…und bessert euch drauflos!

Dezember 31, 2007 um 4:10 am | Veröffentlicht in 2008, BlogMist, Drumherum und anderswo, Fest-Platte, Hexenblabla, Hexenkräuter, Hexentanz, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches | 8 Kommentare
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Von klugen Sprüchen und guten Vorsätzen

Wird’s besser? Wird’s schlimmer? – fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich: Leben ist immer
lebensgefährlich!
(Erich Kästner)

Blogger-Prosit durchs www!Schon wieder Neujahr? Dabei hätte das alte noch für Monate gereicht.
Tschulljung, aber was soll man angesichts der allerwärts sprudelnd überschwappenden Selbstläuterungsprojekte zum neuen Jahr anderes tun als Herrn Volksmund bemühen und kalauern?

Und überhaupt, wäre nicht dieser Neustart alle Jahre wieder erfunden worden, machten auch nicht Hinz und Kunz und Katz‘ alle Jahre wieder sich einen solchen vor. – Sagte nicht erst neulich jemand sehr weise: „Hey, ist doch nur Silvester“? 😉 Hm, also bei mir stimmts. Außer einem neuen Terminkalender aufm Schreibtisch (in dem schon wieder was drin steht) gehts nach der Feiertagsbesinnlichkeit in vollem Galopp weiter, nix mit alles auf Anfang und so.

Aber was wird diesem Neujahrstag nicht alles an Vorsätzlichkeiten in geballter Ladung aufgebürdet: weniger rauchen, weniger saufen, weniger fremdgehen, weniger streiten, weniger Trägheit, weniger zunehmen, mehr abnehmen, mehr Sport treiben, mehr Zeit haben, mehr sparen, mehr lesen, mehr Kultur, mehr Liebe [bitte die Liste beliebig fortsetzen] und wie die heimlichen und unheimlichen Defizite alle heißen – ab 1. Januar wird aufgearbeitet. Wenns geht, gleich alle auf einmal.

Gutmensch und SchweinehundAch ja? Wie lange hielten gleich nochmal im Vorjahr und im Vorvorjahr und dem davor auch die hehren und anstrengenden Pläne vor, und wie emsig sägte der innere Schweinehund vom ersten Tag an daran rum?

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert…“, wissen wir spätestens seit George Bernard Shaw. Dabei will ich ja um des Himmels Willen keinem ausreden, sich zu bessern – im Gegentum, das tut uns allen gut. Aber ein bisschen glashelle Lebensnähe und Realitätssinn schon auch. Hey, und ein Mychen Spontanität vielleicht? Man muss sich ja nicht immer gleich überfordern. Und vor allem nicht an einem einzigen Tag so unter Druck setzen und die Welt der schlechten Gewohnheiten aus den Angeln heben, nä. Das Jahr hat 365 Tage! Ha, und das, was jetzt kommt, sogar wieder mal einen mehr, 2008 ist Schaltjahr. Das sollte uns doch ermutigen zum Plänemachen, oder?

Und gegen k(l)einen Mut und den Weg zur Hölle gibts jetzt noch einen Löffel gute Medizin nach bewährter und hülfreicher Rezeptur meines geliebten Herrn Hausapothekers; der weiß nämlich, wie’s geht, respektive – wie nicht. Keine Angst – schmeckt süß und tut gar nicht weh! 😉

Spruch für die Silvesternacht

Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat!

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!

(Erich Kästner. Aus: Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke)

elke-hexe-form-we2.gifSo, und nun kommt alle gut ins Neue Jahr, ihr Lieben! In dem dann viel Indian Spirit (ihr wisst schon, das In-sich-Ruhn 😉 ):
Wishes of Happiness, Love and Prosperity
für uns alle.

Eure engelsgleiche Hex‘

Wir treffen uns drüben..

Bilder: Der Engel und der ‚Schweinehund‘ – von http://www.stereopoly.de/. Die andern: G.e.k.l.a.u.t… öhm, creative commons-Lizenz. Diese bezieht sich (nach einem Kommentar-Hinweis und zusätzlich zur aufgeführten Quelle) auch auf die verwendeten Zitate.

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Haus Vater, Heine und – Heino?

