Zurück in die Zukunft von gestern – ein Kindheitsstöckchen

Oktober 13, 2008 um 3:20 am | Veröffentlicht in Bloghexe, Hexen-Gedanken, Hexenblabla, Märchenhexe, Real-Poetisches, So Momente halt..., Spielwiese | 6 Kommentare
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ewiges KindEs liegt schon ein Weilchen hier rum, dieses Holz, das der Wolf mit schönen Grüßen von Doktor Freud herüber geworfen hat.

Der Beipackzettel dazu lässt sich bis zur Frau Coyotin zurückverfolgen und geht so:

Jeder, der einmal ein Kind war (also fast alle) und alle, die kleine Kinder in ihrer Familie oder dem Freundeskreis haben, wissen es: Schon die kleinsten haben Grundsätze, Überzeugungen und Vorstellungen, von denen sie nicht abzurücken bereit sind. Auch du wusstest als Kind bestimmte Dinge mit absoluter, unverrückbarer Gewissheit. Vielleicht, dass ein Monster im Schrank wohnt oder dass bei Ebbe das Meer absinkt, weil jemand den Stöpsel zieht. Damals hat es Sinn ergeben. Schreibe mindestens eine deiner damaligen unumstößlichen Überzeugungen auf!

Bevor es noch zu schimmeln anfängt oder in einem der Kartoffelfeuer landet, deren brenzliger Duft gerade durch die Herbstluft bis unters Hochhausdach zieht, such ich mal was hervorzukramen von meinen Kindheitswahrheiten. Auch wenn ich feststellen musste, dass das gar nicht so einfach wird. – Ob das nun gut ist oder schlecht, es wird schon seinen Grund haben, dass man so vieles vergisst. 😉

Nun denn! Aber erwartet nur ja nix Spektakuläres.

1. Seit einer Urlaubsreise mit meinen Großeltern an die Ostsee im zarten Hexenvorschulalter, die mir neben einer großen Liebe (zum Meer) zum ersten Mal den Anblick bescherte, dass und wie Frau Sonne abends im Wasser versank, glaubte ich, wieder zu Hause, lange und unumstößlich daran, dort gleich hinter dem Wald, wo sie sonst schon immer verschwunden war, da ist das Meer. Nur leider liegt eben dieser Wald ca. 400 Kilometer Luftlinie vom Strand entfernt, landrättiger geht’s kaum. Diese Erkenntnis kostete mich einige Gewöhnung. Und vielleicht ist das ja e i n Grund, dass ich seit über zwei Jahren langfristig auf der Pequod angeheuert hab und zusammen mit ein paar Kerlen Moby Dick jage. Und wohl mein Lebtag lang verrückt nach kitschigen Sonnenuntergängen bleibe…

2. Zu etwa dieser Zeit war ich auch felsenfest davon überzeugt, unser ehrfurchtgebietender Hofhund Harras, so eine Schäfer-Husky-Mischung, hätte seine Hundehütte, vor der er immer 2 Wünsche frei...wachsam lag, komplett und hundewohnlich eingerichtet. Er war sowieso viel vernünftiger und zivilisierter als die (großen) Menschen und sprach halt nur in einer unbekannten Sprache. Ich habe nie erfahren, wie seine ‚Wohnung‘ aussah, denn ich hatte damals schon Angst vor Hunden und hab mich nie getraut nachzuschaun. Und später war er nicht mehr da…

3. Ich war ja schon frühkindlich von Märchen und Sagen und allerlei überlieferten Schnurren über regionale Kobolde und Feen und sogar höchsteigene Hausgeister geprägt. Und glaubte lange daran, dass jeder Mensch zum richtigen Zeitpunkt im Leben drei Wünsche frei hätte, wenn er sich dementsprechend würdig beträgt (hm, vielleicht war das auch ein erzieherischer Schachzug der vorvörderen Generation in unserm Haus, wenn ich’s reflektierend so recht bedenke). Oh, ich entwickelte ausdauernde und ausgeklügelte Strategien und Prioritäten, damit ich mir dereinst, wenn es soweit wäre, von der Fee nur ja nicht unbedacht das Falsche wünschte. Nun, bis heute ist keine vorbei gekommen… Okay, ich gebs zu, manchmal mache ich das immer noch – irgendwie. Ist so eine liebe, durchs Leben mitgeschleppte Gewohnheit, ohne den alten Kinderglauben dahinter, aber vielleicht gar nicht so verkehrt, gelegentlich Wichtungen vorzunehmen.

So, das waren ja schon drei. Ich habs ja gesagt – die Doktoren Freud wären wohl enttäuscht. Aber Himmel! – ich war wohl ein ziemliches Naturkind dereinst, oder?

Hach, eine fällt mir noch ein. (Bonus-Track war doch gestattet?)

An der muss einer von meinen Grundschullehrern schuld sein. Der nämlich, der mir in Geometrie vermittelte, dass Parallelen sich nicht schneiden – höchstens im Unendlichen. Dieser Zusatz vor allem blieb bei mir hängen, ohne dabei zutiefst an einen euklidischen respektive projektiven Raum zu denken. Ich lag damals oft am Bahndamm und schaute dem Schienenstrang in die Ferne hinterher – bis dahin, wo die zwei Schienen ‚zusammenliefen‘. In meinem Köpfchen summte der Satz: Parllelen schneiden sich nicht – kling! – außer vielleicht in der Unendlichkeit. Stimmt, ich konnte die Unendlichkeit sehen – und nahm mir immer wieder vor, eines Tages mal bis dorthin zu kommen, wo die zwei Schienen sich berühren…

Schon komisch, auf einmal fiele mir so vieles ein. Und noch viel merkwürdiger – oder auch nicht? – dass von diesem Kind offenbar noch eine Menge in mir wohnt. Was ist schon kind(l)i(s)ch, was vernünftig und erwachsen? Und ich weiß gar nicht, ob ich letzteres immer so ausschließlich sein will und kann und ob die so gut dran sind, die diesen Kinderaugenblick ganz verloren haben.

