Neulich in Luzern

August 31, 2012 um 11:34 pm | Veröffentlicht in 2012, Bilderhexe, Denk_Mal-Hexe, Drumherum und anderswo, Globe-Trottel, Hexenritte, Kultur, Neulich nebenan, Real-Poetisches, Wander-Hexe | 4 Kommentare
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Betrachtungen eines Reisenden zu hölzernen Dingen oder Von der Schädlichkeit des Rauchens

Seitdem im Zuge der Globalisierung die Schweiz sozusagen in einen Teil meiner Familie migriert ist – hm, oder umgekehrt? -, treib ich mich ja gelegentlich entschleunigt bei dem kleinen Bergvolk in der Nachbarschaft rum.

In dessen heftig hochgefalteter Mitte liegt der Vierwaldstättersee.

Vielleicht liegt er sogar in seinem Herzen. Denn er ist nicht nur ein wundervolles Kleinod; um seine Ufer weht und wogt auch der Gründungsmythos der Eidgenossen. An seiner nördlichsten Spitze hat Wilhelm Tell in der Hohlen Gasse von Küssnacht (am Rigi) damals dem Vogt Gessler mit seiner Armbrust aufgelauert und auf einer Wiese am Strand seines südlichen Unterarms soll vor gut 700 Jahren (‚am Mittwoch vor Martini 1307‘) der Rütlischwur gegen die Habsburger ‚bösen Vögte‘ durch die Berge gehallt sein, den wir im exakten Wortlaut vom Schiller gelernt haben:

Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
in keiner Not uns trennen und Gefahr.
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

(Wilhelm Tell, 2. Aufzug, am Schluss der 2. Szene)

Letztens bin ich zum ersten Mal dorthin vorgedrungen, naja, nicht überallhin, nur nach Luzern. Was nun keine so entdeckergefärbte Pioniertat ist, die man hier besonders herausstreichen müsste – denn mindestens einer war schon vor mir da. Mr. Mark Twain nämlich, der kam hier nachschauen, was die Reuss explizit vom Mississippi unterscheidet oder so, und besser über Luzern erzählen als ich konnte er auch.

The commerce of Lucerne consists mainly in gimcrackery of the souvenir sort; the shops are packed with Alpine crystals, photographs of scenery, and wooden and ivory carvings. I will not conceal the fact that miniature figures of the Lion of Lucerne are to be had in them. Millions of them. But they are libels upon him, every one of them. There is a subtle something about the majestic pathos of the original which the copyist cannot get. Even the sun fails to get it; both the photographer and the carver give you a dying lion, and that is all. The shape is right, the attitude is right, the proportions are right, but that indescribable something which makes the Lion of Lucerne the most mournful and moving piece of stone in the world, is wanting….

We did not buy any wooden images of the Lion, nor any ivory or ebony or marble or chalk or sugar or chocolate ones, or even any photographic slanders of him. The truth is, these copies were so common, so universal, in the shops and everywhere, that they presently became as intolerable to the wearied eye as the latest popular melody usually becomes to the harassed ear. In Lucerne, too, the wood carvings of other sorts, which had been so pleasant to look upon when one saw them occasionally at home, soon began to fatigue us. We grew very tired of seeing wooden quails and chickens picking and strutting around clock-faces, and still more tired of seeing wooden images of the alleged chamois skipping about wooden rocks, or lying upon them in family groups, or peering alertly up from behind them. …
(Mark Twain. Aus: A Tramp Abroad. Chapter XXVI. The Nest of the Chuckoo-Clock)

Außerdem hab ich, auch wenn die Schweizer mir das womöglich übel nehmen, den Löwen von Luzern nicht mal besichtigt und – wieder einig mit Mr. Twain – ebenfalls den Kauf holzgeschnitzter Souvenirs boykottiert.

Aber einem Ding aus Holz bin ich dann doch erlegen. Und das ist durchaus der Erwähnung wert. Nicht nur, dass man es mit seiner Länge von an die 205 Meter gar nicht übersehen kann, wenn man durch die City stolpert, oder dass ich von meiner Begleitung sowieso zuerst dorthin gezerrt wurde.

Nein, es ist erstens zum Verlieben schön. Zweitens gerät man nicht in Gefahr, es mitzunehmen – außer in Bildern zurechtgeknipst (damit ihr auch was davon habt). Und last but not least ist es vor allem ein Wahnsinnsglück, dass man es überhaupt noch – oder wieder – bewundern kann. Denn just im August vor 19 Jahren brannte das gute Stück, wie schon gesagt aus uraltem Holz, in einer Nacht fast vollständig nieder: die Kapellbrücke.

Bis dahin hatte das stolze Wahrzeichen von Luzern, zwar mit mehrmaligen Renovierungen und gar einer späteren Kürzung um 75 Meter, gute sechseinhalb hundert Jährchen und ebensoviele Auguste überstanden. Es war überdies seinem von Stadtväterseite im 19. Jahrhundert geplanten Abriss durch den öffentlichen Protest von Stadtkinderseite entgangen. Machtlos waren die Brücke und ihre Lobby schlussendlich, laut Brandermittlung, im Sommer 1993 vermutlich gegen die Wirkung einer glimmenden Zigarettenkippe, achtlos entsorgt von einem Brückengänger. Doch wer so ein Kulturgut vor allen Widrigkeiten und Autoritäten zu retten imstande ist, kriegt es auch wieder hingestellt, in nicht mal einem Jahr Bauzeit, originalgetreu zu aller und meiner Freude. (Den wiederhergestellten Teil kann man übrigens an der helleren Dachfärbung ganz gut erkennen.)


Da steht sie nun in altem Glanz, die Kapellbrücke. Und? Ist sie nicht schön! In ihrer Jugendzeit war sie als Wehrgang Teil der Stadtmauer. Im Giebel der Dachkonstruktion hängen alle paar Meter dreieckige Gemälde mit hinzugefügten Versen auf Holztafeln – eine Werbeaktion des Stadtrats vom Ende des 16. Jahrhunderts für den ‚guten Schweizer‘, die man heute durchaus als Comic lesen kann. Apropos Comic: wusstet ihr schon, dass in Luzern alljährlich quer durch die ganze Altstadt das “Fumetto” (Ital.: “Sprechblase”, wörtlich “Räuchlein”) veranstaltet wird, ein Comic-Festival mit Berühmtheiten der Szene und besonderer Aufmerksamkeit für die Entdeckung junger Nachwuchskünstler?

Überragt wird die Brücke vom Wasserturm. Der nach nichtschweizerischem Verständnis des Begriffes keiner ist, sondern viel eher ein Im-Wasser-Turm, der durch die Zeiten Turmwächter, Stadtarchiv und Kerker, zudem Schatz- wie Folterkammer beherbergte. Das Storchennest auf Turmes Spitze soll seit über einhundert Jahren unvermietet sein. Im Gegensatz zum Turminnern, dem heutigen Domizil des Luzerner Artillerievereins, dessen hehre Ziele mir unbekannt sind. Und für Nichtartilleristen hats in dem Gemäuer auch noch – na was schon! – klaro, einen gut frequentierten Souvenir-Shop.

Wasserturm mit KapellbrückeZwergenbrücke1

Ob Mr. Mark Twain nun grad in dem nix gekauft hat, weiß man wiederum nicht so genau. Doch über die Kapellbrücke ist er geschritten, das ist sicher – obwohl sie aus Holz geschnitzt ist:

We visited the two long, covered wooden bridges which span the green and brilliant Reuss just below where it goes plunging and hurrahing out of the lake. These rambling, sway-backed tunnels are very attractive things, with their alcoved outlooks upon the lovely and inspiriting water. They contain two or three hundred queer old pictures, by old Swiss masters—old boss sign-painters, who flourished before the decadence of art….
(Mark Twain. Aus: A Tramp Abroad. Ebenda.)

Und als Belohnung fürs Lesen und Angucken gibts noch einen Hexenblick und -Cam-Klick auf den See aus, übern Daumen gepeilt, 2000 Meter Höhe.

Hmmm… vielleicht könnt‘ ich ja mit kitschigen Postkarten für Schweizer Souvenirbuden reich werden? 😉

Bilder: Sind alle Hexenwerk, mit Ausnahme der Rütliwiese, die ist swissinfo-Werk.

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PAPER POP! Snackbox-Kopp vs. Suppendose – Andy Warhol lebt!

Februar 23, 2012 um 11:35 pm | Veröffentlicht in 2012, Bastel-Hexe, Bilderhexe, Denk_Mal-Hexe, Drumherum und anderswo, Hex of Pop, Kalenderblätter, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches | 2 Kommentare
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„An artist is somebody who produces things that people don’t need to have.“

„Everybody’s plastic, but I love plastic. I want to be plastic.“

“Most people in America think Art is a man’s name.”

“I believe in low lights and trick mirrors.”

“Art is what you can get away with.”
(Andy Warhol)

Pop Art für Bastel-Freaks:


Selbige richten Ihren Dank für Paper Pop Bastelfutter bitte an Matt Hawkins, Cartoonkünstler aus Kansas City. Und an Rob Ives, Weiterverwender und Urheber des Wackel-Warhol:

Ein ‚Denkmal‘, das er gemocht hätte, der Andy Warhol, glaub ich. Vielleicht mehr als das Andy-Monument von Rob Pruitt auf dem Union Square vor dem ehemaligen Standort von Warhols Factory? Und mehr als die Andy-Tröpfelbrunnen-Skulptur unweit von dem slowakischen Nest, dem die Erzeuger des kleinen Andrej Warhola den Rücken kehrten, bevor er das Licht dieser verrückten Welt erblickte. Oder als den Kaffeetrinker-Bronze-Andy in Bratislava…

Fragen kann ihn danach leider keiner mehr.
Gestern vor 25 Jahren starb der Godfather of Pop Art.