Dezember 13, 2007 um 6:04 am | Veröffentlicht in 2007, BildungsLückenbauten, Fest-Platte, Kalenderblätter, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, So Momente halt... | 7 Kommentare
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Oder: So Tage zum KinderDichterkriegen

Robert Gernhardt in der RiesenmaschineHeute vor zehn Jahren, am letzten runden Geburtstag, den er erleben durfte,
führte er ein Gespräch mit seinem Schöpfer:

„Schier sechzig Jahr auf deiner Welt –
bekomme ich jetzt Schmerzensgeld?“
„Mein Kind, mir geht dein Wunsch zu Herzen:
Geld hab ich keines. Doch kriegst du Schmerzen!“

Mussten ausgerechnet diesmal dessen Versprechungen in Erfüllung gehen – wo ER es sonst nicht immer gerad‘ so genau damit nimmt?

Heine? Das weiß Gott alleineDoch ein Geburtstag soll kein Tag zum Trauern sein, das hätt‘ er nicht gewollt, der Robert Gernhardt, nicht er. Wenigstens auf einem lachenden Auge hätte er bestanden. Und er war stolz, dass er diesen Tag mit einem teilte, der auch für seine Kunst nicht ohne Folgen blieb. Und einem Preis seinen Namen lieh, mit dem er im Jahre 2004 bekränzt wurde – Heinrich Heine hätte heute auf seinen höchstpersönlichen 210. bechern können.

Obwohl… Heines Geburtsdatum ist ja immer noch umstritten. Nicht so für Robert Gernhardt. Auf eine diesbezügliche Frage in einem Interview mit dem WDR über seinen großen Kollegen anlässlich dessen 150. Todestages 2006 antwortete er:

Da habe ich mich drauf eingestellt, und daran gewöhnt, dass wir am selben Tag Geburtstag haben. Mein Geburtsdatum ist klar, das ist der 13.12. Wäre Heines nicht klar, wär’s sehr schade, denn Heino hat auch am 13.12. Geburtstag. Und wenn Heine und Heino nicht am selben Tag Geburtstag haben, dann geht ein Treppenwitz der deutschen Kulturgeschichte den Bach runter und das wäre nicht zu wünschen…

Spagat zwischen Leben und TodEr hat bis zuletzt dafür gesorgt, dass wir ihn nicht vergessen – was wir eh nicht hätten können. Hinterließ noch schnell neben allem anderen zwei Bücher: sein „Später Spagat“ (wird im Juni 2008 neu aufgelegt) – in Versen und dem auf Gernhardtsche Art verbrämten Wissen um das, was kommt – wird uns ‚Hinterbliebenen‘ von einseitig.info eindringlich ans Herz gelegt, das letzte Stückchen Prosa nicht weniger innig von Uwe Wittstock auf Welt Online. Die Kurzbeschreibung zu „Denken wir uns“ bei amazon beglückt Gernhardt-Fans nochmal anrührend damit, wie sehr er bei ihnen war. Er

…lädt den Leser noch einmal in die von ihm ver- und bedichtete Welt ein: in den verschatteten Lesesaal einer toskanischen Abtei nahe Montaio, ans Weltgericht, vor dem Norbert Gamsbart Rede und Antwort stehen muss, in Jan Vermeers Atelier nach Delft und immer wieder in die Mainmetropole, in die Runde dreier Freunde, die sich mit „Geschichtsrosinen aus dem Lebenskuchen“ zu überbieten versuchen. Vor allem aber ist dieser Band eine letzte Hommage des Dichters an seine Leser: „Denken wir uns euch, das Salz der Erde nicht nur, sondern den Dünger jedweder Kunst. An wen wollten wir uns denn wenden, wenn es euch nicht gäbe?“

Ringelnatz’s Erkältete NegerinUnd ich, ich würde sonstwas darum geben, wenn sich mir die Gelegenheit zum „Tod-Lachen“ böte. Nana, keine Panik – so titelt die FR-online zur Ausstellung „Robert Gernhardt – die letzten Bilder“, die heute passend zu diesem Tag im Historischen Museum in Frankfurt eröffnet wird und dort bis zum 2. März 2008 zu sehen ist. Dieses Date mit seinen Zeichnungen und Versen – ich bin sicher, es wird für viele ein Lachen unter Tränen sein:

Im Schatten der von mir gepflanzten Pinien
will ich den letzten Gast, den Tod, erwarten:
„Komm, tritt getrost in den besagten Garten
ich kann es nur begrüßen, daß die Linien
sich unser beider Wege endlich scheiden.
Das Leben spielte mit gezinkten Karten.
Ein solcher Gegner lehrte selbst die Harten:
Erleben, das meint eigentlich Erleiden.“

