Das Mädchen des Tages

Januar 22, 2009 um 12:52 am | Veröffentlicht in Alles platti, Berlin, BlogMist, Dings des Tages, Drumherum und anderswo, Hexen-Unfug, Hexenritte, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches | 2 Kommentare
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Dings des Tages (2)

augenaufschlagHat sie nicht einen sexy Augenaufschlag, die sonnige kleine Französin? Und dieses verschmitzte Lächeln, ist es nicht süüüß?

Welcher Kerl, sogar wenn er auf zwei Beinen, ohne Pferdestärken unter der Mütze und mit keinem Tiger im Tank unterwegs ist, möchte da nicht zurückblinzeln. Wo ja nicht mal ich, die ich unvelwechserbar selber ein Mädchen bin, nicht anders konnte, als ihr verschwörerisch schnell mal mit dem linken Auge zuzuzwinkern – nur keine Gelegenheit auslassen, in dem trostlosen Mistwetter einen kleinen Lichtblick zu erhaschen. Heißgeliebter realpoetischer Alltagskitsch.

verschmitztes-lacheln1

Die – nein, keine Gnade! 😉 – dazugehörige Schnulze des Tages:

Wahlweise auch in der Cover-Version der Typen ohne Leben im Beinkleid oder auch Bullys Mädchen im Planwagen. Aaaaaah! Okayokay… bin ja schon weg. 😉

Bilder: Meine, aufgenommen beim Vorbeihetzen auf dem morgendlichen Dienstweg in Friedrichshain, Weidenweg.

zwei-scheinwerferaugen

My heart would feel to be a crime unless it trembled with the strings*

Januar 19, 2009 um 11:11 pm | Veröffentlicht in 2009, Bücherhexe, Fest-Platte, Fremd-Worte, Kalenderblätter, Kultur, Real-Poetisches, So Momente halt... | 1 Kommentar
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Edgar Allan PoeIch feiere ihn ja schon seit einem Jahr, ach was sag ich, schon zwei Drittel meines Lebens lang. Seitdem ich in einer stillen Ecke mit einem schmalen Bändchen seiner Erzählungen auf den Knien der Welt um mich verloren ging, mir der Grusel ins Haar kroch und als Gänsehaut den Rücken abwärts fror…

Heute ist der 200. Geburtstag von Edgar Allan Poe.

Grund genug, ihn zu ehren – er ist einer von den ganz Großen.

Grund genug für den poesk geheimnisvollen Geburtstagsgast, der alljährlich an seinem Grab in Baltimore erscheinen soll, sich auf mehr Neugierige als im letzten Jahr einzustellen – und vielleicht eine volle Flasche mitzubringen.

Grund genug für ein bisschen PoePoesie, erst recht, wenn sie grad irgendwie zur akuten Stimmung passt.

A Dream Within a Dream

Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
barfusiges-rabenmadchenThus much let me avow-
You are not wrong, who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream.

I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand-
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep- while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?

(1827. Mit deutscher Übersetzung: hier.)

————————-…
Grund genug auch für eine (von vielen) vertonte Fassung? Hmm… vielleicht damit es nicht gar so traurig endet? – und trotz oder wegen des schrägen ‚postsymbolistischen‘ Videos? Auch wenn das Stimmchen ein bissel dünn ist: Dem Nachwuchs eine Chance! Und womöglich lässt sich ja aus dem Sound was drehen…? – A Dream without a Dream… 😉

*Textzeile aus: E. A. Poe: Romance (1829).

Bilder: Edgar Allan Poe – via. Rabenmädchen – keine Ahnung; creative commons Lizenz (Urheber bei Bedarf bitte melden).
Video – via youtube.

“You can feel the beat within my heart…”

Januar 18, 2009 um 8:27 pm | Veröffentlicht in 2009, Geschichtsbuch, Kalenderblätter, Kultur, Real-Poetisches, Träller-Hexe | 2 Kommentare
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Ein bleiernes Luftschiff auf Jugfernfahrt

„The Band will go over like a lead zeppelin.“
(Zugeschrieben Keith Moon, Schlagzeuger von The Who.)

grafzeppelin-luftschiffIm Winter 1968/69 tingelte ein Quartett bunter Vögel von der Insel, die aus verschiedenen Nestern gefallen waren, rockend durch seine erste US-Tournee – als Vorband und Hilfsbutler zum Anheizen der Fans von Alice Cooper, Vanilla Fudge, Iron Butterfly und Country Joe and the Fish. Wenige Wochen zuvor noch unter dem halbgeborgten Namen The New Yardbirds unterwegs, stiegen sie mit ihrem neu erkorenen voll auf die Lästereien frozzelnder Berufskollegen ein und allen Unkenrufen zum Trotz auch mit Power zum ersten Mal auf. Als ‚bleiernes Luftschiff‚ – LEAD LED ZEPPELIN.