„I always thought I’d like my own tombstone
to be blank. No epitaph, and no name. Well,
actually, I’d like it to say ‚figment‘.“

Bilder: Andy Warhol – Warhol Fright Wig, Polaroid-Selbstportrait, 1986. Via abc News, Ankündigung einer Ausstellung: “Andy Warhol: Photographer“ at New York’s Danziger Gallery. Paper-Pop-Andy: Matt Hawkins“ – via Custom Paper Toys. Andys monumentales: 1. Rob Pruitt. 2. und 3. PM und Peter Zeliznák – via Wikimedia commons.

Von Kindern, Zwergen und anderen Größen oder wozu ein paar Kartons alter Briefumschläge gut sind

Oktober 15, 2011 um 11:59 pm | Veröffentlicht in 2011, Bücherhexe, Berlin, Bilderhexe, BildungsLückenbauten, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches | 1 Kommentar
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Nachträglich zum 70. Geburtstag eines Bildermachers

Auaaaa… Volltreffer. Ich verfluche diesen unsäglichen Reflex, immer schützend den Fuß drunterzuhalten, wenn was von oben runterfällt.

Stöhnend lasse mich auf den Boden plumpsen und rubbele mit der linken Fußsohle tröstend über den rechten großen Zeh, dessen schmerzverzerrtes Gesicht rot anläuft und morgen bestimmt in noch ganz anderen Farben leuchten wird. Dann angele ich mir den staubigen Übeltäter, der sich beim Bücherkramen im Regal hinter der Kammertüre auf mein Hinterpfötchen gestürzt hat: „Alfons Zitterbacke“, fledderig zerlesenes Kinderbuch über einen Pechvogel und Erziehungsversehrten mit Kultstatus aus alten Tagen. Tsssss… na, der passt ja, auch wenns dem (coverseitig) den zweiten ‚Vorderzeh‘ erwischt hat.

Sein illustrierender Zeichnervater übrigens hatte es auch heftig in den Vorderpfoten, begnadetes Talent nämlich, zum Bildermachen. Und er hat Generationen von Dreikäsehochs, wie meiner, nicht nur ihre Lektüre und ihre Kindheit ausgemalt und sie daneben mit eigenen Bildergeschichten gefüttert. Er spielte mit ihnen auch an ihren ganztägigen Aufbewahrungsorten, versüßte ihnen die Auszeiten von erziehungsberechtigten Fehlern, kitzelte aus ihnen die verborgenen Zeichentalente heraus und wurde, nach dem Signum unter seinen Kritzeleyen, von seiner Hauptzielgruppe wahrscheinlich liebevoll der Bofi genannt. Manfred Bofinger.

Als er in einem Interview mal gefragt wurde, welche Bücher, außer seinen eigenen, er den Gören sonst noch empfehlen würde, antwortete er:

„Bei Büchern, die ich nicht illustriert habe, fallen mir auf Anhieb drei ein. Zwei davon sind von Joachim Ringelnatz und die beiden frechsten Bücher, die ich überhaupt kenne: „Das Kinder-Verwirr-Buch“ und das „Geheime Kinder-Spiel-Buch“ […]. Ringelnatz ist für mich eine ganz große Offenbarung gewesen, sehr früh schon. Den hätte ich gerne kennen gelernt. Das dritte Buch ist „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll. Und zwar mit den Illustrationen von Frans Haacken.“

Ein Schelm, wer hier nicht merkt, an welchen Würzlein der Bofinger sich genährt hat. Und ein armseliger solcher dazu, in den nicht spätestens nach solchen Statements und Hausheiligenbekundungen wärmste Zustimmung und Zuneigung einziehen.

Dabei hat der ja nie auf Malen und Zeichnen studiert, der Bofi, sondern sich das alles nach einer soliden Handwerkerlehre als Schriftsetzer mit Abi autodidaktisch draufgezimmert. Freilich kam ihm dabei ein Umstand zugute: eine Anstellung 1961 als Typograf beim „Eulenspiegel“, d e r Satirezeitschrift der DDR. Dort hatte er täglichen Umgang mit lauter so Kritzelfritzen. Nachdem von deren renommiertesten einem, Karl Schrader, eines Tages die Ansage erging: „Du zeichnest klasse, und du machst jetzt mal was“, machte er mal was. Und konnte sich bald vor Aufträgen nicht mehr retten. Es kam, wie’s kommen musste – Bofinger machte sich 1968 als Freiberufler selbstständig und ward fortan einer der gefragtesten und beliebtesten Illustratoren weit und breit für Verlage und Autoren mit Humor. Er war Stammillustrator der DDR-Kinderzeitschrift „Frösi“ (praktikabel gewordenenes Kürzel aus deren einstigem Namen „Föhlichsein und Singen“). Und selber schreiben konnte er auch noch. Exemplarisches Beispiel: Der krumme Löffel, biografisch angehauchte Miniaturen einer Kindheit im Nachkriegsberlin.

Belohnt und bekränzt wurde er für sei Tun mit zahlreichen Preisen. Einer der liebsten war ihm der „Schnabelsteherpreis für das frechste Buch des Jahres“, erhalten von den tapferen norddeutschen Buchhändlern für sein „Gänsehautbuch. Ein ABC des Grauens für tapfere Kinder und Eltern“.

Dem „Eulenspiegel“ blieb er, nicht nur für den Karriereanschub, weiterhin treu. Als Dank dafür ‚erbte‘ er bei der Beinahe-Abwicklung und Aufräumungsarbeiten desselben 1990 diverse Kartons voll hässlicher grau-brauner Briefumschläge. Die zum Urknall einer neuen Schaffensperiode und zu Begleitern einer so wunderbaren wie gedeihlichen Freundschaft werden sollten – mit F. W. Bernstein, mindestens westlich des Pecos als Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule und i h r e s „Eulenspiegels“, der „Titanic“, bekannt. Lyriker und Karikaturist vor dem Herrn.

Zu dem gefalzt verklebten Altpapier wäre keinem alten Hund was Sinnstiftendes eingefallen – außer zwei Kritzelfritzen, deren Sympathie füreinander von der ersten Begegnung an feststand. Sie begannen unter Verwendung eben jener Umschläge einen abgefahrenen und haltbaren Briefwechsel in Bildern, der von 1991 bis zum Jahr vor dem tragischen Tod Bofingers 2006 andauerte, zwischen ihren Berliner Wohnsitzen hin und her wogte und nicht nur die Deutsche Post in Atem hielt. Mit liebevollem Humor oder bissfester Satire und einer Portion Verspieltheit zogen sie in ihrem eigenen Strich nach Strich und Faden über die Symptome der Welt, des Alltags und des Nebenuns und sogar über sich selber her. Sie ließen nichts aus – ein Fall Realer Poesie, wie er im Buche steht.

„Bei F.W.Bernstein in Steglitz wird die Idee zwischen der ersten Tasse Tee am frühen Morgen und dem vormittäglichen Frühstück geboren und zu Papier gebracht. Anders in Treptow: Bei Manfred Bofinger kommt der Einfall im Laufe des Tages, wird entwickelt, ausgefeilt und dann verarbeitet. Auf diese Weise entstehen wöchentlich oft mehrere gezeichnete, aquarellierte, gemalte und gekritzelte Zeit-Kommentare…“
(Martina Schellhorn. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung)

Was als witzige Gedankenblitze zu Sinn,Un- und Hintersinn des wirklichen Lebens begann, wird bald von beiden in die Form von „Produktionsanlässen“ gegossen: die „korrigierte Weltgeschichte“, „Wenn ich König wär“ oder „Das erste Mal“ u.s.f. Und da die Herren B&B so freundlich waren, ihre Korrespondenz irgendwann öffentlich zu machen, wohnt ein Extrakt davon in einem Exemplar „Ich glaube, du bist dran“ (Hrsg. Bei Rütten & Loening 1995, mit einer Nachbemerkung von Herbert Rosendorfer) in himmlischem Bilderbuch-Querformat bei mir zu Hause. Ein weiteres hab ich mal an einen lieben Freund, der damit was anfangen kann, hergeschenkt und zur Adoption freigegeben.

Mich haben Bofingers Illustrationen, Karikaturen, Bilderbücher und Typospielereien weit über das Zopfmädchenalter hinaus begleitet, eigentlich bis heute. In der Bofi-Abteilung meiner Bibliothek trifft Einstein mit der Geige auf Herrn Dickbauch und Frau Dünnbein oder Darlingsratte mit Anhang, und der Punk-Welpe seufzt den Zeiten nach, als Papa noch Pirat war. Kinder, Zwerge und andere Größen ziehen in geschlossener Front an zwei Männern beim Betrachten des Mondes vorbei und Graf Tüpo stattet ein paar sommersprossigen Lausejungs mit frecher Nase und Dreiangel in der Hose, die im Dicken Bofinger-Buch herumlümmeln, einen Besuch ab.



Bofis Darlingratte

Die gefährliche Körperverletzung an meinem großen Zeh durch Alfons Zitterbacke habe ich inzwischen fast vergessen. Beinahe zärtlich wische ich mit dem Ärmel den Staub vom Einband und stelle das Buch zurück zu den anderen. Nicht weit weg von meiner letzten einschlägigen Erungenschaft, dem Berliner Bilderbuch brominenter Bersönlichkeiten,
n o c h einer Gemeinschaftsproduktion der Herren B&B. Hinter dessen schnuckligem Oktav-Format des Zweitausendeins Verlages auf fast 600 Seiten sich… nein, keine Einführung in die Besonderheiten des sächsischen Dialekts und harten „B“ verbirgt, sondern die Entdeckung des Urberliners Bofinger und Wahlberliners Bernstein alias Fritz Weigle, dass das Gros aller Berühmtheiten – wie sie selbst – mit Doppel-B anfängt: von Bertolt Brecht über Buffalo Bill oder BarBie bis Bablo Bicasso.

Benno BessonBio BauerBiermösl Blosn

Dass sie diesem brägnanten Bunkt mit bointierten Bortraits in Hülle und Fülle und in ihrer ureigenen Manier begegnen mussten, versteht sich ja wohl von selbst.