Oh, weiterwerfen soll mans wahrscheinlich auch noch, das Stöckchen. Wo es doch im Umkreis schon fast überall eingeschlagen ist. Und ich nicht die leiseste Ahnung hab, ob zum Bleistift der Frederic oder der Herr Bjoern (der mit dem vorzugsweise gereimten Wortgebrauch) sich mit sowas überhaupt abgeben wöllten.

Bilder: Schienenstrang – von moonchild41, flickr. Der Rest: selbereigene bzw. vorsichtshalber unbekannterweise creative commons. Song: Das berühmte „Wenn ich mir was wünschen dürfte“, gesungen von Miryam Kirschner; Via youtube.

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…Where’d All The Good People Go?

Oktober 4, 2008 um 10:07 pm | Veröffentlicht in 2007, 2008, Bloghexe, Drumherum und anderswo, Free Burma, Geschichtsbuch, Hexen-Gedanken, Kalenderblätter, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Politisches, So Momente halt... | 1 Kommentar
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Heute vor einem Jahr – do you remember?

Free Burma!Wisst ihr noch?

Heute auf den Tag genau vor einem Jahr gab es neben vielen Real-Life-Bekundungen auch in der internationalen Blogosphäre einen großen und herzwarmen Akt der Solidarität für ein kleines gebeuteltes Volk, von dem viele damals vielleicht zum ersten Mal ergoogelten, wo dieses Land überhaupt liegt.

Dem Aufruf “One blogpost for Burma” folgten damals in einer konzertierten Aktion tausende Blogger über Ländergrenzen und Ozeane hinweg.

Erinnert ihr Euch? Die Regierung und das Militär von Myanmar (Burma, Birma) erstickten damals die friedlichen Proteste der Mönche in den Safrankutten und verzweifelter Menschen in diesem Vielvölkerstaat gegen Hunger und Repressionen und für ein freies Burma mit Terror und Blut. Und der Bloggertag der moralischen Unterstützung, dessen stringente Organisation über engagierte Aktivisten und deren Netzwerke mich schwer beeindruckte, stieß allerorten auf offene Augen und Ohren. – Wenn man mal von den paar nörgelnden kritischen Stimmen absieht, die den Organisatoren und dem solidarisch geeinten Bloggervolk Aktionismus, Einäugigkeit hinsichtlich des Elends der Welt und was weiß ich noch vorwarfen…

Es ist still geworden um die Ereignisse und die Situation in Burma. Nicht z u still? Gar totenstill?

Oh, falls es einer nicht weiß, es hat sich nicht viel geändert dort, nachdem der Widerstand und Protest der Septembertage von 2007 durch die Diktatoren gebrochen wurden. Schon gar nicht zum Besseren, nachdem zu allem Überfluss der Zyklon Nargis auch Myanmar heimgesucht und verheerende Zerstörungen hinterlassen hat. (Hand aufs Herz, wer hat bei Deutschland hilft mitgemacht und für die Opfer gespendet?) Das Land ist weitgehend nach außen abgeschirmt, auch der Zugang zum www. Viele der damals Verhafteten sitzen immer noch in den Gefängnissen, viele Mönche und Dissidenten sind verschwunden, getötet, hinter die Grenzen der Nachbarstaaten oder weit weg geflohen oder untergetaucht. Der Hunger, Zwangsarbeit und Repressionen – es gibt sie immer noch. Mit dem unter Einschüchterung und Druck abgehaltenen Referendum über eine Verfassung – von deren Ausarbeitung die Opposition ausgeschlossen war – hat die Militärdiktatur im Mai 2008 ihre Macht festklopfen lassen. Scheinheilige ‚Schönheitskorrekturen‘ der Machthaber sollen die Weltöffentlichkeit täuschen…

Um an diese Informationen zu kommen, muss man heuer schon ein bisschen im Netz kramen. Man stößt auf Burma-Seiten, auf denen man hin- und her gerissen zwischen Besorgnis und Enttäuschung, ja, sogar eigenem schlechten Gewissen, seit Herbst 2007 keine Aktivitäten mehr verzeichnet. Ja, es ist still geworden…(Das letzte deutliche Lebenszeichen der Free-Burma-Initiative vom vorigen Jahr habe ich als Umfrage zur Aktion vom 4. Oktober 2007 in Erinnerung. Und die Free-Burma-Banner sind von den meisten Blogs mit der Zeit wieder verschwunden.)

Totenstill? Nein, ganz so ist es nicht. Es gibt – auch in Deutschland – viele Aktivisten, die sich unermüdlich für die Menschen in Burma einsetzen, zum Beispiel hier oder hier oder hier. Ein Schweizer Journalist hört nicht auf, über die Situation dort zu berichten, ebenso das zweisprachige (Englisch und Burmesisch) Online-Magazin BURMA DIGEST.

Das aus den USA agierende web-Projekt Avaaz.org unter der Leitung des kanadischen Weltbürgers Ricken Patel mobilisiert via www erfolgreich eine internationale Community. (Danke an stefan888 für den erhellenden Blog-Beitrag.)

Und trotzdem beschleicht mich immer wieder das Gefühl, als hätten die Kritiker und Skeptiker der Bloggeraktion “Free Burma” von vor einem Jahr irgendwie Recht behalten – was meint i h r? Bauen die Menschen dort – und überall in der Welt – nicht weiter und immer wieder auf uns? Müssen wir nicht mehr tun?