Noch während der Tournee nahmen sie, von Atlantic Records unter Vertrag genommen, in nur 30 Stunden Studioarbeit ihr Debütalbum auf. Es kam – mit dem Cover-Bild des brennenden Luftschiffs “Hindenburg” – fast auf den Tag genau vor 40 Jahren, am 12. Januar 1969, auf den Markt. Und sollte, so uneins, dazed and confused* die Kritiken bei seinem Erscheinen waren, dereinst als Revolution des Hard Rock und Heavy Metal gefeiert werden.

In den Songs des Erstlings von Robert Plant (stimmgewaltiger Gesang, Mundharmonika)), Jimmy Page (E-Gitarren-Feuerwerk, Theremin, Mandoline), John Paul Jones (Bass, Keybord, Gitarre, Orgel, Mellotron) und John Bonham (Schlagzeug, Perkussion) vereinten sich Elemente des Blues, Folk und harten Rock zum unverwechselbaren Led-Zeppelin-Sound, der mit der Naturgewalt eines Erdbebens über die Konzertbühnen und in die Herzen der Fans donnerte.

Die Aufnahmekosten des Albums beliefen sich seinerzeit auf läppische 1800 Pfund; eingespielt hat es an die 3,5 Millionen – wenn das kein ordentliches Aufwand-Nutzen-Verhältnis ist!

Bereits ihr zweites Album “Led Zeppelin II”, das endlich auch bei den zögerlichen Deutschen den Durchbruch brachte, schoß – von wegen bleiern! – mit Raketentempo auf Platz eins der US-Charts und verdrängte gar das Abbey Road der Beatles. Der Siegeszug des Luftschiffs war nicht mehr aufzuhalten.

In mir steigen, während ich das niedertippsele, Erinnerungen an meine Teenie-Discos voller Led Zeppelin hoch – lang, lang ists her -, in denen die DJs zu DDR-Zeiten noch ihr ganzes Trick-Register ziehen mussten, um die Befindlichkeiten des Publikums mit dem streng vorgeschriebenen Verhältnis von Ost- und Westmucke in Einklang zu bringen. Die Band selbst, die man heute mit Fug und Recht zu einer der erfolgreichsten in der Rockgeschichte zählen darf, hat sich inzwischen längst auch nachfolgenden Fan-Generationen ins Herz gespielt.

*

die alte GardeNach dem Tod ihres Schlagzeugers John Bonham erklärten Led Zeppelin am 4. Dezember 1980 ihre Auflösung. Und 1982 erschien ihr neuntes und letztes Album “Coda”, eine Studio-Produktion mit bisher nicht veröffentlichten Live- und Studio-Einspielungen aus der Zeit von 1969 bis 1978. Am 12. Januar 1995, auf den Tag genau 26 Jahre nach Erscheinen ihres ersten Albums, gingen sie in die Rock and Roll Hall of Fame ein und sammelten 10 Jahre später auch noch den Grammy Award fürs Lebenswerk auf.

Und 2007 endlich gab es ein Live-Comeback der Band in der O2-Arena in London. Mehr als 20 Millionen Fans hatten sich für die 20 000 Tickets registrieren lassen, die über eine Auslosung vergeben wurden.

In der TAZ erschien damals aus diesem Anlass ein Artikel unter dem Titel “Mutterschiff des Sexismus”, und ich hab beim Lesen der Kommentare an den ‚bleiernen‘ Verfasser herzlich gelacht und mich himmlisch amüsiert. Wollt ihr auch? – Büüddeschön! 🙂

Den verstorbenen Schlagzeuger John Bonham ersetzte bei diesem Konzert sein Sohn Jason Bonham. Was uns – wie weiterer hoffnungsvoller Nachwuchs (s. u.) die Hoffnung erhält, dass uns der Sound von Led Zeppelin auch fürderhin nicht ausstirbt und im Vergessen versinkt.

