Buried alive in the Blues

Oktober 17, 2010 um 5:26 am | Veröffentlicht in Drumherum und anderswo, Hexenlieder, Kalenderblätter, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Sound des Monats, Träller-Hexe | 8 Kommentare
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“Janis starb an einer Überdosis Janis.”
(Eric Burdon v. “The Animals” über den Tod von Janis Joplin)

JanisSeit dieser Tage nun schon wieder vierzig Jahren lernen wir, was aus einsamen Mädchen nach ausgiebiger Lektüre des Time Magazine werden kann. Vorausgesetzt, sie haben hemmungslosen Bluesrock in der Kehle, Dynamit im Herzen, und eine wilde Sehnsucht im Bauch.

Mit Siebzehn lief sie von zu Hause fort. Mit Achtzehn sang sie in verrauchten Folk-Kneipen und tingelte durch Los Angeles. Mit Neunzehn kellnerte sie durch Louisiana. Als sie Dreiundzwanzig war, wurde sie als Frontlady von Big Brother And The Holding Company in San Francisco eingekauft. Ein Jahr darauf war sie berühmt.

Cry Baby

Zwei Alben später pilgerte sie nach Nepal, wie es sich für ein Hippie-Mädchen gehörte. Und wovon sie der Welt sang „… Honey, the road’ll even end in Kathmandu.“ Natürlich mischte und kiffte sie in Woodstock mit – wohin ein Hippie-Mädchen gehörte. Wenn auch ausgerechnet dort mit mäßigem Auftritt.

Sich anpassen und Kompromisse machen war niemals ihr Ding. Das Mikro in der einen, die Southern Comfort-Flasche oft genug in der anderen Hand, pöbelte und fluchte, sang, schrie und flüsterte sie sich mit der Naturgewalt ihrer Stimme und ihres Temperaments über die Bühnen. Das Publikum jubelte und kreischte und lag ihr zu Füßen und sah nicht die Zerrissenheit der Seele dahinter. Nicht die Einsamkeit, aus der sie in die Freiheit ausgebrochen war. Und die sie trotz allem immer wieder einholte. Wirklich nicht? – Schließlich war aus all dem ihre Musik. Und ihre Zeit.

Sie ließ auf das anonyme Grab ihres heiß verehrten Idols und Vorbilds Bessie Smith einen Grabstein setzen, kurz bevor sie selber einen brauchte. Bevor sie 15 Monate nach Brian Jones, nur ein paar Tage nach Jimmy Hendrix und nicht mal ein Jahr vor Jim Morrison so prominentes wie honores Mitglied im Forever 27 Club wurde.

Die Vokalspur von “Buried Alive In The Blues” auf dem Album Pearl ist leer. —Sie warteten im Studio auf sie an diesem Oktobertag 1970. Doch sie kam nicht. Fand nicht mehr heim von der Suche nach Freiheit in einem bunten Traum aus Heroin und psychedelischen Farben wie die ihres Cabrios – nie mehr.

Live fast, love hard, die young – Janis tat es. Als hätte s i e den Spruch erfunden, um ihn wörtlich zu nehmen. Mit dem Traum, in dem sie verloren ging, versank eine Ära, deren Idol sie wurde.

Seit 1995 lassen sie sie in der Rock and Roll Hall of Fame wohnen. Doch in Wirklichkeit brandet sie jeden Tag mit den Wellen an die Küsten des Pazifik, in den ihre Asche gestreut wurde. Wie ihre Stimme und ihre Songs nicht aufhören, in unsereins hereinzubranden.

Na, kleines Konzert gefällig?🙂

Und als Bonustrack noch einer von meinen liebsten, der Me and Bobby McGee (sogar vom alten Countrydrescher Kristofferson eigenhändig geschnitzt), youtüblicherseits leider wiedermal vermieden. Als ob das noch irgendwen wunderte.

Bilder: Janis Joplin 1 + 4: Via Last.fm. Janis Joplin 2: Via dimas-cobain auf photobucket. Janis Joplin 3: Jim Marshall, 1968. Via morrisonhotelgallery.com.
Videos: von RFalangi, Sincro, korkhammaregon und reggaegirl1982 auf youtube. CC-Lizenz.

8 Kommentare »

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  1. Das letzte Lied auf der „The Silver-Tongued Devil and I“ von Kristofferosn ist für sie: „Epitaph“. Hab ich auch lange nicht gewusst, obwohl das eine meiner frühen und lebenslangen Lieblingsplatten ist.

    Besser als die erste Einspielung war der Bobby McGee nie wieder: Please don’t tell me how the story ends.

  2. Stümmt, aber echt ma. Ist der Ur-Bobby McGee eigentlich _so_ irgendwo drauf?
    —Hmmmmm… ich glaub, ich brauch das doch endlich auch, das Silver-Tongued Devil-Dingens. – Na bist du nu zufrieden?😉

  3. Ja, der ist so auf der Please Don’t Tell Me How the Story Ends😉 — gips sogar auf Vinyl.

    Der „Epitaph“ für die, um die wir gerade trauern, „enthält Content von Sony Music Entertainment. Es ist in deinem Land nicht verfügbar.“ Wo wohnst du bloß? Burma?😉

  4. Achso, na klaro. Huppsala… was bin ich doch wiederma merkbefreit.😳

    Und eigentlich dacht ich ja immer, wir wüssten, wo ich wohn. Aber langsam glaub ich auch, es ist BURlin, gänzlich Sony-ENT-ertaint.😉 Hmmm… vielleicht söllte man ja Frau Sony mal direktemang durch die Scheiben ins Foyer von ihrem gläsernen Zirkuszelt am Potsdamer reinbrettern, statt immer nur dran vorbei? Grrrrrrr… oder melde ich mich lieber zu ’nem Antiaggressionstraining an?

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  6. Hey, noch jemand der E.B. Buch gelesen hat! *mir wurde vorgelesen ;-)*
    Und ja von Bobby McGee gibt es nur 2 tolle Fassungen, die von Janis und die von K.K. persönlich.
    Danke für diese Erinnerung, weiß schon jetzt was der CD Player zu ‚futtern‘ bekommt am WE!!

    LG!

    P.S. Herr Burdon kommt regelmässif auf Tour nach Berlin, jedesmal ein Fest!

  7. Hossa, der tourt noch? Ich hätt ja kaum drauf geschworen, dass der noch l e b t.😉 Immer wieder Respekt den alten Urviechern.

    Aber nur zu, Janis auf die Wochenendohren! Die ist was für – und wider – den allseitigen Herbstblues. Und danke für die Aufmerksamkeit.

  8. Then human beings are transformed faraway from instruments to musicians, mystic
    musicians. Hence, they can draw the children’s consciousness quicker than the specific books.


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