Ach ja, und verdächtigt jetzt wen ihr wollt des Gutmenschentums. Ich jedenfalls bin ins Grübeln geraten – und sollte ein besserer werden, glaube ich. Und wäre ich es dann einmal, empfände ich diesen Verdacht als eine Ehre…

Free Burma

Glittering Saffron
(by NAY YU, via BURMA DIGEST)

Where are those voices of ‘Metta’?
While the Evils still in power
Where are those Saffron power?
Glittering in the sky
Deep in our mind
Though Evils rule our land
With their bloody hands.
Where are those ‘Sons of Buddha’?
While the guns still pointing our hearts
Where are those ‘Peaceful Walks’?
Glittering beyond the horizon
Still shining for the by-gone
Though Evils rule our land
With thier bloody hands.

Quellen: Bild „Free Burma“ – StuCkCaRBoy; Videos via Youtube (1, 2 und 3: Song von Jack Johnson: „Where’d All The Good People Go“.)

Heile, heile… Welt?

Juni 26, 2008 um 5:26 am | Veröffentlicht in 2008, Alles platti, Berlin, Drumherum und anderswo, Hexen-Gedanken, Kultur, MarktLückenbauten, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, Real-Politisches, SchilderBilderbuch, Wetter-Hexe | 1 Kommentar
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Nach-Wort und -Bild zum Sonntag

Ich mag diese Wochenenden, an denen alle unter der Hitze stöhnen und die Sonne hemmungslos vom Himmel knallt. Sie sind wie für mich gemacht – ich bin ein Sommermädchen. Ja, so eins mit den immerzu kalten Füßen, solange die Temperaturen unter zwanzig Grad rumbibbern.

Ha, aber jetzt ist Barfußzeit! Und nach dem ganzen Wochenstress fühlt sich kaum was so gut an wie eine Wiese unterm Bauch, die Grasspitzen auf Augenhöhe, ein Buch vor der Nase, leises Windfächeln und Bienengesumm um die Ohren. Hm, und ist man zu träge, sich irgendwo hinzubewegen, tuts auch der Balkon. Doooch… die sonnenwarmen Sohlen

ohne Schuh‘

und ohne Strümpf‘

und ohne Hatz

auf die Brüstung gestemmt, lasse ich ein lecker-kühles Zitronensorbet zwischen den Lippen schmelzen und faulenze mit halbgeschlossenen Augen vor mich hin. Das Seniorenheim gegenüber hat einen Leierkastenmann angeheuert und altberliner Musike weht gedämpft zu mir herüber… Die Stimmung hat sowas von heiler Welt – jedenfalls, solange sich die Hoffnung hält, dass der mit der Drehorgel nur für eine Stunde gebucht ist.

Die einzige heile Welt übrigens, die ich höchstpersönlich kenne, döst ausgerechnet an meinem gelegentlichen Dienstweg vor sich hin. Wobei kennen ja eine maßlose Übertreibung ist.
Heile Welt in Schöneberg
Sie ist tagsüber nämlich immer geschlossen. Was zunächst nicht weiter tragisch anmutet, weil ich sowieso zur Tür nebenan rein muss. Treppe HartnackschuleDie Treppe hinter d e r gehört zu einer sehr sympathisch geführten Sprachschule und hallt üblicherweise von babylonischem Gezwitscher aus aller Herren Länder wider – außer wenn gerade Unterricht ist. Dann hat man auch mal Muße innezuhalten für stille kleine Details, die das schweifende Auge im sorgsam und liebevoll bewahrten Flair einer alten Berliner Großstadtvilla entdeckt. Hier scheint die Welt in Ordnung. Auch für Minderheiten. Was sich bekanntermaßen nicht unbedingt in die Breite verallgemeinern lässt. D a s wiederum lässt einen solche Ideen wie die geplante Schließung des kleinen aber feinen Radio multikulti (dem ich selber schon die Ehre hatte, ein Interview zu geben) durch die hauptstädtische Mutteranstalt weniger als Greifen nach dem Rettungsanker denn als einen Griff ins Klo sehen. (Zur einschlägigen Un-Willensbekundung gehts zet Be hier lang.)

Allerdings (und weil wir eh grad bei Minderheiten sind) würde man ja auch gern mal einen Blick hinter die Rolläden der “Heilen Welt” riskieren, die sich als Cafe-Bar outet und nach einschlägiger Information eine von den stylüschen, für Hinz UND Hetero sehr gastlichen, City-Schwulenkneipen – sogar mit Kuschelfell an den Wänden – ist. Verbirgt sich hinter dem Namen nun ein Orakel, eine Vision… ein Konzept… oder die pure Ironie einer um_weltgebeutelten Zielgruppe. Letzters liegt nahe, seitdem jüngstens in der Eingangstür öffentlich eine heileweltfremde Reglementierung ausgeschildert ward:

Doch es zählt ja der gute Wille. Schließlich gibt es – gleichfalls an Hexis Dienstweg – weitaus guerillierndere und unheiligererere WeltKonzepte:

Extrem günstig!

***

Wenn man so oft wie die Hex‘ andauernd dort in der Gegend um die Bülowstraße rumscharwenzelt, muss einem zum weitläufigen Thema so unversehens wie zwangsläufig ein welt-weiser Blaublüter aus altem meckpommschen Ritteradel einfallen, der hochverehrte Freiherre Loriot nämlich. Schließlich gilt er als unermüdlicher Erfinder seiner eignen der heilen Welt (u.a. mit leckerer Postkartenabteilung). Außerdem als exzellenter Kenner all ihrer unheiligen Irrungen und Wirrungen (äh nee, letztere warn schon vom Herrn Nachbarn, aber der hat se uns vererbt. Holla, und der Ritter von Bülow wird heuer demnächst auch schon fümfunachzich – Kinder, wie die Zeit vergeht!) Die Suche nach der- und denselbigen ist beim Loriot, genauso wie ihr kicherndes Beklagen, ’ne Berufskrankheit. Die ihn bis in die eigene und fremde Badewanne hinein verfolgt. Eine schmunzelnde und kultige Wiederentdeckung, die es wert ist geteilt zu werden:


ABER DIE ENTE BLEIBT DRAUSSEN! 😉

*

H i e r draußen, vor Fenster und Balkon, entlädt sich inzwischen ein donnerdrummelnder Wolkenbruch und heilt die dürstende Welt.