*

Letzte Woche wäre er 70 geworden, der Bofi. Von einem Leben nach dem Tode zeugen in seinem Fall nicht nur seine putzmuntere Präsenz in den treuen Händen der Leser und Gucker, sondern aktuelle Neuerscheinungen, in denen er mit seinen Bildern immer noch vorkommt. Und es wird gemunkelt, dass Eltern mit ihren Zopfmädchen zu seinem Grab mit Spreeblick auf dem verträumten alten Stralauer Friedhof pilgern und ihnen dort ihre sorgsam gehüteten Bofi-Kinderbücher vorlesen.

Ich glaube, das hätte ihn gefreut.

Bilder: Briefumschlag – entliehen bei der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung. B&B-Foto: Harald Hirsch, auch von da. Bofis Grab mit Spreeblick – via Friedrichshainer Chronik: Friedhof am Wasser. Die andern: von den Genannten ‚vorproduziert‘, teilweise von mir eigenhändig _ab_geknipst und abgekupfert. 😉

Manuskripte brennen nicht oder: Wo Gretchen Margarita heißt und Faust im Irrenhaus sitzt, ist Moskau

Juni 19, 2011 um 7:13 pm | Veröffentlicht in Bücherhexe, Bilderhexe, BildungsLückenbauten, Hexenliebe, Hexenritte, Kalenderblätter, Kultur, PhilosoVieh | 7 Kommentare
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„Einen langen Weg hat der Teufel zurückgelegt, vom ‚Buch Hiob‘ in der Bibel bis zum Prolog im Himmel im „Faust“. Von Iwan Karamasow bis zu Adrian Leverkühn war es nur ein Sprung – noch längst kein Jahrhundertsprung. Kann der Teufel sich noch einmal in einer Dichtung unserer Epoche verselbständigen? Nicht entmachtet, entteufelt…, sondern im Vollbesitz seiner Macht… Kann er noch einmal, nach Dostojewski und nach Thomas Mann, glaubhaft dargestellt werden, als Widerspiegelung eines grauenhaft verlockenden Zweifels, der heute Menschen verwirrt?“

Zitat: Anna Seghers. Aus dem Klappentext der ersten (und volltextlichen) deutschen Ausgabe von: Michail Bulgakow „Der Meister und Margarita“. 1975 bei Volk und Welt. Diese beiläufig in sehr guter Übersetzung von Thomas Reschke.

Und ob er konnte! Und wie!
Und Gott und der Teufel und halbwegs Eingeweihte in die russische Literatur des 20. Jahrhunderts wissen, welch verdammt langen Weg Bulgakows Lebenswerk (geschrieben von 1928 bis zu seinem letzten Atemzug 1940) mitsamt dem Teufel darin hat hinter sich bringen müssen, bis es an die drei Jahrzehnte nach dem Tod des Autors endlich erscheinen durfte. Und selbst da noch ’schaumgebremst‘. Denn seine Erstveröffentlichung in Fortsetzungen in der Literaturzeitschrift Moskwa Ende der sechziger Jahre geschah immer noch mit über 180 Kürzungen und Verstümmelungen durch die sowjetische Zensur.

Doch „Manuskripte brennen nicht“, wie Bulgakow in diesem seinem Werk höchstselbst verkündet. Der Meister und Margarita wurde zu einem klassischen Fall für den Samisdat. Was auf Deutsch Selbstverlag bedeutet, und zwar auf eine in östlichen Gefilden ‚von oben‘ verhinderter Kunst sehr besondere und lange bewährte Art: durch die große Volksseele, die Leser selbst nämlich. Die rissen ihren Buch- und Zeitungshändlern das im Nu vergriffene Meisterwerk wie warme Semmeln aus den Händen, kopierten es oder schrieben es mitsamt den ausgelassenen Passagen sogar mit der Hand ab, gaben es weiter und verbreiteten es in dem Stoff angemessenem Höllentempo.

Das Buch war Kult, der auch in die Literaturstudi-Szene an DDR-Unis überschwappte. Ein Hauch davon überdauerte gar bis in meine Zeit dort und wehte mir ein paar legendäre Exemplare gilbender Handkopien in Originalsprache in den Weg, in denen ich mit Fieberaugen versunken bin. Ich hab meinen Meister und Margarita immer gern, immer verzaubert und verhext und seitdem auch immer sehr ehrfürchtig hergenommen.

***

Schauplatz der Teufelei: Bulgakows Moskau der 30er Jahre. Die Realität in der Hoch-Zeit der TeufelsStalin-Ära ist zu einer einzigen gewaltigen Groteske mutiert, unwirklich wie das Treiben der einfallenden Höllenbagage im Gefolge des Teufels, unwirklicher als das Buch im Buche, die ‚andere‘ Passionsgeschichte des Meisters um Jesus und Pontius Pilatus. Künstler landen im Irrenhaus und haben vergessen, wer sie sind.

Die Zeitmaschine ist in der Literatur längst erfunden und rattert munter und auf Hochtouren durch Bulgakows Roman. Wiewohl auf der Reise durch die Zeiten und aus Auerbachs Keller in die Sadowaja 302b der ganze goethische Doktor Faustus in russischer Version mitsamt seinem mephistophelischen Dialektikus als Widerpart auch so einiges an Verfremdung (aus guten Gründen) und satirisch-skurriler Mutation durchmacht, bis hin zur Parodie. Belzebub persönlich sucht zwecks Veranstaltung einer Dreißigerjahrewalpurgisparty und als Werkzeug der Gerechtigkeit die Stadt heim und heißt immerhin Voland wie Goethens Mephisto. An dessen walpurgischen Ausruf „Platz! Junker Voland kommt, Platz! süßer Pöbel, Platz!“ sich wärmstens erinnert, wer seinen Faustus kennt.

Zum weiteren Verlauf der auf drei verrückt verschlungenen Ebenen rasant galoppiernden Handlung werden ein Eintrag bei Frau Wiki und – erstaunlich genug für ein irgendwie immer noch Insiderbuch – Rezensionen wie Sand am Meer hergebetet, zum Beispiel bei sandammeer – jaja, die Ösis wieder.
Jede für sich bemerkenswert und aufschlussreich, scheint mir doch kaum eine davon erschöpfend genug und trifft auf den Punkt, was mich selber beim Lesen an Be- wie Empfindungen und Verwobenheit überkommen hat. Dagegen hilft praktischerweise am besten, sich dem Original im Selbstversuch hinzugeben. Der, versprochen, mit Sicherheit belohnt wird.

Zur Feier des im letzten Monat und hierzulande weitgehend unbemerkt verstrichenen 120. Geburtstags von Meister Michail Bulgakow heut und hier Der Meister und Margarita einmal anders – in Bildern. Verbrämt mit Zitat- und (von mir übersetzten und in eckige Klammern gesetzten) Kommentarschnipseln des Bildermachers. Das Ganze: ein kleines, aber feines und engagiertes Fotoprojekt, gefunden im russischen Internetz bei retroatelier sowie – von da übernommen – in dieser onlinenen Bulgakow-Enyklopädie. Fortsetzung folgt – sagen die da jedenfalls.

Поехали!… öh, auf gehts!
„Mir nach, Leser! Wer hat dir gesagt, es gäbe auf Erden keine wahre, treue ewige Liebe? Man schneide dem Lügner seine gemeine Zunge ab!
Mir nach, mein Leser, und nur mir, ich zeige dir eine solche Liebe!“

„…widerliche Blumen von beängstigendem Gelb…“
„ Sie hatte widerliche Blumen von beängstigendem Gelb in der Hand. Weiß der Teufel, wie sie heißen, aber die sind die ersten, die man in Moskau bekommt. Diese Blumen hoben sich deutlich von ihrem schwarzen Frühjahrsmantel ab. Gelbe Blumen trug sie! Eine ungute Farbe. Sie bog in eine Gasse ein und drehte sich um. …ich schwöre Ihnen, sie sah nur mich, und ihr Blick war irgendwie krankhaft. Mich beeindruckte nicht so sehr ihre Schönheit wie die ungewöhnliche Einsamkeit in ihren Augen, eine nie gesehene Einsamkeit! ….Es war qualvoll für mich, denn mir schien, ich müsse mit ihr reden, aber ich fürchtete, ich würde kein Wort herausbringen und sie würde weggehen und ich würde sie nie wieder sehen. Und stellen Sie sich vor, plötzlich sagte sie: „Gefallen Ihnen meine Blumen?“
Ich erinnere mich genau, wie ihre Stimme klang, ziemlich tief, aber brüchig… Ich ging rasch zu ihr hinüber und antwortete: „Nein!“ Sie sah mich verwundert an, und plötzlich, völlig unerwartet, wurde mir bewusst, dass ich gerade diese Frau schon mein Leben lang geliebt habe. Die Liebe sprang uns an, wie ein Mörder in einer dunklen Gasse sein Opfer anspringt, und traf uns beide. So schlägt ein Blitz ein, so stößt ein Finnenmesser zu! Sie pflegte übrigens später zu sagen, so sei es nicht gewesen, wir hätten einanderer schon seit langem geliebt, ohne uns zu kennen, ohne uns je gesehen zu haben. Sie lebte damals mit einem anderen Mann … Und ich auch, damals…“
(Vollständiges Zitat von mir hinzu’gehext‘. 😉 )

[Margarita – Bogdana… Die Verwirklichung eines Traums zu 100%…
Bei um die 40 Grad Hitze übrigens.]

