silvester

Was fange ich Silvester an?
Geh ich in Frack und meinen kessen
Blausanen Strümpfen zu dem Essen,
Das Herrn Generaldirektor gibt?
Wo man heut nur beim Tanzen schiebt?
Die Hausfrau dehnt sich wild im Sessel –
Der Hausherr tut das sonst bei Dressel -,
Das junge Volk verdrückt sich bald.
Der Sekt ist warm. Der Kaffee kalt –
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?

Wälz ich mich im Familienschoße?
Erst gibt es Hecht mit süßer Sauce,
Dann gibt’s Gelee. Dann gibt es Krach.
Der greise Männe selbst wird schwach.
Aufsteigen üble Knatschgerüche.
Der Hans knutscht Minna in der Küche.
Um zwölf steht Rührung auf der Uhr.
Die Bowle -? (‚Leichter Mosel‘ nur – )
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?

Mach ich ins Amüsiervergnügen?
Drück ich mich in den Stadtbahnzügen?
Schrei ich in einer schwulen Bar:
„Huch, Schneeballblüte! Prost Neujahr -!“
Geh ich zur Firma Sklarz Geschwister –
Bleigießen? Ists ein Fladen klein:
Dies wird wohl Deutschlands Zukunft sein…
Prost Neujahr!
Helft mir armem Mann!
Was fang ich bloss Silvester an?

Na dann eben “the same procedure as every year”. Jaaah, “Dinner for One” ist Kult – und Kult ist gut, weil was Konsensfähiges. Außerdem gibts den diesmal sogar in einer raffiniert auf traditionell-avantgardistisch getrimmten Version aus dem Hause LEGO:

Für konservative Liebhaber des Originals in dezentem Schwarz-Weiß und notorische Gewohnheitsgucker natürlich auch selbiges zum alten Preis:

denn egal, was Silvester auch immer mit uns anfängt: kein Jahresende ohne Miss Sophie mit dem gesunden Appetit und ihren verblichenen Verehrern sowie dem dienstbaren besoffenen Butler. Oder? 😉

Ha! Und zu guter Letzt dann doch noch was Erhebendes von einem Positivdenker – leider auch schon verblichen:

Wünsche zum neuen Jahr

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass
Ein bisschen mehr Wahrheit – das wäre was

Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut
Und Kraft zum Handeln – das wäre gut

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht
Und viel mehr Blumen, solange es geht
Nicht erst an Gräbern – da blühn sie zu spät

Ziel sei der Friede des Herzens
Besseres weiß ich nicht

Peter Rosegger. Aus: „Mein Lied“

Was quatsch ich hier eigentlich noch rum? Wo ich doch nur sagen wollte:
Kommt gut rüber ins neue Jahr, Leute! Und durch natürlich auch. Wir sehn uns.

Eure Hex‘

Zurück in die Zukunft von gestern – ein Kindheitsstöckchen

Oktober 13, 2008 um 3:20 am | Veröffentlicht in Bloghexe, Hexen-Gedanken, Hexenblabla, Märchenhexe, Real-Poetisches, So Momente halt..., Spielwiese | 6 Kommentare
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ewiges KindEs liegt schon ein Weilchen hier rum, dieses Holz, das der Wolf mit schönen Grüßen von Doktor Freud herüber geworfen hat.

Der Beipackzettel dazu lässt sich bis zur Frau Coyotin zurückverfolgen und geht so:

Jeder, der einmal ein Kind war (also fast alle) und alle, die kleine Kinder in ihrer Familie oder dem Freundeskreis haben, wissen es: Schon die kleinsten haben Grundsätze, Überzeugungen und Vorstellungen, von denen sie nicht abzurücken bereit sind. Auch du wusstest als Kind bestimmte Dinge mit absoluter, unverrückbarer Gewissheit. Vielleicht, dass ein Monster im Schrank wohnt oder dass bei Ebbe das Meer absinkt, weil jemand den Stöpsel zieht. Damals hat es Sinn ergeben. Schreibe mindestens eine deiner damaligen unumstößlichen Überzeugungen auf!

Bevor es noch zu schimmeln anfängt oder in einem der Kartoffelfeuer landet, deren brenzliger Duft gerade durch die Herbstluft bis unters Hochhausdach zieht, such ich mal was hervorzukramen von meinen Kindheitswahrheiten. Auch wenn ich feststellen musste, dass das gar nicht so einfach wird. – Ob das nun gut ist oder schlecht, es wird schon seinen Grund haben, dass man so vieles vergisst. 😉

Nun denn! Aber erwartet nur ja nix Spektakuläres.