Setzt die Segel!

Bilder: Selbereigene. Loriot auf der heilen Welt und der Hundskerl: aus Loriots heiler Welt.

Licht an, Licht aus oder was?

Dezember 8, 2007 um 7:45 pm | Veröffentlicht in 2007, Alles platti, Hexen-Gedanken, Hexentanz, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Politisches, Uncategorized | 3 Kommentare
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Licht an, Licht aus?Ich hatte mich schon gewundert, warum heut plötzlich die Zugriffe auf meinen schon etwas angestaubten „Licht-aus!“-Blog in für meine Verhältnisse schwindelerregende Höhen schießen. Vorher taten sie das nur gelegentlich exzessiv – bevorzugt nachts – wegen eines leicht anzüglichen Comic-Bildchens sexuellen Inhalts, das dort leihweise Verwendung fand.

Die stromlose Erleuchtung fiel mir wie ein Betrunkener im Dunkeln vor die Füße: Ich bin Hellseherin, Vordenkerin!! – was auch immer. Meine private und einsame Initiative zum Energiesparen zielte seinerzeit zwar eher gegen Strompreiswucherer sowie auf die Verbesserung der zwischenmenschlichen Kontakte und gute Nachbarschaft. Und sämtliche erhellenden Gedanken dazu waren fern von eventuellen Folgen für länderumspannende Stromnetze – lassen sie die Leut‘ doch problemlos auch dezentral für einen guten Zweck enger aneinander rücken. 😉 Ich will Sex!Doch die Idee dahinter ist, wie man sieht, auch auf die den Menschen, Zwischenmenschen und Nachbarn verbindende Sorge um unsere Umwelt transformierbar.

Was die heutige 5-Minuten-Licht-aus-Aktion angeht, bin ich allerdings etwas verwirrt. Und nicht nur ich, dem Frederic zum Bleistift geht es ähnlich. Denn augenscheinlich gibt’s zum Plan auch einen Gegenplan… und Rufer in der Wüste Warner und Spötter und so. Und mit dem eigenen Halbwissen über zu erwartende Effekte – über das anderer maßt man sich ja kein Urteil an – weiß unsereins nicht so recht, was tun, und neigt dann vielleicht doch mehr zum… Vermeiden und Abwarten?

Samanta hingegen weiß ganz genau, was sie will, egal, obs dunkel oder hell ist:

Was Samanta will
Jawollja, es lebe die Energie des Zwischenmenschlichen! 😉

Bild: (sicherheitshalber) Creative commons

Wer lernt mir Deutsch?

August 19, 2007 um 6:28 pm | Veröffentlicht in BildungsLückenbauten, Fremd-Worte, Hexen-Gedanken, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, Real-Politisches, Uncategorized | 3 Kommentare

Ich hab Angst vor dem Alter, wir werden umgeben sein von
lauter sprachlosen Faustkämpfern, Pantomimen und Buchflüchtern.
(Frederic Hormuth)

Deutsch vom StengelDer Herr Kabarettist mit dem lecker Honigbrot-Blog sorgte sich jüngstens um dem guten Deutsch der Vater- und Mutterpflanzen einer frühkindlichen Zielgruppe der Sprachförderung. Zu Recht, kann ihm eine, die ihren Honig aufs Brot zu einem erklecklichen Teil zwischen Sprachgetesteten, -geförderten und -geprüften verdient, nur heftigst kopfnickend beipflichten.

„Ich gebe zu , daß mein Verhältnis zur deutschen Sprache
wie mein Verhältnis zu meiner Frau ist:
Ich liebe sie, ich bewundere sie, ich verstehe sie meistens,
aber ich beherrsche sie nicht.“ (Hans Blix)

Gut, und ich gebe zu: der Mann, der das gesagt hat, ist Ausländer. Was nichts daran ändert, dass er (vielleicht gerade deshalb?) über Einsichten verfügt, an denen es nicht wenigen unserer eigenen Landsleute mangelt – aber sowas von.

Wo einbürgerungswillige Migranten sich einem Sprachtest zu unterziehen haben, der sich gewaschen hat, und die die reformierte Reformierung uns‘ aller Zuwanderungsgesetzes in nochmals schärferer Gangart diesen auch von nachziehenden EhegattInnen Aufenthaltsberechtigter fordert, hätte so mancher Inländer wohl seine liebe Not, da heil durchzukommen. Und liefe im angenommenen Testfall doch glatt Gefahr, mutter- und vaterlandslos zu werden.

Rechtschreibung Glücksache Vom Aussterben Ausweisen bedroht wären u. a. Exemplare der Gattung deutschestesteste Deutschländer Würstchen, deren gefühlter Dünnpfiff Durchfall sich uns so mancherorten schwarz auf Wand offenbart.