„Annuschka hatte schon Sonnenblumenöl gekauft; nicht nur gekauft, sie hatte es auch schon verschüttet…“

[Wagenführerin Asja. Eine wunderbare Schauspielerin und ein sehr positiver Mensch. Kurz gesagt, eine Komsomolzin, eine Aktivistin…]

„Weißer Umhang mit rotem Futter…“

[Pontius Pilatus – der hervorragende Schauspieler Michail…
Der einzige spitzohrige (nicht kupierte) Doggenrüde in ganz Kiew brach sich am Tag der Aufnahmen ein Bein, verweigerte rüde das Shooting und musste eiligst durch ein Doggenmädchen ersetzt werden…]

„Dunkelheit senkte sich über Yershalaim…“

[In den Rollen: Garik, Oleg und Sergej. Heldenhafte Centurien –
die Rüstungen waren zwar nicht aus Bronze, aber mächtig schwer. Und die Hitze unerträglich.]

„Hier im purpurnen Schein des Kaminfeuers glänzte am Buffet der Degen…“

[Unser allerliebster Sergej Wassiljewitsch. Solch einen Asasello musst du suchen. Wir haben lange gesucht. Alles entschied sich buchstäblich (wie so viele Dinge bei diesem Shooting) im letzten Augenblick, durch Zufall und Fügung…]

„Sind Sie etwa ohne Ihren Degen erschienen?“

[Für Gella haben wir ein Casting gemacht, aber eigentlich hätten wir keines machen müssen. Katenka, diese göttliche Schöpfung, stand für die Rolle von Anfang an fest. Bedauerlicherweise haben wir nur wenige Aufnahmen gemacht. Dabei könnte man diese Gella aufnehmen und aufnehmen. Was für eine Haltung… und diese Figur…]

„Ich bin nicht böse, ich rühre niemanden an. Ich repariere den Primuskocher…“

[Der Kater war echt. Groß (nur ein winziges Stück kleiner als der wirkliche Begemot) und kräftig. Doch nach dem ersten Blitzlicht benahm er sich wie ein Schwein. Er fauchte und kratzte, die Wolle flog in Fetzen. Das Katerfrauchen Galja heulte. Schaut man sich die Aufnahmen als Slide-Show an, erlebt man einen außergewöhnlichen Diafilm über einen Dompteur (der war ich.) Eine Wiederholung des Shootings brachte überhaupt nichts. Er erkannte mich auf der Stelle und flüchtete ins Bad. Lenka ’stückelte‘ ihn aus dem, was wir hatten. In Einzelteilen. Nur der Gefühlsausdruck, der stimmt.]

„Sie stritten über etwas sehr Kompliziertes, Wichtiges, und keinem gelang es, den andreren zu bezwingen…“

[Jeschua – der Schauspieler Wolodja. Glücklicherweise auch im letzten Moment aufgetaucht. Von aufsehenerregender äußerer Erscheinung in Kombination mit einer erstaunlichen Menschlichkeit. Voller Willenskraft und dabei mit einem so wehrlosen Ausdruck in den Augen.]

„Und diese Frau war es auch, die Korowjow und Begemot aufhielt…“

[Werotschka, Kino- und Theaterschauspielerin.
Innerhalb von drei Sekunden drückte sie dir die verschiedensten Emotionen aus… Es fiel schwer, etwas auszuwählen. Servierte echte Lebensmittel an den Tischen. Die haben wir später unter freiem Himmel sogar aufgegessen.]

„Guerlain, Chanel Nr. 5, Mizuko, Narcis noir, Abendkleider, Coctailkleider…“

[Die Aufnahmen wurden im Theater „Susirje“ am Jar Walu gemacht. Katenka, Tanetschka, Anetschka und Saschenka. Einen Kater hatten sie nicht dabei.]

„Manuskripte brennen nicht…“

[Wir haben Papier verbrannt. Der Gestank im Studio hielt sich ewig.
– Diese Augen, die Augen!!!]

„So flogen sie dahin und schwiegen lange…“

[In der Rolle des Meisters: Viktor. Die Gewänder wurden von der genialen Aljona genäht, die mit bemerkenswerter Akribie Mittelalterkostüme nachempfindet. Bogdana sah toll aus in dem Kleid.]

„Bitten Sie niemals und um nichts! Man wird es Ihnen von selbst anbieten und von selbst alles geben.“

[Der Meister lässt sich allgemein sehr schwer visualisieren. Denn jeder hat sein eigenes Bild vom Meister. Für mich war es immer Michail Afanasjewitsch (Bulgakow. Die Vf.n) höchstselbst.]

Gut gemacht, Rebjata!

Natürlich ist zu einem derartigen Aufwand auch der passende Soundtrack vorrätig: Sympathy for the Devil von den Rolling Stones. Nach einem 1968er Songtext von Mick Jagger, dem er nach Lektüre und unter dem Eindruck von Der Meister und Margarita entspross. Das Buch war ihm von seiner damaligen Geliebten Marianne Faithfull verehrt worden. Jaha, der Dame, die neben Drogensucht, höllisch guter Musik und anderen Leistungen auch noch die vollbracht hat, die erste gewesen zu sein, die das Wort „Fuck“ in einem Film aussprach („I’ll Never Forget What’s ’is Name“. 1967):

Mit deviltattooträchtigem Halbstriptease von Mr. Jagger höchstpersönlich im letzten Drittel der Aufnahme.
Die gibts auch als Videoclip
ratet mal, wo wiedermal nicht verfügbar. 😉

Ach ja, und eine weitere Galerie mit Visagen und Personagen zum Meister und Margarita hammer auch noch – hier. Und eine durchaus sehenswerte Fotoausstellung zum Thema.

Bilder: Voland: CD-Cover einer Hörspielbearbeitung von Der Meister und Margarita. mdr. Der Hörverlag. 2009. Schatten-Voland: Via Bulgakow-Online-Enzyklopädie. Foto-Projekt Der Meister und Margarita (Bilderstrecke): Original bei retroatelier, Januar 2011. Übernommen von Bulgakow-Enzyklopädie. Begemot: Jewgenij Semenjuk, 1991. Via Bulgakow-Enzyklopädie.
Musik: Rolling Stones: Sympathy for the Devil . Studio-Album Beggars Banquet. 1968. Via Dailymotion. Videoclip auf myvideo.
Zitate: größtenteils aus der Reschke-Übersetzung der 1975er Ausgabe von Der Meister und Margarita bei Volk und Welt. Einige Eigenübersetzungen.

Noch nix mit Barfußgehn. Frühfrühling zwischen draußen und drinnen und ein Spaziergang weit vor Ostern

März 31, 2011 um 11:57 pm | Veröffentlicht in Berlin, Bilderhexe, Drumherum und anderswo, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Neulich nebenan, Real-Poetisches, Spielwiese, Uncategorized, Wetter-Hexe | 1 Kommentar
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Schon wieder so ein Spiel mit Bilderauftrag vom Käpt’n. Die nehmen ja langsam überhand. 😉 Aber woll’ma ma nicht so sein, wa? – wie der Berliner sacht. Und erst recht keen Spielverderber.
Zumal nun endlich Lenzens blaues Band wieder flattert durch die Lüfte, erste Sommersprossen auf blassen Nasen und die Sonnenhungrigen allerorten aus dem Boden sprießen. Die Stiefmütterchen auf den Rabatten hingegen nicht – die wurden dort gnadenlos von Stadtbegrünerhand ausgesetzt.

Allerdings ist es mit dem Frühlingswetter so eine Sache, das muss er noch ein bissel üben, der Frühling. Wo er, übern Daumen gepeilt, beinah ein Jahr keine Gelegenheit mehr zum lauen Lüfteln hatte. Denn wer, bittschön, hockt sich bei Temperaturen knapp über Null entspannt auf ’ne Parkbank, frag ich euch.

Na gut, ein paar gab es schon, die mir auf meinem ersten doch recht eiligen Spaziergang zum dienstlich indizierten Außentermin über den Weg ruhten. Die hier, vielleicht TU-Studentin von gleich nebenan, hatte sich still auf die Mittelinsel vom Ernst-Reuter-Platz geschlichen und dafür schön warm angezogen. Und wie man sieht, ist sie nicht alleine auf die Idee gekommen. (Nicht im Bild: der Papierkorbdurchwühler zehn Schritte weiter.)

Noch ein ganz mutiger Mit(tags)ruhender: vor dem Café ohne Namen am U-Bahn-Ausgang Bismarckstraße. Nennen wir ihn Robert, der auf einen Cappuccino und ein Viertelstündchen der Hektik in seiner Werbeagentur entkommen ist. Denn nie, niemals hätte ich gewagt, ihn aus seiner Lektüre zu reißen, um nach seinem richtigen Namen und Erwerb zu fragen. An den Namen des Cafés erinnere ich mich, ehrlich gesagt, einfach nicht. Was es schon wegen der netten Bedienug überhaupt nicht verdient hat. Für Insider unter den Lesern: es ist das winzige Eckstübchen mit den verstreuten Ledersitzklopsen. Hinter dessen Glaswand die zwei Mademoisellen auf dem nächsten Bild verschwommen und verwackelt ruhen.

Beim nächsten Bildertrip bin ich dann ziemlich vom Dienstweg abgekommen – direktemang hinein ins Wochenende, einen Wetterwechsel und das Angrillen – irgendwo in Friedrichshain. Die Lüfte wurden linder, dafür aber ziemlich feucht.

Und da haben wir ihn wieder, unseren Bratwurstmann mit dem Schirm. Okay, es ist ein anderer. Der Schirm – und auch der Mann: Axel, der tapfere Grillwurstretter, von allen kleinen Mädchen bewundert. Die Party fand wegen des Dauerregens und passend zum Friedrichshain in einer überdachten Toreinfahrt statt. Es gab multikulti Geklampftes par excellence von J. Und regen Zulauf aus der Nachbarschaft, die immer gern ruht, szenegerecht chillt oder hüpft und sich niederlässt, wo man singt. Genau richtig war hier auch die hübsche Zuzan mit den Dreadlocks, und nein, das ist kein Joint; in der Kippe liegt die Ruhe. 😉

Die vorletzten Schnappschüsse sind von einer Indoor-Party, wegen der Nachtfröste. Die zwei sind Touris, kommen aus den Bergen und wollten mal ‚Berlin gucken‘. Ich hab ihnen versprochen, sie Kai und Lisa zu nennen. Denn Kai ist grad im Bewerbungsmodus, und man kann ja nie wissen, ob der Personalchef nicht mal schnell im Internet guhuugelt, wie versoffen oder verbohrt sein künftiger Mitarbeiter ist oder wie verspielt seine Perle. (Hmjoh… das T-Shirt kam beiläufig direkt aus dem mitgeführten Wanderrucksack auf den Mann, nachdem der Inhalt des vorletzten Glases – hier nicht im Bild – durchs Hemd geflossen war. Von außen.)


