Schnee und Lehm und Euraketen. Neujahr für alle!

Dezember 31, 2012 um 10:05 pm | Veröffentlicht in Berlin, Bloghexe, Fest-Platte, Hexentanz, Neujahr, So Momente halt... | Hinterlasse einen Kommentar

ein weie schon so oft, ist wieder mal ein rundes Jubiläum untergegangen. Nämlich heute vor 540 Jahren wurde in Amsterdam das Werfen von Schneebällen verboten:

„Neymant en moet met sneecluyten werpen noch maecht noch wijf noch manspersoon.“
(Niemand soll mit Schneebällen werfen, weder Jungfauen noch Weibs- noch Mannsleute.)

Im Unterschied zu uns innerlich näherstehenden Jahres- und Jahresendtagversäumnissen zucken wir hier lakonisch mit den Schultern: Na und?! Bei uns hats heuer nicht mal Schnee. Und bleiben angesichts der Tatsache, dass in der Berliner mitteljüngeren Folklore mit ganz anderen Sachen geschmissen wurde,

sowie angesichts eines gerade überstandenen Weltuntergangs in einem fast überstandenen Jahr ganz gelassen. Zumal wir uns justamente heute wieder von noch ganz anderen Geschossen bedroht sehen. Schall und Rauch, ins All geballert von dem Geld, das angeblich alle gar nicht übrig haben.

Aber es ist Silvester und das neue Jahr scharrt nebenan schon ungeduldig mit den Hufen. Das alte war etwas blogarm hier bei mir; man denkt ja gar nicht, was ein exzessiv gefräßiger Vollzeitjob nebenher manchmal so alles bloggen… öh, blocken kann. Erwarte jetzt auch bloß keiner einschlägige gute Vorsätze von mir, höchstens die leise Hoffnung, dass auch das nur besser werden kann.

Und also brenne, wer mag, mit mir eine leise Wunderkerze ab, sage (mit einer kleinen Anleihe an die charmelancholische Wiener Folklore) beim Abschied leise Servus und ganz prosaisch optimistisch (wahlweise ersetzen durch: fatalistisch, verklärt, euphorisch o. ä., ganz wie’s beliebt): Willkommen 2013! Mal sehen, was es uns bringt.
wunderkerze1

Und – man kanns ja nicht oft genug sagen -: Vorsicht mit den guten Vorsätzen. Wie die meist enden, weiß man ja…

Einmal sollte man seine Siebensachen
Fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
Man müßte sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen.

Man sollte nicht mehr pünktlich wie bisher
Um acht Uhr zehn den Omnibus besteigen.
Man müßte sich zu Baum und Gräsern neigen,
Als ob das immer so gewesen wär.

Man sollte sich nie mehr mit Konferenzen,
Prozenten oder Aktenstaub befassen.
Man müßte Konfession und Stand verlassen
Und eines schönen Tags das Leben schwänzen.


Man trabt so traurig mit in diesem Trott.
Die andern aber finden, daß man müßte…
Es ist fast als stünd man beim lieben Gott
Alleine auf der schwarzen Liste.

Man zog einst ein Lebenslos zweiter Wahl.
Die Weckeruhr rasselt. Der Plan wird verschoben.
elke-hexe-form-we2.gifBehutsam verpackt man sein kleines Ideal.
Einmal aber sollte man… (Siehe oben!)

(Mascha Kaleko)

Hach… aber ein hübscher Gedanke ist es schon…

So, und nun küsst euch, ihr alle, und mich, ihr Lieben, und kommt gut rüber. Wir sehn uns dann.
Eure Hex‘

Die Wohers: Claire Waldoff: Wer schmeißt denn da mit Lehm? via youtube. Mascha Kaleko: Einmal sollte man…. In: M. Kaleko: Das Lyrische Stenogrammheft, Rowohlt Taschenbuch, 32. Auflage von 2007.

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