Aber auch diverse normale Mutterzüngler mit allgemeiner Sprach-, Sprech-, Lese- und Schreibverunsicherung sähen, auf Deutsch gesagt, ganz schön alt und verstoßen aus. Erwartet man doch von Einlassbewerbern in bundesdeutsche Lande, dass sie

in der Lage sind, sich in der deutschen Sprache auszudrücken, mit der deutschen Bevölkerung zu kommunizieren und deutschsprachige Medien zu verstehen. Ausreichende Sprachkenntnisse liegen vor, wenn sich die Einbürgerungsbewerber/innen im täglichen Leben einschließlich der üblichen Kontakte mit den Behörden in ihrer deutschen Umgebung sprachlich zurecht finden und ein ihrem Alter und Bildungsstand entsprechendes Gespräch führen können. Dazu gehört ausdrücklich, dass die Einbürgerungsbewerber/innen z.B. einen deutschen Text des alltäglichen Lebens lesen, verstehen und den wesentlichen Inhalt mündlich wiedergeben können…

(So nachzulesen zum Bleistift hier.)

Auweia! Um verfrühte Panikanfälle zu vermeiden, schlage ich vor, wir ignorieren einstweilen einfach mal die „üblichen Kontakte mit den Behörden in [unserer] deutschen Umgebung“. Die Anforderung diesbezüglichen Zurechtfindens brächte uns aller Wahrscheinlichkeit nach an den Rand der Entvölkerung. Allerdings müsste spätestens jetzt neben den bereits erwähnten Betroffenen auch dem arg- und ahnungslosen Noch- oder Nichtmehr-Konsumenten von Presseerzeugnissen mit dem gewissen Etwas Leseranspruch schwanen: es könnte eng werden.

Hilft nur das?Doch zum Glück und zu satirischen Zwecken – heißen Dank an dieser Stelle nach Augsburg! – steht uns ein Trainingsparcours zur Verfügung, der präventiv durchlaufen werden kann. Was durch die von mir soeben ins Leben gerufene Initiative „Deutsch für und wider alle Fälle“ wärmstens empfohlen wird. (Hinweis: Die leicht überholte Aktualität einiger Inhalte – so jeder Text einen haben sollte – ist ausnahmsweise mal nicht dem Sommerloch geschuldet und muss Sie auch nicht irritieren.)
Freiwillige Testkandidaten bitte hier lang!

Was die Urheber der in ihrer Sprachkunst bemerkenswerten Basistexte für die Testfragen angeht, muss deren einschlägige Vorgänger bereits ein Herr Schopenhauer gekannt haben, als er mit Nachdruck spruch:

Schreibt ihr Plattheiten und Unsinn in die Welt, so viel es euch beliebt,
das schadet nicht, denn es wird mit euch zu Grabe getragen; ja, schon vorher. Aber die Sprache laßt ungehudelt und unbesudelt:
denn die bleibt.

Sollte jemand bis hierher durchgehalten haben und trotzdem (noch) sprachlich fit sein, so halte er/sie sich ‚praktizierend‘ bitte gern an Friedrich von Logau, einen echten Sprachmusikanten:

Kann die deutsche Sprache schnauben,
schnarren, poltern, donnern, krachen,
kann sie doch auch spielen, scherzen,
lieben, kosen, tändeln, lachen.

schiller-logau-illu-1.gif

Oder, so es noch einen Hauch poetischer und mindestens ebenso sinnlich sein darf (und wer wollte dagegen etwas haben? 😉 ), an die Schillernde Ermunterung:

Lass die Sprach dir sein, was der Körper den Liebenden.
Er nur ist’s, der die Wesen trennt und der die Wesen vereint.

Sowas ist, finde ich jedenfalls, schon fast wert, ein Credo zu werden. Nun ja – oder wenigstens effektvoll eingesetzt… 😉

P.S. Wer sich seines Deutsches jetzt immer noch nicht (oder erst recht nicht mehr) sicher ist, sollte ruhig noch ein paar Zusatzlektionen bei einem verdienten und ehrwürdigen Sprachhüter absolvieren, der zeit seines Lebens Strauchler und Katastrophen des deutschen Sprachgebrauchs gesammelt und – keineswegs spaßfrei – öffentlich gemacht hat. Dies würde ihn gewisslich freuen, den Hansgeorg Stengel auf seiner Wolke, wie vielleicht auch die Wahl des Titels für diesen Beitrag.

Von Büchern und Bier

April 23, 2007 um 11:04 pm | Veröffentlicht in 2007, Fest-Platte, Hexen-Gedanken, Kultur, MarktLückenbauten, Mitmensch - unbekanntes Wesen | 2 Kommentare

Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.
(Franz Kafka)

BücherwurmHeute ist Welttag des Buches. Na, wer hat’n erfunden? Nö, nicht die Schweizer, auch nicht die Österreicher – und wir erst recht nicht. Irgendwie hat der Heilige Drachentöter seine Hand im Spiel, und wahrscheinlich haben die Herren Shakespeare und Cervantes in weiser Voraussicht dieser künftigen Sinngebung gemeinsam den 23. April 1616 zum Sterben erkoren. La UNESCO rief aus. 1995. – Und alle machen mit.

Ha, das ist der Tag, an dem ich endlich mal meine Übelkeitsanfälle zur Sprache bringen kann, die mich bei jeder unverhofften Begegnung mit der Shortbook-Werbung ereilen. Also nix gegen Mal-Bildungslücken-Auffüllen in schnellen Schlucken, wenn’s denn Not tut – aber gleich sein ganzes Lebens- und Karrierekonzept auf den übermäßigen Genuss solcher Extrakte bauen? Brrrrrrr! Das ist ja wie „Moby-Dick“ in einer Minute schaffen oder Puschkins Liebesgedichte als Comic lesen (hihi, obwohl das schon mal spannend wäre) oder Goethe mitsamt seiner royalblauen Hamburger Ausgabe auf den Götz von Berlichingen reduzieren – nicht? Oh, ich kann diese A… öh, lieben Mitmenschen nicht ab, die mit ihrem Halbwissen blenden und hohl klingen, wenn man dann mal draufklopft. Also nachhakt… an der Fassade kratzt – was auch immer.