1. Seit einer Urlaubsreise mit meinen Großeltern an die Ostsee im zarten Hexenvorschulalter, die mir neben einer großen Liebe (zum Meer) zum ersten Mal den Anblick bescherte, dass und wie Frau Sonne abends im Wasser versank, glaubte ich, wieder zu Hause, lange und unumstößlich daran, dort gleich hinter dem Wald, wo sie sonst schon immer verschwunden war, da ist das Meer. Nur leider liegt eben dieser Wald ca. 400 Kilometer Luftlinie vom Strand entfernt, landrättiger geht’s kaum. Diese Erkenntnis kostete mich einige Gewöhnung. Und vielleicht ist das ja e i n Grund, dass ich seit über zwei Jahren langfristig auf der Pequod angeheuert hab und zusammen mit ein paar Kerlen Moby Dick jage. Und wohl mein Lebtag lang verrückt nach kitschigen Sonnenuntergängen bleibe…

2. Zu etwa dieser Zeit war ich auch felsenfest davon überzeugt, unser ehrfurchtgebietender Hofhund Harras, so eine Schäfer-Husky-Mischung, hätte seine Hundehütte, vor der er immer 2 Wünsche frei...wachsam lag, komplett und hundewohnlich eingerichtet. Er war sowieso viel vernünftiger und zivilisierter als die (großen) Menschen und sprach halt nur in einer unbekannten Sprache. Ich habe nie erfahren, wie seine ‚Wohnung‘ aussah, denn ich hatte damals schon Angst vor Hunden und hab mich nie getraut nachzuschaun. Und später war er nicht mehr da…

3. Ich war ja schon frühkindlich von Märchen und Sagen und allerlei überlieferten Schnurren über regionale Kobolde und Feen und sogar höchsteigene Hausgeister geprägt. Und glaubte lange daran, dass jeder Mensch zum richtigen Zeitpunkt im Leben drei Wünsche frei hätte, wenn er sich dementsprechend würdig beträgt (hm, vielleicht war das auch ein erzieherischer Schachzug der vorvörderen Generation in unserm Haus, wenn ich’s reflektierend so recht bedenke). Oh, ich entwickelte ausdauernde und ausgeklügelte Strategien und Prioritäten, damit ich mir dereinst, wenn es soweit wäre, von der Fee nur ja nicht unbedacht das Falsche wünschte. Nun, bis heute ist keine vorbei gekommen… Okay, ich gebs zu, manchmal mache ich das immer noch – irgendwie. Ist so eine liebe, durchs Leben mitgeschleppte Gewohnheit, ohne den alten Kinderglauben dahinter, aber vielleicht gar nicht so verkehrt, gelegentlich Wichtungen vorzunehmen.

So, das waren ja schon drei. Ich habs ja gesagt – die Doktoren Freud wären wohl enttäuscht. Aber Himmel! – ich war wohl ein ziemliches Naturkind dereinst, oder?

Hach, eine fällt mir noch ein. (Bonus-Track war doch gestattet?)

An der muss einer von meinen Grundschullehrern schuld sein. Der nämlich, der mir in Geometrie vermittelte, dass Parallelen sich nicht schneiden – höchstens im Unendlichen. Dieser Zusatz vor allem blieb bei mir hängen, ohne dabei zutiefst an einen euklidischen respektive projektiven Raum zu denken. Ich lag damals oft am Bahndamm und schaute dem Schienenstrang in die Ferne hinterher – bis dahin, wo die zwei Schienen ‚zusammenliefen‘. In meinem Köpfchen summte der Satz: Parllelen schneiden sich nicht – kling! – außer vielleicht in der Unendlichkeit. Stimmt, ich konnte die Unendlichkeit sehen – und nahm mir immer wieder vor, eines Tages mal bis dorthin zu kommen, wo die zwei Schienen sich berühren…

Schon komisch, auf einmal fiele mir so vieles ein. Und noch viel merkwürdiger – oder auch nicht? – dass von diesem Kind offenbar noch eine Menge in mir wohnt. Was ist schon kind(l)i(s)ch, was vernünftig und erwachsen? Und ich weiß gar nicht, ob ich letzteres immer so ausschließlich sein will und kann und ob die so gut dran sind, die diesen Kinderaugenblick ganz verloren haben.

Oh, weiterwerfen soll mans wahrscheinlich auch noch, das Stöckchen. Wo es doch im Umkreis schon fast überall eingeschlagen ist. Und ich nicht die leiseste Ahnung hab, ob zum Bleistift der Frederic oder der Herr Bjoern (der mit dem vorzugsweise gereimten Wortgebrauch) sich mit sowas überhaupt abgeben wöllten.