Der letzte Mitruhende, auch wieder etwas diffus geraten, ist eher ein Nebenprodukt und irgendwie aus Versehen ausm elften Stock passiert. Also nicht er selber, sondern das Abbild von ihm. Der sah aus, als hieße er Fred und hätte grad die Freundin beim versuchten Überraschungsbesuch im Plattenbau verpasst; ans Handy ging sie auch nicht. Folge 1, 2 und 3 aus der Reihe: Be an Unruh…ender.

Dies mein Beitrag zum Be-a-Mitruhender-Glücksspiel.

Aus tiefster Barfußmädchenseele im leider noch festbeschuhten Frühfrühling hier.
(Und Herrgottnochmal, die ist immer viel zu weit für _nur_ein_Bild. Und lässt sich einfach nicht in ein Regel(schuh)werk zwängen.)
Hab ich jetzt verloren? 😉

Bilder: Selberknipsing und: Klick macht groß.
Video: Reinhard Mey. Frühlingslied. Vom Album: Hergestellt in Berlin (1985). Via youtube und gebjgbtl571b.

Strangers, Mermaids, Musikanten

Februar 6, 2011 um 11:26 pm | Veröffentlicht in Alles platti, Berlin, Bilderhexe, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Neulich nebenan, Real-Poetisches, Spielwiese | 3 Kommentare
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Oder: Vom Abenteuer und der Mühsal, to be a Mitreisender

Nebenan hat Captain Wolf wieder eines von seinen raffinierten Preisausschreiben ausgesungen, die sich unter der so nerdigen exklusiven wie geneigten Leser- und Schreiberschar anhaltender Beliebheit erfreuen.

Der aktuelle (Foto)Auftrag „Be a Mitreisender!“ oder: Finde Ismael, geh mit ihm an Bord – und mach ein Bild von ihm! ist ja eher was für Leute, die grad Urlaub machen – oder so einen freihändigen Hobby-Job mit selbsternannter Gleitzeit und Ausgeschlafenheit. Jedenfalls mehr als für welche, die ihr Vollzeiterwerb morgens im Dustern aus dem Haus und mitten in die volle U-Bahn mit Sardinenbüchsen-Feeling treibt. Abends heimwärts: dito. Vor allem hat er mehr von Abenteuertrip, als man je vermuten könnte.

Denn der großstädtische Berufsverkehrer ist morgens zumeist übellaunig, unausgeschlafen, spät dran oder einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden, mit selbigem zudem grad auf dem ungestreuten Gehweg ausgerutscht oder in einen Haufen Hundekacke getreten, somit kamerascheu, unfotogen und latent aggressiv gegen Mit-Mitreisende. Erst recht gegen solche in Gestalt von Amateurfotografen.

Am ehesten bereit, to be a Mitreisende, mit dir gemeinsam über die Schonwiedererhöhung der BVG-Mitreisepreise zu wettern und trotzdem freundlich in die Kamera zu lächeln, ist vielleicht noch die nette Fahrkartenverkäuferin im Bahnhofskiosk. Doch noch bevor du die Knipse zücken kannst, fährt die letzte Bahn ein, die du unbedingt kriegen musst, um nicht wegen Zuspätkommens angezählt zu werden.

Wer die Kuscheligkeit eines U-Bahnwagens in der Rush Hour kennt, weiß: das ist nix für klaustrophobische Gemüter. Eingezwängt und in unfreiwillig intensivem Körperkontakt mit wildfremden Leuten kriegst du nicht mal die Hand an deine Cam. Und falls doch, dafür womöglich eine auf die Zwölf. Motive allerdings gäbe es zuhauf.

Zum Beispiel die Mitvierzigerin, die ihre neue Daunenjacke stolz zum ersten Mal ausführt. Was kein Mitreisender übersehen kann, denn unter der Achsel baumelt noch das Schnäppchen-Preisschild: Größe 42, 39,90 €. Oder die zwei Schulmädchen, Gymnasium, zehnte Klasse, tipp ich mal, die darob tuschelnd die Köpfe zusammenstecken und sich halbtot kichern.

Einen preisverdächtigen Schnappschuss gäbe auch der zerzauste Wuschelkopf der Rotschöpfin auf dem Eckplatz an der Tür ab. Die hat verschlafen, jede Wette, ist falsch zugeknöpft und holt grad ihre Morgentoilette nach: heimliches Mundspülen mit einem Schluck aus der Wasserflasche, dann ungeniert un-heimliches Schminkritual. Dessen schräges Ergebnis ist ein knallroter Schmollmund, der sich mit der Haarfarbe beißt, und der misslungene Versuch, wie Tori Amos auszusehen. Oder wie die Monroe? Nur halt nicht in Blond.

Gern würd ich ja auch die Geschichte zu einem Bild von dem Typen in der knarrenden Lederjacke von gegenüber erzählen. Der hört und sieht nix um sich herum, beugt seine gepflegte Kahlköpfigkeit über ein altes Heft mit gilbenden Seiten auf seinen Knien und schreibt und schreibt. Manchmal hält er inne und die Hände, die ausschauen, als könnten sie besser auf dem Bau zupacken oder ein Schiffsruder drehen als einen Stift halten, blättern zurück. Um dann emsig weiter zu kritzeln. Die Schrift ist klein und ebenmäßig. Zu klein, um sie von meinem Platz aus lesen zu können. Verflixt. Was schreibt der da so endlos? Einen Roman? Sein Leben? Geschichten über die Mitreisenden? Sein letztes Abenteuer in der Südsee? Ist der vielleicht Ismael? Todspannend das. Als er zusammenpackt und aussteigt, bleibt nichts als Neugier…

Ach ja, und dann ist da noch der langhaarige komische Vogel in schwarzem Echtpelzjäckchen mit dem silberfarbenen Köfferchen und dem Mädchentouch. Der ist auch nicht von dieser Welt. Die Lautstärke seines Ei-Potts lässt die Mitreisenden mühelos mithören. Was völlig überflüssig ist – denn er singt entrückt-verzückt und mit geschlossenen Augen lauthals mit. Hardrock, eigentlich ein Widerspruch zu seiner Erscheinung. Den hab ich skizziert (auf sowas Ähnlichem, wie ’nem alten Kassenzettel, Käpt’n), bin mir allerdings meiner Fertigkeiten im Hinwerfen schneller Zeichnungen so wenig sicher wie ihrer Eignung für die Öffentlichkeit.

So sich nun also der unterirdische Berufsverkehr zwar als überaus geeignet, to be a Mitreisender, aber als ziemlich ungeeignet, to document a Mitreisenden erwiesen hat, ist guter Rat teuer. Mit dem Auto unterwegs zu sein, machte alles mitnichten besser, es sei denn, man änderte die Ausschreibung in: Be an Aneinander-Vorbeifahrer! Da hätt‘ ich dann ein verwackeltes Exemplar Vorbei-Fahrradfahrer. Wo der hin wollte? Was weiß denn ich! Vielleicht zum Flohmarkt, Ersatzteile kaufen? Und meine täglichen 25 Kilometer (in eine Richtung, also die ganze Strecke mal Zwei) zu Fuß wären eine glatte Überforderung.

Aber gesagt ist gesagt, du kennst mich, Wolf. Die Hex‘ gibt nicht so leicht auf. Und krabbelte eines Abends, geschlaucht und gestresst, doch guten Willens unter der Erde hervor ans Tageslicht. Das schon weg war. Den Alexanderplatz konnte man im Finstern grad noch so erkennen.

Zuerst traf ich, bei dem Laden mit dem Kaufmanns-Und zwischen den zwei Buchstaben, auf eine mit Accessoires desselbigen gestylte Minifamilie im Reise-Outfit. Sie stand ungefähr drei Meter über mir im Schaufenster, verurteilt to be drei Rumsteher und deshalb wohl ziemlich genervt. Jedenfalls fiel das Lächeln ihnen schon schwer und sie haben kein Wort mit mir geredet. Tja, nix mit Geschichte.

Weil Berlin ja bekanntermaßen auch am Meer liegt (sogar noch näher als München 😉 ) und wir allem Maritimen in Sehnsucht anhängen, dachte ich: gehst du halt nochmal beim alten Neptun vorbei. Am Ende begegnet dir daselbst gar ein mitreisender Seemann auf Landgang oder im Ruhestand. Zu meinem Leidwesen waren die Damen, die als einzige um diese Zeit noch dort rumsaßen, auch nicht gerade sehr gesprächig. Vielleicht nehmen sie es dem guten Begas ja noch übel, dass sie eigentlich vaterländische Flüsse symbolisieren sollen und nicht einfach Mermaids und Gespielinnen des alten Meergottes sein dürfen. Oder den Touri-Horden, dass die ihnen dauernd ungestraft an den Busen, ans Knie und die Barfüße grabschen dürfen. Die eine zeigte mir gleich die kalte Schulter und starrte verbissen Richtung Fernsehturm. Die andern lümmelten melancholisch vor sich hin und seufzten leise. Und eine von denen gestand mir, dass sie sich schon geschlagene 122 Jahre auf dem blöden Brunnenrand langweilt und nichts mehr wünscht, als to be a Mitreisende. Für ihr Alter sieht sie aber noch recht ansehnlich aus, hab ich ihr gesagt. Und ihr versprochen, demnächst wenigstens mal wieder auf ’n Pläuschchen vorbei zu schaun.


