Das Floyd in Pink Floyd

September 2, 2009 um 11:32 pm | Veröffentlicht in BildungsLückenbauten, Fest-Platte, Hexentanz, Kalenderblätter, Kultur, Real-Poetisches, Träller-Hexe | 9 Kommentare
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…wäre heute 98 Jahre alt geworden.

Hinter dem ersten der zwei Vornamen, aus denen Syd Barrett dereinst den Namen seiner Band zusammenschraubte, verbirgt sich nämlich der Sänger und Klampfer Floyd Council. Er galt seit den späten 30er Jahren des letzten Jahrhunderts unter Musikerkollegen als einer der exzellentesten Gitarristen des amerikanischen Ostküsten-Blues. [Das Pink in Pink Floyd gehört übrigens dem hier, Pink Anderson, im gleichen Job unterwegs, der sich auf den gepressten Scheiben mit der langen Rille meist in trauter Nähe zum Ersteren fand, obwohl die beiden sich wahrscheinlich nie begegnet sind.]

Dieser countryfarbene Blues-Stil, auch Piedmont Blues genannt, fällt durch eine besondere Fingertechnik auf der Gitarre auf, bei der eine mit dem Daumen gespielte Basslinie die auf den höheren Saiten gespielte Melodie unterstützt. Er wurde meist im Duo gespielt, oft begleitet von Klavier, Geige, Banjo oder Mundharmonika als zweites Instrument.

Floyd Council begann als Straßenmusikant in seiner Heimatstadt Chapel Hill, North Carolina, spielte für Freunde und in Country-Clubs. Und etwas über ihn zu finden ist gar nicht so leicht. Es gibt offenbar keine Platten nur mit seinen eigenen Songs. Nur ein Album, Carolina Blues (1994), enthält sechs von ihm aufgenommene Titel. Das mag daran liegen, dass er die meiste Zeit seiner musikalischen Karriere als Wasserträger und zweite Geige… äh, Gitarre zugebracht hat. Zum Beispiel im Schatten hinter dem Star des Piedmont Blues Blind Boy Fuller, der inzwischen in der Blues Hall of Fame wohnt. Sogar mit seinen genialen New Yorker Solotracks wurde er als „Blind Boy Fuller’s buddy“ promotet. Andere Aufnahmen erschienen unter den Namen „Dipper Boy Council“ und „The Devil’s Daddy-in-Law“. ...Blues in den FingerspitzenEr selbst bekannte sich in einem Interview 1969 zu 27 eigenen aufgenommenen Songs, darunter sieben in Fullers Dunstkreis.

Gestorben ist er mit 64 an einem Herzinfarkt und wurde hier bestattet. Sein Grab trägt keinen Namen.

Danken wir also Syd Barrett, der ihn unsterblich gemacht hat, mehr als er es sich vielleicht erträumte. Oder auch The Floyd Council – das ist ’ne ösische Coverband, die unter seinem Namen sogar ganz zurechnungsfähig durch die Lande pinkfloydtet, wie ich finde. (Auch wenn’s die richtigen Pink Floyds eben nur einmal gibt.)

Denn Floyd Councils Musik hat es nicht verdient, vergessen zu werden. Ich würd‘ heute gern mit ihm unter dem Vordach eines alten Country-Clubs irgendwo in North Carolina sitzen, den Straßenstaub auf der Zunge schmecken, den Mummys beim Hüftenwiegen und ihren Kindern beim Spielen zuschaun, seiner Stimme lauschen und die Augen kaum von diesen Fingern lassen, die seinen Blues über die Saiten zaubern…

Happy Birthday, Floyd.

Bilder: Oben: Blues Who’s Who, p. 133 photographer: Kip Lornell. Mitte: Bruce Bastin: Crying For The Carolinas, p. 21; photographer: Pete Lowry. Beide via wirz.de.
Videos: Via randomandrare and galaxyrock on youtube.

9 Kommentare »

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  1. Pink Anderson wusste ich — und auch, wie ich mal die Auswahl hatte, eine Platte von ihm oder das Gesamtwerk von Robert Johnson zu kaufen. Je nun, die Dinger kosteten gleich, und Robert Johnson hat genau 49 Blues geschrieben, die auf 3 LPs passen…

    Den Floyd Council kann ich mir nie merken — aber angesichts seiner Apokryphie geht’s mir da anscheinend nicht alleine so😉

    Übrigens gehört meine Bewunderung jedem, der mit dem Daumen Bass zupfen und darüber Melodie diskantieren kann, ich schummel das immer mit Zwischenschrumm…

  2. Na gut, den Johnson lass ich dir durchgehen.😉 Die 49 braucht man, schon für die gelegentlichen Anfälle von Tom-Sawyer-Romantik – und dann richtig. -Und mit den Ostküsten-Boys kann der auch mithalten.

    Aber den (und das) Floyd hast du nun schon gespeichert? – oder wofür blogg ich mir hier die Finger wund!

    Aach… und kann ich büdde den Zwischenschrumm nochmal hörn?😉

  3. Ich brech ja ab, der Pink Anderson hats zur CD gebracht und hat jetzt auch das Volumen 2, die Robert Johnsons gibts praktisch geschenkt. Nur meine LPs könnt ich glatt langsam raushaun… Gebote, anybody?🙂

  4. Wobei ja die Vol. 2 eher die Vol. 1 ist.😉 Ich freu mich jedenfalls immer wie verrückt, wenn einer von selber emsig nachwühlt und mir die richtigen Stellen – hihi… buchstäblich scheibchenweise! – vor_kramt. Ehrlich. –Hmm… so gesehen ist es dann ja gar kein Wunder, dass der Floyd Council mit seinem bescheidenen Sixpack auf ’ner Various-Carolina-Blues-CD beinahe untergeht.

    Wolfffff! Aber du wirst doch nicht deine kostbaren Vinylchen… Selbst wenn sie, linear gerechnet, nachgerade mindestens das Doppelte wert sein müssten, sind schließlich auch mehr als doppelt so viele Songs drauf.😉 Einmal verscherbelt, kriegstu die niiie wieder. Die Vinylenen haben doch noch eine Seele! Hey, mach das nicht, hörst du?😦

  5. Interessant. Wusste ich nicht.

  6. Сайт отличный. Вам награду бы за него или просто почетный орден.😉

  7. Уйй, спасибо большое.😳 Такие слова лучше всякого ордена. – Ведь об этом давно уже мечтаю: чтобы в России меня читали.😉 Только надеюсь – не в этом ‚гугеловском‘ переводе…

  8. Ich merke gerade das ich diesen Blog deutlich ofter lesen sollte- da kommt man echt auf Ideen.

  9. Hey which you a great deal for the write-up, it was very and educational go through! I am going to be back later for sure.


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