* Titel eines Led-Zeppelin-Songs auf dem Debüt Album “Led Zeppelin”

Bild: Led Zeppelin beim Live-Comback 2007, London. Via.
Videos – via youtube.
Dankeschön: an Wolf – für die ‚Eingebung‘.
🙂

Das Dings des Tages…

Januar 14, 2009 um 11:41 pm | Veröffentlicht in Alles platti, Bloghexe, BlogMist, Dings des Tages, Drumherum und anderswo, Hexentanz, Real-Poetisches, Unnützes Wissen, Zuhaus-Hexe | Hinterlasse einen Kommentar
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wild-thing…ist ein Versuch, durch mehr oder weniger regelmäßige Futtergaben für diese neu erschaffene Rubrik des Hexenblogs einen therapeutischen Beitrag zur Selbstdisziplinierung der ansässigen Besenfliegerin zu leisten. Und zu besserer Ausnutzung ihrer oft spärlichen Zeitreserven. Vor allem und zuvörderst aber, die Plattenbauromantik, die mitnichten so ärmlich ist, wie sie für sich Manchen vielleicht anfühlt, und natürlich erst recht den geneigten Leser nicht weiter so scham- und lieblos vor sich hin hungern zu lassen. 😉

Ähm… was noch lange nicht heißt, dass die Fütterung täglich erfolgt, nur nicht gleich überfressen übertreiben. Dennoch handelt es sich hierbei eindeutig und ohne Frage um ein Projekt „Gute Vorsätze fürs neue Jahr“. Na, schaun wir mal.

Die etwas diffuse Namensgebung soll dabei kein Im-Trüben-Fischen, Im-Dunkeln-Tappen, Im-Nebel-Stochern oder ähnlich Unentschlossenes suggerieren. Nein, sondern derdiedas Dings des Tages will uns lediglich ein sonniges Offenhalten aller Optionen für Bemerkenswertes, Lustiges, Ab- und Tiefgründiges, Helden- und Zauberhaftes oder auch ganz und gar Unnützes bedeuten. Ich lasse mich da mal selber überraschen. Man fängt ja irgendwann an, seinen Blog auf Schritt und Tritt in sich mitzuschleppen, wenn ihr wisst, was ich meine. 🙂 In diesem Sinne.

Sozusagen als Premierendings – tadaaa! – darf ich vorstellen?:

Der Nachzügler des Tages!

oller weihnachtsbaum

Entdeckt bei mir vorm Haus einzwei Stunden nach der jüngsten Abholung der nadelnden Weihnachtsüberreste. Man hofft für ihn, der ja – unwissend und schuldlos – diese Verspätung nicht selbst zu verantworten hat, dass die BSR-Muskelmänner ihn bei ihrer unwiderruflich letzten Runde für dieses Jahr noch finden. Und denkt wieder mal an das traurige Ende des eitlen kleinen Tannenbaums vom Hans Christian Andersen.

Wenigstens liegt er brav und unaufdringlich in der ihm zugewiesenen Ecke. In meinem Friedrichshainer Dienstbezirk kollern diese abgewrackten Stachelviecher hemmungslos vor deinen Füßen übern Gehweg. Und du hebst verunsichert und fluchtbereit den Blick nach oben, weil du nicht sicher sein kannst, ob sie nur der verspielte Nordost dorthin geweht hat oder doch die hauptstädtischen Südschweden bei einem nicht näher benannten Möbelhaus Knut feiern gelernt haben. (Ich werd den Teufel tun und hier Schleichwerbung begehen!)

Passt also schön auf, dass euch nix auf den Kopf fällt, lernt lieber was über das Maibaumwerfen in meiner weiland Heimat. Und nicht verzagen! Denn eins ist sicher: der nächste Frühling kommt bestimmt.

Bilder: Wild Thing: allposters.de. Bummelbaum: Selbereigenes.
Song: Die Ärzte: die Ärzte Jäg Alskar Sverige. Via youtube.

Maxie, du Schöne

Januar 4, 2009 um 11:25 pm | Veröffentlicht in Bücherhexe, Berlin, BildungsLückenbauten, Drumherum und anderswo, Geschichtsbuch, Kalenderblätter, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches | 7 Kommentare
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Das wirkliche Leben, sagt mir eine Stimme, das ist jetzt und jetzt,
nimm es in Empfang, wie es sich darbietet, auch mit Schmerzen,
mit Angst und gleichzeitig mit allen Entzückungen,
die man sich nur denken kann!