Auf dem Rückweg zum Bahnhof gesellte sich zu meiner mageren Bilderausbeute endlich doch noch ein lebendig bewegtes Motiv – naja, also im Rahmen seines Bewegungsspielraums jedenfalls. Branko, der Bratwurstmann. Der hat sich seit seinem Umzug von der Adriaküste zum Alex die mobile Fastfoodtheke mit dem Schirm hinten dran vor den Bauch schnallen lassen, um selber gelegentlich auch mal was anderes als Bratwurst essen zu können. Er posierte gern für das Projekt und reist nicht nur mit, sondern ist sozusagen der Speisewagen für alle Mitreisenden.

War eigentlich fotographische Zeitnähe gefordert im Spiel? Falls ja, dann außer Konkurrenz hier noch ein paar Schummelbilder aus wärmeren (und helleren) Zeiten, die dem Anliegen vielleicht eher gedient hätten:

Die exotische Schönheit mit dem müden Ableger, nennen wir sie datenschutzhalber Yasmin, kenne ich. Mit der reise ich täglich – sie bringt Zugereisten Deutsch bei und die lieben sie, alle. Der Typ daneben ist Karl, der Wettergott, der zu seinem Vorgesetzten über dem Nollendorf-Viertel betet, damit der ihm nicht das Straßenfest vehagelt und die Mit-Mitreisenden verstimmt.

Und wem keine Straßenmusikanten vor die Linse laufen, der ist nicht unterwegs. An denen kommst du einfach nicht vorbei, selbst wenn du wolltest. Der mit der Quetsche, der kann was und würde sich mit seinen Melodeyen auch gut vor einem Pariser Straßencafe machen. Oder in einem Film darüber. Der Ausgefranste mit der Mundharmonika g l a u b t, er kann spielen. Dafür ist er aber sowas Ähnliches wie ein Nolle-Original und wohnt unter dem U-Bahn-Bogen. – Der Klarinettist ist eher Zufall.

Als Bonusbild und Fazit schlussendlich noch zwei Echte, Sophie und Tom. So weit, wie die wollen, kommt sowieso keiner mit – Australien, Start von Gate 8 in Tegel. Aus der Reihe: Be two Mitreisende!

Fast vergessen hätt ich ja Paule Knopp. Dem die Traurigkeit ins Gesicht geschrieben steht, weil kein Reisender ihn beachtet oder ihn auch mal einfach nur drückt. Denn er ist nur ein armer alter Klingelknopf neben einer längst zugebauten Türe…

Hmm, das nächste Mal reisen wir dann vielleicht doch eher von Kneipe zu Kneipe oder ins Eck-Cafe. Das machts womöglich einfacher. Schade, dass dergleichen Lokalitäten mir im Moment grad so selten unterkommen. Höchstens mal fix auf der Durchreise.

***

Who are you, Mitreisender… I don’t know.

I don’t know what you smoke
Or countries you been too
If you speak any other languages
other than your own, I’d like to meet you

I don’t know if you drive
If you love the ground beneath you
I don’t know if you write letters
or you panic on the phone
I’d like to call you all the same,
If you want to
I am game

I don’t know if you can swim
If the sea is any draw for you
If your better in the morning
or when the sun goes down
I’d like to call you

Bilder: selber geschossen und verwackelt. Wer schon nicht mehr so gut sieht sie größer haben will: einfach mittendrauf klicken.
Video: Lisa Hannigan: I Don’t Know. Via youtube.

Ein Teller Buchstabensuppe

Dezember 21, 2010 um 7:32 pm | Veröffentlicht in 2010, Berlin, Bilderhexe, BildungsLückenbauten, Bloghexe, Drumherum und anderswo, Fremd-Worte, Kultur, MarktLückenbauten, Neulich nebenan, Real-Poetisches | 8 Kommentare
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… stand als Menü auf der (Eintritts)Karte So einen kriegst du aus keiner Tütensuppentüte, nicht von Maggi oder sonstwem. Oder hat wer schon mal lateinische, gemixt mit griechischen, arabischen und chinesischen Nudeln Schriftzeichen in seinem großen Löffel schwimmen sehen?

Die bunte babylonische Suppe zu dieser Nachlese ist längst ausgelöffelt. Aber man kommt ja zu nix mehr heutzutage, nicht mal dazu, seine paar verwackelten Bilder im Blog aufzutischen.

Und wie sie alle, alle kamen: Weltenbummler und Urlaubsplaner, Goldsucher, Landflüchter und Abenteurer. Die Herden der hergeprügelten Schulklassen, von praxisnahen Schulmeistern zu polyglotter Zukunftsplanung mittels Spracherwerb angehalten. Die bildungshungrigen Familien, zwei- bis nochmehrsprachigen Nachwuchs aufziehend oder den fernwehen Pubertanten im Schlepptau. Die Lehrer und Lerner. Die dienstreisenden Delegationen der Geschäfts-, Kontakt- und Ideenfischer. Dazu ganze Heerscharen ebenso frischgebackener wie vitae- und visitenkartengespickter Magister, Designer, BWLer, Multi- und Kulti-Manager auf Erwerbssuche. Und ein paar schräge Vögel – mit skurrilen bis suspekten Produkten im mobilen Esoterik- oder Wunderheilerrucksack. Die fliegen, scheints, überall ein und finden ihren Weg schlafwandelnd mit orakelgestützter Sicherheit.

Die ‚Suppenköche‘, laut Zählung der Veranstalter und exklusive der munteren Küchenjungen und patenten Bedienungen (bei denen meine Wenigkeit inklusive) vorgeblich ungefähr zweihundert, ließen sich denn auch nicht lumpen. Beim Chinesen… öhm, also beim diesjährig exponierten Gastsprachenland in Gestalt volkreicher Konfuzius-Institute durfte man Schlange stehen, um sich seinen Namen in annähernder Bedeutung kalligrafieren zu lassen. Kulant und völlig ohne Anstehen gabs dazu die ganztägige Ommm-Palastbeschallung des Schattenboxer-Soundtracks. Allerdings auch ohne Vorwarnung, dass dass man sich von der als noch so tapfere Bedienung nach spätestens einem halben Tag ein Trauma einfangen konnte.

Die Basken, unsere fröhlich-freundlichen Standnachbarn, starteten ein spontanes Kamerashooting, mittels dessen wir ihre zahlreichen Opfer zur zungenbrechenden Frage „Badakizu euskaraz hitz egiten?“ (Sprichst du Baskisch?) digitalisiert wurden. Die zungenbrechende Antwort darauf hab ich, trotz Auswendiglernen, leider wieder vergessen. 😉 Dafür aber jetzt einen Baskisch-Crashkurs auf Gratis-CD. Nebenher verteilten sie Snacks, die von weitem wie Mini-Hotdogs aussahen und so bekömmlich wie das Zellophan um sie herum.

Bei den Argentiniern lernte der hereinschneiende eher Steak- als Nudelesser in lupenreinem Spanisch, wie ein einheimisches Hochlandrind fachgerecht in mundlich tellergroße Hüftsteaks zerlegt wird. Später dann auch noch, warum und wie man nach deren genüsslichem Verzehr einen feurigen Latinotango aufs Parkett legt.

Am Stand gegenüber wurde der sprach- und arbeitswillige Besucher ermuntert, nach Irland auszuwandern. Da wollte ich sowieso schon immer hin, habs mir jedenfalls mal vorgemerkt – fürs nächste Leben oder so.

Und eine Etage höher fanden parallel in mehreren Sälen die obligatorischen Vorträge und Symposien für Sprachoholiker statt. Was für das Publikum besonders dann lustig wurde, wenn die Stimmgewalt eines bierernsten Redners zum gewichtigen Thema Interkulturalität rettungslos im Johlen einer Kinderhorde unterging, die nebenan mit dem Affen Oskar oderwiederhieß den Urschrei lernte.

Mein stiller Favorit: Russischkurse bei Lew Tolstoi. Also nicht bei ihm persönlich, glaub ich, aber in seinem originalen Jasnaja Poljana. Vertickt an einem kleinen versteckten Stand von zwei schweigsamen russischen Schönheiten. Na, wenn das kein Angebot ist, erst recht im Jahr seines 100. Todestages und wer wollte nicht schon immer mal Tolstoianisch können und nebenher in die realpoetische Kultur des alten russischen Dorfes reinschnüffeln.

Das schönste Lächeln: in den Frätzchen der Kinder, die sich mit diebischer Freude überall mit Werbekugelschreibern, Schlüsselbändern, Luftballons etc. eindeckten und mit multikulti Süßigkeiten vollstopften. Der bissigste strengste Blick: in den Pokerface-Visagen der Türsteher, deren wachsamem Holzauge kein Terrorschläfer entging. Wahrscheinlich sogar ohne das HighTec-Sicherheitsgate in Flughafenmanier, dem sie vor- und hinterstanden.







Alles zusammen: ein synästhetisches Süppchen.

Ach, lustig wars. Und wer braucht schon arbeitsfreie Wochenenden!
Die nächste Expolingua Berlin kommt bestimmt.

Ah ja… und Vooorsicht beim Gebrauch von Buchstabensuppenbuchstaben! 😉

Video: Via youtube. Chinesen-Illus: weiß ich nicht mehr; grummelnde Urheber bitte melden. Alle anderen Bilder: selber verwackelt.