Da sprach der Tod: „Ich wollt‘ mich grad entfernen.
Du schienst so glücklich unter deinen Bäumen,
daß ich mir dachte: Laß ihn weiterleben.
Sonst nehm ich nur. Dem will ich etwas geben.
Dein Jammer riß mich jäh aus meinen Träumen.
Nun sollst du das Ersterben kennenlernen.“

Heute wäre Robert Gernhardt 70 Jahre alt geworden…

Hau’s Vater

Bilder: Robert Gernhardt: Selbstporträt via Christian Y. Schmidt, Riesenmaschine; R. Gernhardt: Heine? – Das weiß Gott alleine! via wdr.de; R. Gernhardt: Grafik zu J. Ringelnatz‘ Abendgebet einer erkälteten Negerin, Creative Commons.

Licht an, Licht aus oder was?

Dezember 8, 2007 um 7:45 pm | Veröffentlicht in 2007, Alles platti, Hexen-Gedanken, Hexentanz, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Politisches, Uncategorized | 3 Kommentare
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Licht an, Licht aus?Ich hatte mich schon gewundert, warum heut plötzlich die Zugriffe auf meinen schon etwas angestaubten „Licht-aus!“-Blog in für meine Verhältnisse schwindelerregende Höhen schießen. Vorher taten sie das nur gelegentlich exzessiv – bevorzugt nachts – wegen eines leicht anzüglichen Comic-Bildchens sexuellen Inhalts, das dort leihweise Verwendung fand.

Die stromlose Erleuchtung fiel mir wie ein Betrunkener im Dunkeln vor die Füße: Ich bin Hellseherin, Vordenkerin!! – was auch immer. Meine private und einsame Initiative zum Energiesparen zielte seinerzeit zwar eher gegen Strompreiswucherer sowie auf die Verbesserung der zwischenmenschlichen Kontakte und gute Nachbarschaft. Und sämtliche erhellenden Gedanken dazu waren fern von eventuellen Folgen für länderumspannende Stromnetze – lassen sie die Leut‘ doch problemlos auch dezentral für einen guten Zweck enger aneinander rücken. 😉 Ich will Sex!Doch die Idee dahinter ist, wie man sieht, auch auf die den Menschen, Zwischenmenschen und Nachbarn verbindende Sorge um unsere Umwelt transformierbar.

Was die heutige 5-Minuten-Licht-aus-Aktion angeht, bin ich allerdings etwas verwirrt. Und nicht nur ich, dem Frederic zum Bleistift geht es ähnlich. Denn augenscheinlich gibt’s zum Plan auch einen Gegenplan… und Rufer in der Wüste Warner und Spötter und so. Und mit dem eigenen Halbwissen über zu erwartende Effekte – über das anderer maßt man sich ja kein Urteil an – weiß unsereins nicht so recht, was tun, und neigt dann vielleicht doch mehr zum… Vermeiden und Abwarten?

Samanta hingegen weiß ganz genau, was sie will, egal, obs dunkel oder hell ist:

Was Samanta will
Jawollja, es lebe die Energie des Zwischenmenschlichen! 😉

Bild: (sicherheitshalber) Creative commons

Aaallä Jahre wiedaaa… Frust oder Lust?

Dezember 2, 2007 um 10:04 pm | Veröffentlicht in Alles platti, Berlin, BildungsLückenbauten, Drumherum und anderswo, Fest-Platte, Geschichtsbuch, Kultur, Real-Poetisches, Spielwiese, Uncategorized | 4 Kommentare
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Türchenöffnen ins alte Berlin mit E. T. A. Hoffmann, Wilhelm Raabe, Vadda Zille und Co.

Weihnachten verboten!Heutzutage ist es ja sowas von IN, sich seinem Umfeld aus- und nachdrücklich als Weihnachtsmuffel zu outen. Ihr wisst schon, diese Mit-der-ganzen-O-du-seligen-nichts-am-Hut- haben-Masche. Nur Eltern mit noch nicht vollends ausgewachsenen Nachkömmlingen kriegen mildernde Umstände – die müssen ja. Damit was am Hut haben. Also mehr ja noch an der Mütze, na diesem rot-weißen Verkleidungsrequisit mit der Wattebommel – und dem stressig geschenkewütigen Drum und Dran. (Deshalb poste ich heut auch keinen Lagebericht vom Weihnachtsmarkt – der käme ja eh so ähnlich wie der vom letzten Jahr.)