Maxie Wander

maxie-wander-portrat-beaGuten Morgen, du Schöne!
Für einen Blick von dir
sind tausend Dinar wenig.
Für deine Brust
werde ich zehn Jahre zu Fuß gehn.
Für deine Lippen
werde ich die Sprache vergessen.
Für deine Schenkel
gebe ich mich zum Sklaven.

Guten Morgen, du Schöne!
Steig auf den Apfelschimmel und reite Galopp
Ich warte auf dich im Wald.
Mit einem Zelt ungeborener Kinder.
Mit Nachtigallen und einer Hyazinthe.
Mit einem Bett aus meinem Leib.
Mit einem Kissen aus meiner Schulter.

Guten Morgen, du Schöne!

Kommst du nicht,
zieh ich das Messer aus dem Brot,
wische die Krumen vom Messer
und treffe dich mitten ins Herz.

Altes Zigeunerlied

86er DDR-AusgabeGuten Morgen, du Schöne heißt das Buch, 1977 im DDR-Verlag Der Morgen erschienen, das ihr am meisten beachtetes werden sollte und dessen erste Seite der Text dieses alten Liedes ziert. Der Erfolg ihres Werkes war ihr in seinen Anfängen noch beschieden; wenige Monate später starb Maxie Wander mit nur 44 Jahren an Krebs.

*

Die enthaltenen 19 Protokolle nach Tonband, die keine sind, denn sie hat sie mit der sensiblen Hand der Künstlerin und ohne ihre Authentizität zu zerstören, zu beeindruckenden literarischen Porträts verdichtet, erzählen die Geschichten von 19 Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft im DDR-Alltag. Die jüngste(n) sechzehn, die älteste 92 Jahre alt, öffnen sie sich der feinfühligen Interviewerin Maxie Wander mit einer anrührenden und bedingungslosen Ehrlichkeit, stellen ungeschönt ihr eigenes Leben in Frage, lassen die andere vertrauensvoll teilhaben an der Suche nach sich selbst und ihren Ansprüchen an dieses Leben.

Die Schriftstellerin Christa Wolf, Maxies Freundin, hat ein Vorwort zu “Guten Morgen, du Schöne” geschrieben, hat es ‚Berührung‘ genannt und damit genau das gesagt, was das Buch atmet. Wie gut sie sie kannte und was die Besonderheit der Autorin ausmacht, die sie selbst in den Text einbringt, spricht aus den Zeilen:

“Nur scheinbar fehlt diesen neunzehn Protokollen das zwanzigste, die Selbstauskunft der Autorin; aber sie ist ja anwesend, und keineswegs bloß passiv, aufnehmend, vermittelnd. Sie hat sich nicht herausgehalten, nicht nur intime Mitteilungen hervorgelockt (“intim” im […] Sinn von “vertraut, eng befreundet, innig”), indem sie persönlich, direkt, kühn zu fragen verstand: Wenn wir das, was sie im Gespräch von sich selbst preisgab, zu einem Band zusammenfügen könnten, hätten wir jenes vermisste zwanzigste Protokoll. Ihr Talent war es, rückhaltlos freundschaftliche Beziehungen zwischen Menschen herzustellen, ihre Begabung, andere erleben zu lassen, dass sie nicht dazu verurteilt sind, lebenslänglich stumm zu bleiben.”
Christa Wolf: Vorwort zu Maxie Wander: Guten Morgen, du Schöne. Buchverlag Der Morgen. 6. Auflge von 1984, Seite 9 f.

Ich habe das Buch eine Zeitlang sehr oft gelesen, so oft, dass ich manches der Mädels mit seiner Geschichte damals beinah w i r k l i c h zu kennen meinte. Ruth vielleicht, mit ihrem kleinen verwilderten Sohn, die als Bedienung arbeitet, in ihren Männergeschichten keine Erfüllung findet, auf ein Wunder wartet und die Nächte liebt:

“…Immer… immer glaub ich noch, no ja, an die Wahrheit, an irgendwas, was noch kommen muss. Das kann doch nicht alles gewesen sein! Diese Leute im Café, und vormittags schlafen, und diese Wochenenden, allein mit dem Kind. Die Nächte sind mir am liebsten. Es ist keine Ordnung da, in die man sich pressen muss…”
Ebenda, Seite 69

