Im Frühtau zu Basel… valeraaaa! (Teil 1)

Juli 8, 2008 um 1:15 am | Veröffentlicht in 2008, Alles platti, Drumherum und anderswo, Fremd-Worte, Globe-Trottel, Hexengeschichten, Hexenritte, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Wetter-Hexe | 6 Kommentare
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Ein Reisebericht

Hex\' beim AnflugDie Hex‘ war auf Reisen. Vorletztes Wochenende. Statt wie gewohnt auf dem Besen zu reiten, leistete sie sich diesmal ausnahmsweise den ausschweifenden Luxus eines Billigfliegers. Schließlich ging es um die würdige Audienz bei einem kleinen benachbarten Bergvolk Und, wer haat’s erfundn? – Na, die Schweizer natürlich.

Oh ja, und los ging es wirklich lausig früh, mitten im besten Tiefschlaf quasi. Aber so ein Wochenend ist ja höllisch kurz, weswegen man es so weit wie möglich zu strecken sucht. Von Frühtau dagegen keine Spur – nur das blanke Morgengrauen und die letzten Schnaufer einer lauwarmen Sommernacht, die wieder einen bruzzelheißen Tag androhen. Die Jacke kann also schon mal ins Aufgabegepäck – da weiß man wenigstens, wofür man inzwischen stolze Siebenfuffzich abdrückt.

Über den Wolken...

Ha, und wer hat eigentlich das Timing verbrochen? Während traumatisierte Einheimische auf der Flucht vor dem Hype um eine aufgepumpte Lederblase ihrer Stadt den Rücken kehren, mache ausgerechnet ich mich auf gen Basel. Allerdings möchte ich dazu ausdrücklich angemerkt wissen, dass mitnichten und auf keinsten Fall dieses über den grünen Rasen kullernde Ding auch nur das Geringste mit Hexis Reiselust zu tun hat, sondern ein längst fälliges Familientreffen nach freudigem Ereignis. So!

...muss die Freiheit wohl...

Über das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer flugbereiter Großstädter zur Eincheckzeit schröbe man wieder mal ganze Bände. Wie von dieser penetranten Schickse im Papageien-Look vielleicht, die als Kunst- und Künstlerkennerin erkannt werden will. Und darob balzend und voll Selbstbefriedigungsdarstellungstrieb, vor allem aber mit Durchsagenlautstärke ihren Begleiter, einen sympathischen kleinen Italiener, pseudokompetent zutextet:

Schaurig schön“Also dieses Üvent war doch großartüg pörformt, fündest du nücht?
UnddieAusstrahlungdesAmbiente -einfachtoooollll. JaderBlablablaverstehtseinMötjöh. UnddieKollegenwarnjasoooechauffiert. UnddiesehüstorüschenMauern, haaaach! ——– üchmussmirmalsoeinArchütekturbuchkaufen, üchbringdieStüüleimmerdurcheinander… GotükundRomantükundBarockoko undso….”

Oder über die Spezies der aufgeregt durch die Halle flatternden Urlaubsmuttis. Beim Anblick ihres gigantischen Kosmetikarsenals im Handgepäck, mit dem sie zum Sicherheitscheck antreten, drängt sich hartnäckig die Frage auf, was denen wohl unterm frisch frisörgestylten Pony tickt. – Dass die Riesenschilder vor ihrer Nase für böse Terroristen da hängen? Oder packen die gerne all ihre Spraydöschen und Flakönchen und Tübchen in der Öffentlichkeit aus – und halten damit den ganzen Abfertigungsbetrieb auf? Und überhaupt, wieviel von dem Kram braucht frau unterwegs auf dem Hüpfer nach Palma De Malle?

Bitte Schwimmwesten anlegen!Endlich an Bord der A 319 denkt man noch an ’ne kleine Mütze voll Schlaf, um den unchristlich frühen Aufbruch halbwegs zu kompensieren. Das ist sowieso das Beste, denn, zu meiner Schande sei’s gesagt, die Hex‘ – gewiefte Besenpilotin hin oder her – ist nicht frei von Flugangst. Was liegt also näher, als das mulmige Gefühl in der Magengegend einfach wegzudösen. Das sich spätestens einstellt, als die Maschine mit einem unheilvollen Quietschen, Knarren und Stöhnen im Bauch losrollt. Ach nee, halt, nachm Start kommt ja noch die obligatorische Demonstration des Rettungsprozedere durch die Mädels von der Crew – wovon einem auch nicht grad wohler wird. Unverzichtbar daran ist vor allem die Instruktion zur Handhabung der Schwimmwesten. Weil man nämlich angesichts des aktuell zu überfliegenden Territoriums vorm inneren Auge gestochen scharf die wilden Wogen des mittel- und süddeutschen Ozeans an den Strand schwappen sieht. Aber höchstwahrscheinlich steuert der Pilot im Ernstfall mit traumwandlerischer Routine die Mitte des Rheins oder den Bodensee an. Und so gesehen sind denn auch die blauweißen Lederhösner und die Eidgenossen Seefahrernationen – oder wenigstens Küstenvölker, jawoll.