Spitzwegs oller BücherwurmWas denken sich solche Werbetexter eigentlich? Instant-Kultur als Allheilmittel für Erfolglose wie warme Semmeln anzupreisen. Wo wir eh schon seit Jahren an Pisa würgen. Wo uns Dekadenz eh schon aus allen Knopflöchern scheint. Und wo nur die geliebte Lektüre Mensch und Buch gut Freund werden lässt. „Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zum eigenen Denken zu verleiten“, wusste schon eine kluge Frau. Und der olle holländische Erasmus hatte sogar raus, wie mit denen zu hantieren ist, damit’s wirkt: „Nicht diejenigen haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in ihren Schränken aufheben, sondern sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.“ Jahaa!

Dagegen – was für eine Horrorvision: auf Schritt und Tritt solchen gelackten Erfolgstypen zu begegnen, Lesen macht sexydie „mit [i]hrem neuen und schnell und einfach erlangten Wissen […] alle privaten und beruflichen Lebenslagen professionell [meistern]- Und das alles für einen fast schon lächerlichen Preis!“ Wäre ich Politiker, würde ich die übrigens wegen Herabwürdigung und Diskriminierung verklagen. *g* Hm, oder hab ich wieder mal den tiefen Sinn segensreicher ShortBookerei nicht verstanden?

Und nein!: der Tag des Deutschen Bieres, den wir auch noch ein paar Minuten begehen respektive begießen dürfen, ist nicht extra zur unterstützenden Lobbybildung für die Kurzbuch-Branche auch auf den 23.04. gelegt worden – etwa nach dem Motto: „Biertrinken macht mutig und sexy – ShortBook auch!“. Nach dem sex-ten sechsten Biere kann man eh die ganzen mit dem großen Löffel gefressenen Weisheiten nicht mehr aussprechen. Neenee, die Bierbrauer und -trinker feiern den anno 1516, justament an diesem Tag, zementierten Erlass des bayerischen Reinheitsgebots. Na dann: Prooost!
Bücher, die perlen, sind besser als schaumgebremstes Bier…

365 x Valentine’s

Februar 14, 2007 um 2:42 am | Veröffentlicht in Fremd-Worte, Hexen-Gedanken, Kultur, So Momente halt... | 7 Kommentare

Die Meinungen zum Valentinstag driften ja heftigst auseinander, nicht nur hier. Tag der Liebenden oder gefundenes Fressen für Werbung und Kommerz? Hm, importiert in unsere Lande wurde er wohl eher aus letzteren Gründen. Und so mancher kann dann schön sein schlechtes Gewissen beruhigen, dass das Feuer im Alltag nur mehr raucht als brennt – mit dem großen Pralinenkasten oder dem Blumenstrunk von der Tanke.

Ich werde mich hüten, hier einen Streit vom Zaun zu brechen – das wäre ja wohl erst recht absurd.

Mein Senf dazu: Feiert ihn oder lasst den seligen St. Valentin ruhen.

Aber: Liebt! Und zwar j e d e n Tag! Und lasst es einander spüren.
Ohne Liebe sind wir arm. — Und manchmal… ist sie das Einzige, was hilft.

*

Kennt jemand von euch (noch) Kurt Demmler, einen der erfolgreichsten und originellsten ostdeutschen Songtexter? Nicht? Na, dagegen muss man doch aus – *hüstel* – gegebenem Anlass etwas tun. Er hat nämlich auch eine Reihe wunderschöner Liebeslieder geschrieben.

Das hier ist eins davon. Und hier kann man wenigstens mal reinhören.

Jeder Mensch kann jeden lieben

Jeder Mensch kann jeden lieben.
Wenige nur wählt er aus.
Warum den und nicht den andern?
Was hat jener dem voraus?

Halt mich!

Warum zeigen unsre Augen
nur so selten diesen Glanz,
zittern wir vor der Berührung,
finden wir den andern ganz?

Sind es unbekannte Sender,
die da strahlen und verstehn?
Warum jener nur von diesen?
Was macht den vor andern schön?

Liebe ist…

Gibt es ganz bestimmte Tage,
wo man ’n ersten besten nimmt?
Warum dann und nur den ersten
und wann ist man so gestimmt?

Jeder böse Mensch kann gut sein,
jeder gute Mensch auch schlecht.
Warum weiß man, wen man möchte,
ist uns der vor andern recht?

Was mir nötig ist und dir, geb ich hin und hol ich mir…

Einer schaut uns in die Seele,
jeder andre auf die Haut.
Warum macht uns einer leise,
jeder andre nichts als laut?

Eine unbewohnte Insel
barg zwei Menschen aus der Not.
Warum wuchs aus diesem Zufall
eine Liebe bis zum Tod?

Ich bin du und du bist ich - jeder sucht im andern sich…

Fuhr ein andrer lebenslänglich
ungezählte Häfen an,
warum fand er da nicht einen,
dem zutiefst er zugetan?

Jeder Mensch kann jeden lieben.
Manchmal wählt er einen aus,
lädt sich von Millionen diesen
in sein Herz und in sein Haus…

Dich zu lieben, brauchst du mich, mich zu lieben brauch ich dich…

Unnütz oder nütz…

Januar 28, 2007 um 4:56 am | Veröffentlicht in Hexen-Gedanken, Spielwiese, Uncategorized | 8 Kommentare

Hoppla, da trifft einen plötzlich und unerwartet ein Stöckchen vom Seewolf, das man ja ungern ignorieren mag – denn die Bordkameraden der“Pequod“ lassen einander niemals nicht im Stich.
Meine zehn nutzlosesten Fähigkeiten soll ich auflisten. Hm, ehrlich gesagt kommt es mir manchmal so vor, als sei sogar eine Menge von dem, was man in seinem Leben mal vorsätzlich gelernt hat, unnütz. Uiui, da balanciert man ja an Abgründen – des eigenen Ich – wenn man mal tiefer drüber nachdenkt. Aber zum Glück will das ja bei so einer Frage eh keiner ganz genau wissen.

