Streberlied

Juli 14, 2010 um 4:43 am | Veröffentlicht in Bloghexe, BlogMist, Filosofaseln, Hexenblabla, Hexenlieder, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Spielwiese | 3 Kommentare
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Ein Beitrag zum Programm Strebenslanges Lernen
oder: Wir dichten das Sommerloch


Wasserspielas tut die Hex‘, wenn der Tag kurz ist und die Stunden knapp? Na was schon – spielen! Spielen und dichten. Okay, okay… mehr so reimen.

Drauf kommen tut man auf sowas nicht mal von selber. Die schnuckeligsten Anlässe zum gepflegten Zeitverschwenden (mitsamt der unausgesprochenen Frage: Wie verschwendet man etwas, das man gar nicht hat?) erfindet ja immer der Wolf in seinen motivierenden Preisausschreiben aufm Nachbarblog, der wo Hexens Wa(h)lheimat ist, wie mittlerweile bekannt. Teilnahme Herzenssache.

Das verflossene und unlängst ausgerufen gewesene forderte Einsatz (oder einen Satz? oder einen halben?) zur Vervollständigung des angesägten Spruchs „Es strebt der Mensch ein Leben lang….“

Phhh… ich und _ein_Satz?! Mich stoppt ja nich mal der Dreisatz in meiner ureignen angeborenen Zwölfodernochmehrtonigkeit. Schon gleich gar nicht, wenn die Mußeminuteln wiedermal nicht reichen, sich mit Würze in Kürze zu fassen (was schon Meister Goethe wusste, als er noch nicht mal Geheimrat war.😉 ) So sprudelte und murmelte denn aus der ollen Streberhexe die uferlose

(Un)Ode an das ewige Streben… und so

Es strebt der Mensch ein Leben lang
im Tun und auch im Meiden
nach Hab und Gut, Wein, Weib, Gesang,
nach Freuden – oder Leiden,

nach Sinn und Unsinn, Lohn und Brot,
nach Gipfelsturm, nach Ruhe.
Und kriegt er keine Flügel nicht,
will er bequeme Schuhe.

Der strebt nach Macht, nach Volk und Raum,
will siegen oder erben,
der nach Willkomm, nach Abschied kaum –
drin haust ein kleines Sterben -,

strebt auf, strebt ab, nach Höh’rem gar,
verbissen und versponnen,
und sieht sich oft doch wieder da,
wo alles hat begonnen,

strebt von der Wiege bis zum Tod –
geklagt sei’s und gepfiffen -,
in seinem Lebenssegelboot
die Klippen zu umschiffen,

auf die es ihn tagein, tagaus Barfuß nach Strandgut
in Sturm und auch bei Flaute,
bei Wellengang und stiller See
hintrieb: wo Finstres graute,

wo Morgenrot ihn mal ergriff,
als neue Ufer harrten;
wo ’s Steuer brach, das ganze Schiff,
als ihn Sirenen narrten

vielleicht auch der Klabautermann –
mit Sang und mit Verlocken,
mal kam er, mal kam er nicht an,
tat Lieb‘ und Seel‘ verzocken.

Sieht Inseln blühen oder Wahn,
weiß nie, was kommt am Ende,
er strebt und rackert, dass sein Kahn
auch mal ’nen Hafen fände.

Der hier will alles, der da grient,
nimmt’s leicht, was kommt, mit Spaß.
Kriegt einer je, was er verdient? –
Der sag‘: wie geht denn das?

Der alte Mann am Fische zieht
im Meer, das ihm verwandt.
Der Dichter träumt, dass einst ein Lied
man singt – von seiner Hand.

Ich streb und taste mit dem Zeh,
dem großen und dem kleinen,
dass ich nicht fall und aufrecht geh
auf Wiesen, Strand und Steinen,

aus Strandgut Hühnergötter klaub
oder ’nen Engel fänge…
was Glück bringt, wenn ich nur dran glaub-
in angemessner Menge.

Es irrt der Mensch, solang er strebt
und andersrum stimmts auch,
wer ohne Fehl‘ ist, werf‘ den Stein –
die Sehnsucht wohnt im Bauch.