Als umso aufschlussreicher, ja geradezu als Aha-Erlebnis mussten sich mir die Geständnisse kürzlicher Pausengespräche unter Kollegen erhellen: bis auf eine Ausnahme besteht jeder von ihnen auf seinem höchsteigenen Advendskalender. Die Inhalte – oder sagt man Füllungen? – variieren dabei durchaus: von ausgeklügelten Partnerüberraschungen in mit Hingabe selbst bestickten Weihnachtssäckchen über die üblichen Schokoladenfigürchen als Kalorienbombardement bis hin zu Hochprozentigem in handlichem Taschenformat. Und ich steh ja immer noch auf die alten Miniaturbildchen, wie man sie in der Kinderzeit hinter den Zahlentürchen fand. Allen gemeinsam ist wohl die Neugier, die in jedem von uns wohnt, ein um den anderen Tag eine kleine Aufmerksamkeit zu entdecken. Ich finde es schön, dass wir da ein bisschen Kind geblieben sind.

Altberliner AdventskalenderFür diejenigen unter euch, die auch gern in unbekannte Fenster schaun, häng ich hier mal den Berliner Adventskalender über alte Zeiten an die Bloghauswand, rechtzeitig zum 1. Advent, zu spät fürs erste Türle (na, dann macht halt gleich zwei auf). Den vom Zentrum für Berlin-Studien der Zentral- und Landesbibliothek Berlin nämlch, und man darf ihn getrost einen literarischen nennen. (Um ehrlich zu sein, ich hatte ihn im vorigen Jahr hier schon mal verlinkt, aber welcher faule Blogleser klickt heute schon noch auf Textlinks? Also: neuer Versuch. Warm zu empfehlen vielleicht auch mal als Horizonterweiterung für die pädophilen Typen mit etwas abseitigen Neigungen, die mir immer die Stats mit ihren perversen Suchbegriffen vollspammen oder für die, die hier auf Grund eines einst geposteten Sexspielzeug-Comics die Funktions- und Schreibweise dieses überaus beliebten HaushaltsGerätes zu ergründen suchen. Pssst, wenn ich in meine Visitor Locations schau, hab ich ja manchmal den Verdacht, dass letztere die Ranger-Jungs im Nahen Osten und Umgebung sind. 😉 ) Romantische und deftige Geschichten berühmter Landsleute, von Adolf Glaßbrenner, E.T.A. Hoffmanns oder Ludwig Tiecks Weihnacht(s)-Abend bis hin zu Wilhelm Raabes selbigem in der Sperlingsgasse legen uns nahe, dass die Licht-und-Schattenseiten-Weihnacht – wenn auch andersartig – durchaus schon im 19. Jahrhundert grassierte und keine Erfindung von uns dekadentignoranten Neuzeitlern ist. Und bescheren uns längst vergessene Begegnungen. Illustriert sind sie vom ollen Papa Zille u. a. Und auch für die Bastelblogger, Volksbräuchler und Küchenwunder ist was dabei. Aber ich will ja nicht zuviel verraten… 😉 Und mal sehen, vielleicht öffnen wir ja das eine oder andere Fensterle hier gemeinsam….

Wenn ein Lichtlein brennt…Wem das noch nicht LeseStoff genug ist, der kann ja mal wieder – zünftig, weihnachtlich und sogar online – in „A Christmas Carol“ vom guten Charles Dickens reinschmökern.

Fröhliches Türchen-Klicken allerseits! Schaltet mal einen Gang zurück, zündet ein Lichtlein an und den Räuchermann und machts euch ein wenig ruhig und besinnlich, so oft es geht…
rät (wenn sies nur mal selber tät‘)

die Hex‘.

*

P.S: Aaach, fast hätt‘ ichs vergessen – hier noch was für die Besinnlichkeit. Mit heißem Dank an den Wolf für die Vor-Ausgrabung. Obwohl seine ja eigentlich die hier mit Verstärkung war. Auf dass die nächsten Wochen für euch nicht tote Hose sein mögen… 😉
Weihnachtskaufrausch - gestern

Bilder: Geklaut Creative commons, soweit nicht vom Zentrum für Berlin-Studien

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