Dann kam die Flut

August 20, 2010 um 11:55 pm | Veröffentlicht in 2010, Bilderhexe, BildungsLückenbauten, Drumherum und anderswo, Hexengeschichten, Kultur, So Momente halt..., Weißt_du_ noch, Wetter-Hexe, Wurzel-Werk | 3 Kommentare
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Alter Park mit nassen Füßen und ein paar angeschwemmte Erinnerungen

„Es ist eine sehr missliche Aufgabe, Felsen zu machen.“
(Hermann Fürst von Pückler-Muskau. In: „Andeutungen
über Landschaftsgärtnerei verbunden mit der Beschreibung
ihrer praktischen Anwendung in Muskau“. 1834)

Du ahnst nicht den Augenblick, in dem Vergangenes dich einholt…

Die Erinnerung des kleinen Mädchens von damals weiß nichts von der Angst vor herantosenden Flutwellen, in denen Haus und Hof untergehen. Der Fluss war sieben Kilometer weit weg und Hochwasser gab es nicht – damals. Und wenn es welches gab, dann als Überschwemmung auf untergegangenen Wiesen, einmal im Jahr. Ertrunkene Wiesen waren was Wunderbares. Sie lagen am Weg von der Schule nach Hause und machten, dass die Strecke von sonst so zwanzig Minuten sich zu Stunden auswuchs. Und sie tranken die Zeit, die nassen Wiesen, während das Mädchen zusammen mit dem Jungen von nebenan am Ufer der neuen Seen auf dem Bauch lag, nach treibenden Holzstückchen fischte und Papierboote aufs Wasser blies. Oder Schuhe und Strümpfe an den Wegrand warf und zur Expedition Tiefenmessung über das glitschige Gras in die halbmetertiefen Fluten watete. Dort roch es herrlich nach Sumpf und Matsch und Algen und der Schulfreund fing ihm winzige Frösche, die es sich selbst nicht anzufassen traute und die sie in die gelbe Brotbüchse sperrten. Doch irgendwann musste es nach Hause, erspähte mit Bangen schon von weitem die wütende Großmutter am Hoftor, die über das kalt gewordene Essen, die Schuhe in der Hand und den triefenden Rocksaum wetterte und Hausarrest verhängte. Vor dem es noch heimlich-hastig den Inhalt der Brotbüchse in die Gartenregenwanne freizulassen galt. Bedauernswerte Oma. Denn am nächsten Tag war wieder Schule. Und Heimweg. An den Wiesen vorbei…

Im Park
Die Erinnerung des großen Mädchens von damals kennt noch den Park mit der Ruine vom rot-weißen Fürstenschloss. Der Park war sieben Kilometer weit weg und es ist immer trockenen Fußes dort hinein – damals. Den Fürsten selber kennt sie nicht mehr. Der war da schon lange tot und dem Mädchen auch sonst nicht sehr gegenwärtig. Dass der olle Von und Zu, seinerzeit noch überaus ansehnlich und lebendig, nicht minder lebendige “Briefe eines Verstorbenen” für die Nachwelt schrieb, die sogar den Dichterfürsten Goethe vom Hocker rissen, erfuhr es erst Jahre später. Aber es dankte ihm für seine Landschaftsgärtnerei mit ihrem eigenen Zauber und den vielen romantischen Verstecken, die wie geschaffen waren für erstes unbeholfenes Knutschen im Dunkeln mit dem Jungen von nebenan und heimliches Erwachsenwerden mit mehr und Ungestümerem als nur Händchenhalten. Wird schon seinen Grund gehabt haben, dass dem alten Windhund und Schwerenöter solche Parkwinkel eingefallen sind. Ist der doch schließlich ungehindert seiner angetrauten und lebenslang geliebten ‚Schnucke‘ Lucie, Fürstin von Pückler-Muskau, geschiedene von Pappenheim, geborene von Hardenberg, die ihm Fels in der Flutwelle Brandung war, längst nicht nur Bettine von Arnim und der gefeierten Operndiva Henriette Sontag nachgestiegen.

Mit der großangelegten Landstricharchitektur hat er sich allerdings pekuniär übernommen, der fürstliche Gärtner. Was ihn zum Verkauf derselben zwang, zur Scheinscheidung von der ‚Schnucke‘ und emsiger Reisetätigkeit zwecks Suche nach einer reichen Braut bewog und ihn schlussendlich nach Branitz weiterziehen ließ. Wo er sich sogleich über die nächste Parkdesignerey hermachte. Das mit der reichen Braut aus England hat ja nicht so geklappt, wie man weiß. Was wiederum auch so tragisch nicht und keine verlorene Zeit war, da er dadurch nicht nur Charles Dickens höchstpersönlich kennenlernte, sondern zugleich seinen Durchbruch und rauschenden Erfolg als briefeschreibender Reiseschriftsteller zementierte.

Ganz nebenbei stiftete er mit der Beschreibung des Landschaftsparks von Warwick auch noch des Mädchens hausheiligen Edgar Allan Poe zu seinem – leider nur semibekannten – “Park von Arnheim” an. Eine persönliche Begegnung der beiden Genien verhinderte dereinst womöglich nur ein Duell des Fürsten, das ihn das Schiff für die Überfahrt nach Amerika verpassen ließ.
— Und das große Mädchen von heute fräße einen Besen, wenn Mr. E. A. Poe bei seinem Schöpfer des Parks von Arnheim, einem unermesslich reichen Mann, der sein ganzes Vermögen auf den Kopf haut, seine Umgebung für sich in eine schöne Idealwelt zu verwandeln, nicht ein bisschen auch an den Muskauer gedacht hat. Den hat irgendwer einmal einen Meister der Verschwendung und das ostdeutsche Gegenstück zum ‚Märchenkönig‘ der Bayern, Ludwig II., genannt. Doch endete er ohne Frage weit glücklicher als dieser.

Sein Englischer Park in Bad Muskau und auf dem polnischen Neißeufer gehört heute zum Weltkulturerbe, zu Recht, doch davon ahnte das Mädchen von damals nichts. Aber es hat nichts dagegen, selbst wenn das der Stille dort einigen Abbruch tut.

Auch inzwischen richtig große Mädchen ahnen nicht den Augenblick, in dem Vergangenes sie einholt. Bis unversehens ein alter, schöner Fürst Park mächtig nasse Füße kriegt.

Denn dann kam die Flut. Vorletzte Woche…


… und wie! Der Fluß läuft über.
Die Neiße brodelt
Die Brücke hält – zwischen zwei Ländern unter.
Wasser-Straße, Bad Muskau Ortsausgang
Wasserstraße. Trockene Füße: nach sieben Kilometern.
Land unter - GrenzpfostenWasser Marsch - "Flutweiser"
Grenzen verschwimmen, zum Glück gibts Wasserwegweiser.
Der Flut trotzen
Von Baum zu Baum: „Scheiß auf nasse Füße! Durchhalten, Jungs, wir trotzen der Welle.“
Wasser - sie stehen vor den Toren! No pasaran!
Der Feind steht vor den Toren! Bis hierher und nicht weiter.

Radlos ans Wasser. Ratlos am Wasser?

Blick auf die Freischwimmertreppe.

Unterwasserbrücke.
"Strand"bank
Land unter. Bank auch.

Auch wenn es so aussieht: Nein, der Fürst hat jetzt keinen Swimmingpool. Dafür Wasser im Keller…

…und Strand vor der Türe.

***

Der einschlägige Soundtrack ist heute von Witt und Heppner und außerdem vom Globalwahlsender Google videos. Weil – wie’s mir einer jüngstens so dolle treffend (und falls ichs nicht längst selber wüsste) auf den Punkt brachte – sich immer wieder erweist, „ein wie mächtiges Instrument zur Unterbindung von Musik dieses youtube ist“.

Bilder: Pückler-Frauen: Via Frank Kirchhoffs Fürst-Pückler-Seite. Park Bad Muskau – Schlossteich. Panorama: Via Manuel Dahmanns Kubische Panoramen. ‚Flutwelle‘ und ‚Grenzpfosten‘: dpa. Alle Flutbilder vom Park und Bad Muskau: via badmuskau.de. Rest: Sag ich nicht. 😉
Video: Die Flut. Witt und Heppner: Google video.

Spätsommergewitter

August 25, 2009 um 11:54 pm | Veröffentlicht in Alles platti, Berlin, Bilderhexe, Bloghexe, Hexenblabla, Hexenlieder, Hexentanz, Real-Poetisches, Spielwiese, Wetter-Hexe, Zuhaus-Hexe | 5 Kommentare
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Hmm… das soll Urlaubswetter werden? Na, ich weiß ja nicht.

gewitterhimmel ohne rb häuser
regen an der Fensterscheibe
Regenbogen kla Karreeregenbogen mit hochhäusern vk

Der Sommer atmet aus

buchstabe b 1öen pfeifen um die Eckeregenschirm marg vkl
und ein Windstoß – so ein Schuft! –
zerrt mich dreist dort in die Hecke,
zaust mein Haar, nimmt mir die Luft.

Ein Hut und Nachbars Abendzeitung
spielen Haschmich übern Platz,
Mutter Nachbar voll Verzweiflung
hinterher, doch – für die Katz‘.

Im Blitz-Licht posen Sturmwindsbräute,
ein Donner grollt, was uns gleich blüht,
ein Nass klatscht auf versprengte Häute,
alles rennet, rettet, flieht.

Vor dem Fenster dräut das Wetter –regenflugobjekt5_2
Dieser Sommer atmet aus.
Schirme zu Rhabarberblättern
formt verschmitzt er außer Haus.

Doch noch hat er sich nicht verzogen,
weiß, was sich schickt so hintennach:
malt tröstend einen Brückenbogen
zum Drüber-GSehn uns übers Dach…

Ist’s das wirklich schon gewesen –
Sommerbarfußmädchenglück?
Gut. Von heut an bis zum nächsten
lieb ich mich dahin zurück.

Jaah… der gute alte Regenschirm; wollte wer so einer sein?: in einem richtigen Wolkenbruch, der von allen Seiten regnet (manchmal sogar von unten), der so vieles davonweht und -schwemmt, ist er zu nichts nütze. Und wenn’s dann wieder sommert und die Pfützen fußwarm sind, wird er in der Ecke oder an einem einsamen Haken vergessen. So richtig was wert ist so einer einem vielleicht doch nur bei einem laaangen langweiligen Landregen……?