Du liebst, strebst, träumst, traumtanzt – und fällst.
Ja mei, auch das kommt vor.
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
der ist ein armer Tor.

So gehts uns allen, gell, mein Freund?
Da hilft auch kein Gezeter.
Der Trick ist: wieder aufzustehn –
lang hinschla’n, das kann jeder.

Was sind wir doch ein seltsam Tier,
das großtut: “Streber samma!” –
Zuviel gestrebt, das wissen wir,
bringt Stress und Katzenjammer.

Mensch, alter Streber, halt mal ein!
Was musst du stets durchs Leben rasen?
Soo schlimm kann es doch wohl nicht sein:
sich einfach auch mal treiben lassen…
die Beine baumeln… Wolken zählen…
die Sommersprossen auf der Nasen…
die Lieblingshandynummer wählen…
auf der Mundharmonika blasen,
zu zweit allein das Eine tun, Zurück ans Ruder!
in Platten stöbern oder Truhn,
zu Haus in sich sein dann und wann,
bevor der Tanz hebt wieder an.

Es strebt der Mensch sein Leben lang,
ob er gesund ist oder krank.
So soll’s wohl sein. Die Zeit verrinnt,
drum, Steuermann: bleib hart am Wind!
Zurück ans Ruder in dein Boot –
weil wenn du aufhörst, bist du tot.

Ha, gewonnen hab ich trotzdem was, was richtig Großes: Glockensang und Lautenklang. Der Sound wird niemals alt und trägt in seiner ganzen Melancholei durch einen Sommer samt – und sonders – dessen langen lauen Nächten. Und noch viel weiter.
Danke Wolf. Ein ganz großes.

Ach ja, hier noch der Soundtrack für heute: mit den Katzenjammerinnen wider jeglichen solchen:


If we live through this night and we’d still be allright, sehn wir uns demnächst. Wieder hier… oder in einer Bar in Amsterdam.😉

Bilder: Strebermädchen – via Lemmy the Mod, Bootmädchen – via Inmyfathersshadow, The man the sea saw – via Themantheseasaw.
Video: Katzenjammer. A Bar in Amsterdam. The official music video – via youtube.

3 Kommentare »

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  1. Die Ode ist eines Strebers würdig😉
    Schön, mal wieder von Dir zu lesen.

  2. Tsass, is mein letztes Gewinnspiel nu auch schon wieder sechs Wochen her. Und wie lang eigentlich unsere letzte Kapitelbesprechung, derentwegen wir mal den wundertollen Nachbarblog eröffnet haben?

    Soo riesig war der Preis auch wieder nicht; war ja nur abgebrzuzzelt😉 Aber wenn Frau Professor Perl was ausbuddelt, kann man drauf vertrauen, dass es aus der Tiefe kommt und da wieder hinreicht. Über ihren neuesten Streich, in Führung vom angetrauten Lautenprof Lee Santana, weiß man auch nicht viel mehr, als dass Philippo Martino irgendwann in Augsburg geboren wurde und danach mal ein Lautenkonzert in Potsdam oder gegeben hat („Martinos Trios wurden vermutlich zwischen 1730 und 1733 in Augsburg veröffentlicht. Über das Leben von Martino ist so gut wie nichts bekannt.“), kommt aber etwas leichtherziger daher.

  3. Wenn ich nur wüsste, wie d a s jetzt wieder gemeint ist, Frau tonari.😉
    —Ich freue mich auch, dich zu sehn, komme jetzt womöglich wieder öfter. Und schau bei dir sowieso immer wieder mal rein – auch wenn mans nicht merkt.

    Wolf, @Kapitelbesprechung: Uiii… wusst‘ ichs nicht? Da war doch noch was!😉 Und sollte wieder was. Und überhaupt sitzt bei mir ja noch ein clarelnder quengelnder Pilger inner Wüste, der endlich auf den wundertollen Nachbarblog will…
    Und: Abgebruzzelt hin oder her, er war d o c h groß, der Preis, wohlwohl. Hab mich dolle gefreut. Die Musi ist wundervoll.
    Und als jüngster angefixter Professorenfan lausch ich auch andächtig Weiterem hinterher. Nur immer her mit den Insidertipps, ja?🙂


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