Oder die Bibliothekarin Angela, 21, die sich von all und Jedem gegängelt fühlt, wie sie ihr Leben leben soll:

“…Ich will selber entdecken, was für mich gut ist. Bloß, sobald ich mich anders verhalte, als man von mir erwartet, nennt man mich einen Außenseiter… Ich habe es satt, mich immer rechtfertigen zu müssen, dass man nicht so ist, wie man sein müsste… Ich weiß überhaupt nichts von mir. So gut finde ich mich gar nicht, wie ich vorhin gesagt habe. Ist doch nicht wahr… Ich w i l l gut sein. Ich will andern beweisen, dass ich gar nicht so eine Niete bin”,
Ebenda, Seite 100 f.

die taffe Rosi, die ihren Mann im Griff und im Herzen hat und mit anderen Kerlen schläft, oder die Schulmädchen und ungleichen Schwestern Petra und Susanne, die die Welt und die Liebe entdecken, Urgroßmutter Julia, die dasselbe tut und noch jedes Jahr zu Goethes Geburtstag nach Weimar fährt… und wie sie alle heißen.

Es war schon ein seltsames Gefühl, als ich das Bändchen jetzt wieder mal zur Hand genommen habe – denn so ein gutes Stück eigenes Leben dazwischen verändert dir ganz schön den Blick. Dennoch glaube ich, dass vieles in diesen anderen aufgeschriebenen Leben viel lang- und zählebiger ist, als Hinz und Kunz und sogar wir selber uns weiszumachen suchen. Dass so Manches von den Sehnsüchten und Fragen darin viel zu allgemeinmenschlich, immerwährend und berührend ist, als dass es mit einem Nichtmehrland aufhörte und seine Faszination verlöre.

*

maxie-wander-beim-schreibenWeiß der Himmel, wie es die sonnige Wienerin seinerzeit mitsamt ihrem Schriftstellergatten in dieses randberliner und grenzlandige Kleinmachnow verschlagen hat, dessen eigenwilliger Status es einer unangepassten Seele wie ihrer wohl auch nicht gerade leichter machte, mit dem eigenen Leben, den Brüchen und Selbstzweifeln darin klarzukommen. Gar nicht zu reden von privaten Tragödien, wie dem frühen Unfalltod ihrer Tochter, oder vom Gefühl der Heimatlosigkeit. Doch sie war auf dem Weg, sie wollte schreiben und hatte – spät – ihr Thema gefunden: “…die kleinen, zu kurz gekommenen, zugegeben, ein wenig spleenigen Leute. Warum darf man darüber nicht schreiben? Müssen es immer Kraftmeier mit der Schippe in der Hand sein? … Es gibt diese Leute, und ich hab sie alle gern. Es ist mein Leben!”

Geplant hatte sie schon Tonbandgeschichten von Männern und Kindergeschichten – zu denen ist sie nicht mehr gekommen…

Dass sie für mich irgendwie nicht altert, mag an ihren Tagebüchern und Briefen liegen, die mir lieb und teuer sind und in denen ihr unverwüstliches Wesen so lebendig überdauert.

Gestern wäre Maxies Geburtstag gewesen, der sechsundsiebzigste. Und ich finde es schön, dass eine Straße bei mir um die Ecke ihren Namen trägt.

Unbelegte Zitate: via.
Bilder: Porträt Maxie Wander: Via. Maxie Wander beim Schreiben. Aus: Sabine Zurmühl: Das Leben, dieser Augenblick. Via. Cover: Guten Morgen, du Schöne. Verlag Der Morgen 1986. – Icke.
Song: Gerhard Schöne. Spar deinen Wein nicht auf für morgen. Via youtube. [Edit Januar 2010: Jedenfalls vor einem Jahr noch. Inzwischen dort getilgt und durch ein nerviges Zitat mit Aggressionspotenzial ersetzt: „…in deinem Land nicht mehr verfügbar.“ (Ja, in welchem denn dann?) Von dem Lied findet sich da lediglich noch eine engagierte Coverversion in mäßiger Tonqualität, aber immerhin – es ist zu schön. Danke, Thomas und Andreas. Wer auf einem Original-Schöne besteht, der lausche – auch passend – dem „Poetischen Begräbnis“. Oder – auch passend – dem Liebeslied, wer weiß, wie lange noch.]

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