Aaalso… ja, was kann ich denn?

1. Ich kann noch alle Kinderlieder vom „Traumzauberbaum“ singen und überhaupt fast alle aus den Geschichtenliedern (Plattenserie in der DDR). Ha, die werden sogar heute noch verlegt. Und sind, wie mir jetzt beim Schreiben grad auffällt, vielleicht gar recht alltagsrelevant. Oder warum fang ich immer beim Fensterputzen an, vom Regentropfen Paule Platsch zu trällern? Außerdem auswendig abrufbar wären zet Be der „Osterspaziergang“ des Doktor Faustus, die Hanna-Cash-Ballade* vom Herrn Brecht (aus Zeiten jugendlich-hoffnungsvoller Rezitationswettbewerbe) und das Gesamtrepertoire der „Miss Marple“- und „Monk“-Dialoge (infolge ungesund häufigen Konsums)…

2. Apropos unnütz belegter Speicherplatz: ich hab ein ausgeprägtes Gedächtnis für Telefonnummern und Geburtsdaten. Das ist ja zunächst mal durchaus brauchbar; allerdings tummelt sich in diesem Sammelsurium auch munter der Zahlen- und Kalendersalat von Leuten, die längst aus meinem Leben verschwunden sind. Dafür haperts dann gelegentlich mit dem Namensgedächtnis, oh, und das kann peinlich werden. Was hatten die in dem bescheuerten Fernsehwerbespot doch gleich nochmal für’n Mittelchen für den vergesslichen Kerl mit zuwenig Sauerstoff im Gehirn?

3. Worin ich richtig gut bin: die Töne eines jeglichen weckenden Weckers in meine Morgenträume einzubauen als etwas, das da hin gehört und mich friedlich weiterschlummern lässt. Für diese Fähigkeit ist ‚unnütz‘ geradezu heftig untertrieben – die hebelt nicht nur Nutzen, Sinn und Zweck eines Weckers aus, sondern ist im Ernstfall höchst kreislauf-, ja sogar existenzgefährdend. Das zur Zeit zuverlässigste Gegenmittel: eine energische Mitbewohnerin.

4. Ich kann Chinesisch, naja, nur ein ganz kleines bisschen. Nicht mal zum geradebrechten Small-Talk (und vor allem: mit wem?) würde es reichen. Ich hab das mal zwei Jahre lang aus purer Neugier gelernt und dann wieder aufgehört. Warum, weiß ich nicht mehr genau.

5. Ganz hervorragend kann ich Tagespläne aufstellen, mit einem Arbeitspensum von geschätzt 48 Stunden. Eigenartigerweise ist am Ende des Tages dann meistens noch reichlich Plan übrig. Kann nicht mal jemand von den Experten für lebenswichtige Erfindungen wenigstens den 36-Stunden-Tag…..?

6. Zu den barfüßigen Fähigkeiten kann ich auch noch was beisteuern. Zunächst mal oute ich mich auch als Mitglied der Zeheneinrollfraktion. Mit denselbigen kann ich außerdem verstreute Papierblätter vom Boden aufsammeln, Teppichfransen ‚glattkämmen‘, Blumen pflücken usw. Ich kann barfuß sogar Autofahren. Letzteres ist weniger unnütz als unzulässig, weil nämlich eine Gefährdung des öffentlichen Straßenverkehrs – wird jedenfalls von den Hütern des Gesetzes behauptet.

7. Ich kann sauber und wie von der Nähmaschine getackert mit der Hand einen Saum umnähen. Das ist solange völlig sinnlos, wie man seine Nähmaschine nicht auf Nimmerwidersehen an die freundliche Nachbarin verborgt hat, die sie dann beim Umzug aus Versehen mitnimmt.

8. Als alteingesessene Platten-Siedlerin kann ich die Fahrstuhlsprüche im hauseigenen Aufzug den jeweiligen Bewohnern und Besuchern meines Hauses zuordnen. Man kennt schließlich seine Pappenheimer. Aber wer will sowas schon hören? Hm, außer dem Hausverwalter vielleicht. Doch dazu stehe ich viel zu sehr auf diese Sorte Alltagspoesie, um gerade dem mein unnützes Wissen preizugeben.

9. Ah ja, und wo wir grad so schön bei der Mietergemeinschaft sind: Ich kann durch meine eigenen vier Wände anhand der Lautstärke der Beziehungsgespräche, der Erziehungs- und Sexgeräusche meiner lieben Nachbarn kompetent Auskunft geben, wie es um deren Haussegen Wir windehen dir…bestellt ist. Obwohl ich darauf gut und gern verzichten könnte. Jaha, Platte is hellhörig.

10. Ich kann – immer noch und sogar mit Begeisterung – aus Löwenzahn und Gänseblümchen Kränze winden, um sie entweder mir selber oder auch mal Scharen von wildfremden Kindern ins Haar zu setzen. Bin halt ’ne alte, unverbesserliche Romantikerin.

*

10.a (außerhalb des Protokolls) Ach Wolf, außerdem bin i c h diejenige, die den besten Kartoffelsalat ever kann. Unnütz daran ist, solches im virtuellen Raum gegenseitig zu behaupten. Vielleicht sollten wir mal zu ’nem Salat-Contest antreten… ;o)

So, und nun weiß ich gar nicht, wem man das Stöckchen noch zuwerfen könnte. Vielleicht mag ja noch jemand – freiwillig?