Der Minutenschlaf hat gut getan und ich klettere unternehmungslustig die Gangway hinunter. Auf gehts, Basel ich komme!

Naja, noch nicht ganz, denn vorher ist nochmal volle Konzentration gefragt, damit man nicht unversehens im falschen Land landet. Der Baaasler Flugchchafen ist nämlich, wenn mans ganz genau nimmt, nur die Hälfte von einem ganzen, ein weltweit wohl einmaliges Phänomen, worauf in gewisser Weise schon sein stolzer Name Basel-Mulhouse-Freiburg hindeutet. Bekanntlich liegt er mitten im Dreiländereck, putzigerweiser nicht mal auf schweizer, sondern auf französischem Boden. Und die Schweizer und die Franzosen betreiben ihn – in bestem europäischen Geist – gemeinsam. (Die deutsche ‚Ecke‘ hingegen ist nur Anhängsel ohne Stimmrecht im trinationalen Beirat und Mitnutzer.) Nun heißt es nur noch den eidgenössischen Ausgang finden.

Airport Basel-Mulhouse-Freyburg
Das klappt hervorragend beim ersten Versuch. Das Empfangskommando hinter der Scheibe trippelt schon ungeduldig hin und her – ich werde abgeholt. Durch die stressfreie Gemächlichkeit an der Zollkontrolle auf die landestypische Mentalität vorbereitet sowie nach der bedingungslosen Kapitulation vor einem irreführend SchweizerDEUTSCH (okay, oder -dütsch) genannten Idiom folgt erstmal stürmisches Umarmen mit meinen schwiizer Ausländern.

Später dann im Auto, unterwegs in den Basler Speckgürtel und zum Domizil für die nächsten drei Tage, sehe ich beim ersten so herbeigefieberten Blick auf die Stadt – nichts.

Basel unter!Ehrlich – denn der Eindruck ist ein ziemlich unterirdischer, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir düsen nämlich auf der Stadtautobahn zwecks Verkehrsentlastung durch ein wirr verschlungenes Tunnelsystem und als ich die Sonne endlich wiedersehe, sind wir schon wieder draußen aus der Stadt – links und rechts nur noch grüne Berge, drauf hier und da eine malerische Burgruine. Dafür treffen wir jetzt einen niedlichen kleinen Kreisverkehr nach dem andern, auf den meisten der Rondells wachsen ebenso niedlich kleine Birkenschulen. Und dann sind wir in Reinach, der zweitgrößten Gemeinde des Kantons Basel-Land (respektive Basel-Landschaft, wie es auf Einheimisch offiziell heißt). Gelegen laut einschlägiger Information “am Südfuss des Brruderchchcholz (Bruderholz) im Birstal”.

Hach, gibt es eigentlich eine noch hübscher und noch schweizerischer klingende Ortsbeschreibung!?

Dafür gibts auf Grund offensichtlich unheilbarer epischer Breite der Verfasserin die Basel-Bummel-Bilder erst in Teil 2.

Nicht nur der Ball ist rund von unbekanntP.S. Beim Titelsong – sorry, er war beim Schreiben so eine Art böser Ohrwurm und ich kann nix dafür! – denkt der Liebhaber des gepflegten Klamauks ja an die allseits beliebten Otto-Waalkes–Interpretationen. Allerdings fehlt bei d e m in schamloser Ignoranz das Schweizer Beispiel. Reichen wir also das einzige verfügbare nach. – Achtung! Schräge Blasmusik – mit einzwei… hm, oder drei Verbläsern…😉

6 Kommentare »

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  1. „Und, Obelix? Wie ist die Schweiz, so als Land?“

    „Flach.“

  2. Dir fehlt wohl Dein übliches Arbeitsgerät?

  3. @Wolf: Da gabs noch keine Tunnel. Ich sag: „Tief.“😉
    (Oder war das eine versteckte Kritik in meine Richtung?)

    @Bjoern: Äh… nö. Der Flieger hatte Air Conditioning. Also, wenn mir mal jemand sowas an meinen anbauen könnte…. Aber danke für den geleasten Feger.😉

  4. @ hex: Nein, das war der Schluss von Asterix bei den Schweizern😉 (Boah, zwanzich Mack kosten die heute schon…)

  5. Auch düses Blogüvent war großartüg pörformt! Üch bün dürekt geistüg mütgeflogen!

  6. Hach, Frederic…😳

    Aber du hättest erstma auf dem – leider sowas von geistügen – Rückflug dabei sein sollen – der hatte nämlich echtes kabarettüstüsches Potenzüal…😉


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