Bilder: Schienenstrang – von moonchild41, flickr. Der Rest: selbereigene bzw. vorsichtshalber unbekannterweise creative commons. Song: Das berühmte „Wenn ich mir was wünschen dürfte“, gesungen von Miryam Kirschner; Via youtube.

…und bessert euch drauflos!

Dezember 31, 2007 um 4:10 am | Veröffentlicht in 2008, BlogMist, Drumherum und anderswo, Fest-Platte, Hexenblabla, Hexenkräuter, Hexentanz, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches | 8 Kommentare
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Von klugen Sprüchen und guten Vorsätzen

Wird’s besser? Wird’s schlimmer? – fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich: Leben ist immer
lebensgefährlich!
(Erich Kästner)

Blogger-Prosit durchs www!Schon wieder Neujahr? Dabei hätte das alte noch für Monate gereicht.
Tschulljung, aber was soll man angesichts der allerwärts sprudelnd überschwappenden Selbstläuterungsprojekte zum neuen Jahr anderes tun als Herrn Volksmund bemühen und kalauern?

Und überhaupt, wäre nicht dieser Neustart alle Jahre wieder erfunden worden, machten auch nicht Hinz und Kunz und Katz‘ alle Jahre wieder sich einen solchen vor. – Sagte nicht erst neulich jemand sehr weise: „Hey, ist doch nur Silvester“? 😉 Hm, also bei mir stimmts. Außer einem neuen Terminkalender aufm Schreibtisch (in dem schon wieder was drin steht) gehts nach der Feiertagsbesinnlichkeit in vollem Galopp weiter, nix mit alles auf Anfang und so.

Aber was wird diesem Neujahrstag nicht alles an Vorsätzlichkeiten in geballter Ladung aufgebürdet: weniger rauchen, weniger saufen, weniger fremdgehen, weniger streiten, weniger Trägheit, weniger zunehmen, mehr abnehmen, mehr Sport treiben, mehr Zeit haben, mehr sparen, mehr lesen, mehr Kultur, mehr Liebe [bitte die Liste beliebig fortsetzen] und wie die heimlichen und unheimlichen Defizite alle heißen – ab 1. Januar wird aufgearbeitet. Wenns geht, gleich alle auf einmal.

Gutmensch und SchweinehundAch ja? Wie lange hielten gleich nochmal im Vorjahr und im Vorvorjahr und dem davor auch die hehren und anstrengenden Pläne vor, und wie emsig sägte der innere Schweinehund vom ersten Tag an daran rum?

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert…“, wissen wir spätestens seit George Bernard Shaw. Dabei will ich ja um des Himmels Willen keinem ausreden, sich zu bessern – im Gegentum, das tut uns allen gut. Aber ein bisschen glashelle Lebensnähe und Realitätssinn schon auch. Hey, und ein Mychen Spontanität vielleicht? Man muss sich ja nicht immer gleich überfordern. Und vor allem nicht an einem einzigen Tag so unter Druck setzen und die Welt der schlechten Gewohnheiten aus den Angeln heben, nä. Das Jahr hat 365 Tage! Ha, und das, was jetzt kommt, sogar wieder mal einen mehr, 2008 ist Schaltjahr. Das sollte uns doch ermutigen zum Plänemachen, oder?

Und gegen k(l)einen Mut und den Weg zur Hölle gibts jetzt noch einen Löffel gute Medizin nach bewährter und hülfreicher Rezeptur meines geliebten Herrn Hausapothekers; der weiß nämlich, wie’s geht, respektive – wie nicht. Keine Angst – schmeckt süß und tut gar nicht weh! 😉

Spruch für die Silvesternacht

Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat!

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!

(Erich Kästner. Aus: Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke)

elke-hexe-form-we2.gifSo, und nun kommt alle gut ins Neue Jahr, ihr Lieben! In dem dann viel Indian Spirit (ihr wisst schon, das In-sich-Ruhn 😉 ):
Wishes of Happiness, Love and Prosperity
für uns alle.

Eure engelsgleiche Hex‘

Wir treffen uns drüben..

Bilder: Der Engel und der ‚Schweinehund‘ – von http://www.stereopoly.de/. Die andern: G.e.k.l.a.u.t… öhm, creative commons-Lizenz. Diese bezieht sich (nach einem Kommentar-Hinweis und zusätzlich zur aufgeführten Quelle) auch auf die verwendeten Zitate.

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Entries und Kommentare feeds.

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