*siehe auch im Kommentar

Der Kyrill und sein Method

Januar 21, 2007 um 3:30 pm | Veröffentlicht in Drumherum und anderswo, Fremd-Worte, Hexen-Gedanken, Kultur | 6 Kommentare

Über Wetterkapriolen und eine kulturelle Sturmböe

Wie man jüngstens durch freundliche Erklärung wieder erinnert wurde, ist es nirgendwo schöner als zu Hause. Und nachdem sich in meinen kuscheligen vier Wänden ganz oben unterm Dach der tobende und heulende „Kyrill“ wie ein ganz normales Unwetter angefühlt und an mir keine bleibenden Schäden hinterlassen hat, kann ich das nur unterstreichen. Das is nich in mei'm Büro.jpg Davon, dass er an unserem neuen milliardenschweren Hauptbahnhof mit tonnenschweren Stahlträgern und in meiner dienstlichen Behausung mit Scherben aus Fensterglas warf, erfuhr ich erst am nächsten Tag.

Wer zum Teufel gibt diesen zerstörerischen Naturereignissen nur ihre Namen, frag ich mich. Und verleiht ihnen unter genüsslich exzessiver Verwendung derselben geradezu bösartig menschliche Wesenszüge? Zumindest war das für mich der seltsame Beigeschmack so mancher einschlägigen Berichterstattung. Der Gipfel sprachlicher Skurrilität und Ahnungslosigkeit(?): cyrillos, aus dem Griechischen stammend, heißt: der Herrliche. Na toll!

Der Kyrill, an den i c h bei dieser Orkantaufe sofort denken musste (schau an! – ahnte man bis dato doch gar nicht, was von der eigenen verblassten Studentengelehrsamkeit noch so alles hängengeblieben ist), hat in weiten Landstrichen durchaus segensreiche Wirkungen hinterlassen. Und zwar über tausend Jahre vor die-heiligen-bruder.jpg seinem wetternden Namensvetter, gemeinsam mit seinem Bruder Methodij.

Die zwei Heiligen Brüder Kyrill und Method, wie sie auch genannt werden, zogen seinerzeit als Missionare durch die Lande der Slawen und halfen, diese zum byzantinischen Christentum zu bekehren. Und da die neuen Schäflein in der Herde des Griechischen unkundig waren, erfanden sie ihnen für ihre Kirchenbücher eine eigene Schriftsprache, das kirchenslawische Alphabet. Einen Teil der Buchstaben wandelten sie dabei aus dem griechischen Alphabet ab. Für Laute, die im Griechischen nicht vorkamen, wurden Zeichen aus der altslawischen – schon früher von Kyrill entwickelten – Glagoliza zugrunde gelegt. Jaha, gleich ein ganzes neues Alphabet, da kann sich sogar der olle Luther noch ’ne Scheibe abschneiden.

Wir kennen es heute – mit all den Vereinfachungen und sonstigen Reformierungen, die es im Laufe der Jahrhunderte, so z.B. unter Peter I., erfahren hat – als das kyrillische Alphabet, benannt nach dem jüngeren der beiden Brüder. Wie man sieht, hatten größere Geschwister auch im neunten Jahrhundert schon unter Zurücksetzungen zu leiden.

cirilicaisnotdead.jpgRussische Sprachwissenschaftler und Hüter ihrer Schriftkultur haben herausgefunden, dass ein Drittel der wissenschaftlichen Literatur unserer heutigen Welt mit kyrillischen Buchstaben geschrieben ist. Und vereinigen sich in einer teils empörten, teils gelassen lächelnden Front gegen Bestrebungen in der gegenwärtigen russischen Staatsduma, das kyrillische Alphabet zwecks Annäherung an den Westen abzuschaffen. Wohlgemerkt, wir reden hier auch von der Schrift der Puschkin, Gogol, Tolstoi, Dostojewski und Tschechow…

Die verlinkten Schriftzeichendarstellungen der kirchenslawischen Kyrilliza und der Glagoliza sind ein kleines Fest für die Freunde der Kalligrafie, hoffe ich.

Und die Sturmtieftäufer sollen sich gefälligst beim nächsten Mal passendere Namen für ihre Orkane ausdenken. Sie können sich ja mal bei den neuesten Favoriten umschauen, mit denen die Briten derzeit ihren bedauernswerten Nachwuchs malträtieren. Oder… wie wärs mit: Iwan, der Schreckliche?
kiever-blatter.jpg

Sich selbst behalten…

Dezember 31, 2006 um 3:39 pm | Veröffentlicht in 2007, Fremd-Worte, Hexen-Gedanken | Hinterlasse einen Kommentar

…oder sich finden – ein guter Wunsch für ein neues Jahr.
Leben gehen! traume-leben.jpg

Neujahrsnacht
Es steht mir herein der Orion,
Ins Fenster wölbt sich die Neujahrsnacht,
Die still ist und ohne störenden Ton
Und nicht zuschanden gemacht
Von Trunkenheit und Witz aus dem Wein
Und jener Scheinharmonie.
Das kann ich jetzt: mit mir selber sein
Und fern von Angstsympathie.
Ich brauche den Rausch immer weniger.
Ich liebe das klare Nein
So wie das klare Ja zum Tag:
Glück und Leiden: alles soll sein.
Immer her damit! Hier wird angenommen,
Was das Leben was immer uns will.
Leicht hab ich den Nachtgrat des Jahres erklommen.
Und die Waage stand gleich und still.

Eva Strittmatter

Rebellieren gegen das tägliche Sterben an Selbstaufgabe und Gewöhnung.

Ein gutes Jahr 2007 euch allen!

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