Der musikalische Sommerschlussverkauf hat heute was Einschlägiges für Ostrock-Fans, von einer, die es konnte, wie ihre Jungs auch – Tamara Danz. Unvergessen und unvergesslich… groß…

Hmjah… das lürüsche Gewitter oben ist Hexenwerk. Hobby-Poesie – nur ein Spaß. Seid also nachsichtig mit mir, Gereimtes hab ich seit Jaaahren nicht mehr öffentlich gemacht.

Quellen: Die Bilder sind noch regenfeucht, von von eben und vom Samstagswolkenbruch über Berlin. Selber gemacht, bis auf die Regenschirme – dort nur das mausgezitterte fliegende Kritzelmädchen. 😉
Video: Silly: Bye Bye my Love. Aus: Bye Bye… – Best of Silly Vol. 1 (1996). Via youtube.

Vor und hinter Königswinter

Juli 19, 2009 um 11:40 pm | Veröffentlicht in 2009, Bilderhexe, Drumherum und anderswo, Hexenritte | 14 Kommentare
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Treibgut am Schienenstrang… und am Rheinufer lang

ICE-TWem zum Teufel ist nur eingefallen, die aktuelle Fachtagung ausgerechnet nach Königswinter zu verlegen? Das liegt von meinem natürlichen Lebensraum aus gesehen am Arsch der Welt (musste erst googeln, wo der ist), bedeutet irre früh aufstehn und über sechs Stunden Bahnfahrt quer durchs Land, auch noch mit Umsteigen. Kommt, wie immer lang bekannt, wie immer zur Unzeit und zu tun hat man eh viel zu genug und überhaupt.

Andererseits hat mir das mystisch guerillierende Preis-Marketing der Deutschen Bahn für dieses Mal online ein Ticket 1. Klasse ausgespuckt; darüber will man ja gar nicht meckern. (Auch wenn es dafür wiederum eine Extra-Genehmigung der zuständigen Dienstetage mt stichhaltiger Begründung der Ersparnis einzuholen galt – wär‘ ja noch schöner, wenn die sozialwerktätigen Prekarier neuerdings einfach so in der Business Class zur Arbeit düsen täten.)

Die Stimmung fühlt sich zunehmend besser an, nachdem ich es halbnächtens pünktlich zum Zug geschafft hab und mein Dreitagegepäck verstaut ist; und für die richtige Motivation hat’s ja noch ein paar Stunden Zeit.

Ich besetze den ICE meiner Wahl immer schon am Ostbahnhof, da ist es noch schön leer. Ich liebe das: eine kleine Weile den ganzen Wagen fast für mich alleine zu haben. Dafür heißt es, vor dem normalen Reisetempo noch die innerstädtischen Dörfer abzutuckeln. Erster Halt: Hauptbahnhof. Die jüngste Großstation Berlins, ein AlbTraum aus Stahl und Glas, der bei Sturm gern schon mal seine tonnenschweren Metallträger nicht bei sich behält.

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Dort steigt eine aufgekratzt durcheinanderkyrillende Gruppe russischer Eisenbahner auf Studienreise zu, die den Waggon bis kurz vor Köln unterhalten und bildungshungrig wie die Vorschulkinder DB-Errungenschaften für die Nachahmung im heimatlichen Personentransport notieren wird. Sie probieren – als einzige – die Fernsehbildschirme in den Rückenlehnen der Vordersitze aus, besuchen zur Freude des Personals ausgiebig das Bordrestaurant und sehen hoffentlich nicht mein heimliches Grinsen, als sie in einem Kauderwelsch aus Muttersprache und englischen Brocken mit dem verzweifeifelnden Bahnermädel eifrig um den Preis für den am Platz servierten Tee feilschen.

Hinter Spandau nimmt unser Schienenflitzer Fahrt auf: die Bahn kommt. Mit Wohlfeeling pur nämlich. Kundenfreundlich und kostenfrei krieg ich die druckfrische Morgenzeitung (Auswahl aus sechs, von Boulevard bis seriös) und einen mobilen Frühstückskaffee kredenzt, sogar in ’ner richtigen Porzellantasse. Herz, was willst du mehr! In mir macht sich kuschelige Zufriedenheit breit und der Drang, die Sandaletten abzustreifen und die Füße hochzuziehen…
( Öhm… den Kaffee hab ich natürlich bezahlt.)

Sommer am Bahndamm

Vorm Fenster zieht echter Sommer vorbei. Plustrige Wattewolken schwimmen im Blau über der Landschaft, am Bahndamm sonnen sich Margeriten und Mohnblumen. Jaaa… wenn Engel reisen, dann lacht der Himmel – hat meine Oma immer gesagt. Irgendwann, Wolfsburg, glaub ich, fläzen sich zwei Bionadetypen im beschlipsten Business-Look schräg gegenüber in ihre reservierten Polstermöbel. Erst blöken sie quer durchs ganze Abteil in ihre Handys. Dann machen sie mich wie die Baubudenrülpse an. Meine linke Augenbraue begibt sich einen Zentimeter höher, meine kalte Schulter glasklar in Position. Statt gegen die zwei Hammel erhebe ich meine Lanze… öh, Kamera lieber gegen ein paar Riesen mit Windmühlenflügeln,

Windräder im Kornfeld_new bb

Dona Quijotes Riesen

Windräder200 b vkl

die rechts samt dem Acker mit beachtlichem Tempo 200 nebenhergaloppieren – wuschschsch… sind sie vorbei. Digitaler Beweis ist gut – denn wer weiß heutzutag schließlich noch, ob ich wirklich Dona Quijote oder nicht doch eher ’ne Paul Austersche Daniela Quinn oder vielleicht sogar Ms Humpty Dumpty bin…

Bielefeld gibt es nicht!Und das hier links ist – Bielefeld. Jedenfalls das, was ich davon gesehen hab. Was keinen mehr sonderlich wundern dürfte – wo es doch Bielefeld überhaupt nicht gibt. Immerhin gibt’s einen Bahnhof, der so heißt, als gäbe es Bielefeld.

Hinter Hannover und vor und zwischen Hagen und Hamm (oder umgekehrt?) hat’s bechereske Motive zuhauf. Ob allerdings meine bescheidene Referenz an Hilla und Bernd – bei satten 185 Sachen amateurhaft mit meinem Digi-Spielzeug gestümpert – tatsächlich eine ist oder nachgerade eine bodenlose Unverschämtheit, wage ich lieber nicht zu beurteilen. (In groß sehen die Bilder übrigens einen Tic besser aus.)

Kraftwerk Landschaft160 bvkl

Fabrik zwischen Hannover und H... bRWE aufm Berg_new b

Parkplatz150 bfaICE-Rückspiegel Sonnenbrille_new b

Den Kölner Dom gibt’s – und Köln gibt’s auch. Wir kommen sogar pünktlich auf die Minute an. Und obwohl das Auskunftsverhalten des ewas gewöhnungsbedürftigen Menschenschlages dort mich zweieinhalbmal verschiedene Treppen hoch und runter jagt, bevor ich den richtigen Bahnsteig meines Anschluss-Regios gefunden hab, bleibt noch Zeit für ’ne Kippe – nach füüünf Stunden Enthaltsamkeit.

Kölner Dom ausm Zug_new bungestörte Raucherecke.. bb...mitten aufm Bahnsteig_he_new b

Damit man die Mit- und Woandershinreisenden nicht gesundheitlich beeinträchtigt, begibt man sich dazu in die eigens dafür angelegte gemütliche Raucherecke: durch auf den Boden gemalte – wenn auch etwas abgelatschte – Linien klar von der Nichtraucherwelt getrennt, mitten auf dem proppenvollen Bahnsteig. Auf Englisch klingt sie beiläufig noch mehr nach Exoten-Reservat, wie ich finde. Was allerdings auch an meinem Exoten-Englisch liegen kann. Auslauf übern Daumen gepeilt so an die 3×7 Meter. Zeitmaschine_new b Hat so ein bissel was von Inner-Ecke- oder Am-Pranger-Stehen, das launige Zigarettenpäuschen.

Und nebenher erfährt man beim Blick auf die Ankunftsanzeige auch noch, dass man ahnungslos in einer Zeitmaschine gesessen hat…

Keine Angst, mit den Insider-Details aus dem Inhalt zum bereits erwähnten Anlass dieser dienstlichen Landverschickung werde ich hier keinen langweilen. Höchstens noch mit ein wenig Treibgut vom Rhein – vor und hinter Königswinter. Für einen Spaziergang am Ufer reicht die Zeit nach dem Abendbrot immer grad noch.

Ein Ort für irische Getränke und 'n echt Kölsche Jung von Oberkellner

Ein Ort für irische Getränke und 'n echt Kölsche Jung von Oberkellner

Treibgut

Treibgut


Fensterblick zum Petersberg - Grüße von Haus zu Haus

Fensterblick zum Petersberg - Grüße von Haus zu Haus


Scheinbrücke und Hängegärten. Kreativexzess eines frühpensionierten Eigenheimbauers?

Scheinbrücke und Hängegärten. Kreativexzess eines frühpensionierten Eigenheimbauers?


Ahoi, Sir Winston!

Ahoi, Sir Winston!


Rheinfährdock im Abendrot

Rheinfährdock im Abendrot

Ist wirklich ein nettes Örtchen, dieses Königswinter. So recht eins zum Zur-Ruhe-Setzen von nach Berlin verfügten Staatsdienern. Die wissen, wo man die Pension nach was aussehen lassen kann. – Und beim nächsten Mal heuere ich bestimmt auf einem der vorbeischippernden Kähne an… so als alte Wasserrättin und Binnenpiratin.

Den Soundtrack dazu gibt’s heut als alternatives Wunschkonzert: wenn’s einer nich so mit dem ultimativen Marschrhythmus hat, so steige er lieber in den Train Of Love:

Und wer ihn countryger in Erinnerung hat – der da hat ihn von dem da. Hey, oder wartet doch einfach auf den nächsten Zug. 😉

Bilder: eigenes Hexenwerk. Video: Bob Dylan. Train Of Love. Johnny Cash Tibute, 1999. Via 5thdayofMay auf youtube.

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