Sexy, kultig, unkaputtbar: GO Trabi, GO!

Juli 17, 2007 um 12:38 am | Veröffentlicht in 2007, Alles platti, BildungsLückenbauten, Drumherum und anderswo, Fest-Platte, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches | 3 Kommentare

Trabbi- PowerLeicht verwirrt stehe ich neulich Im Einkaufs-Center meiner Wahl. Die Passage hat plötzlich und unerwartet sowas von Parkdeck – oder Autohaus. Und was für einem! So eins gibt es bestimmt nirgends nicht in echt, jedenfalls nicht, was die Marke angeht: Trabanten allüberall – frisch gewienert und trutzig vor sich hin glotzend, stolz und fachkundig von ihren Besitzern präsentiert. Der Anlass ist ein staunens- und denkwürdiger, denn:

Die Rennpappe wird 50!

Ganz schön gewachsen, wa?
Bild: http://www.james.de/26PS/index1.htm
Kaum zu glauben!
Im November 1957 liefen die ersten DDR-Volkswägele vom Band der Sachsenring-Werke Zwickau und avancierten fortan nicht nur zu einer unerschöpfliche Quelle von Trabi-Witzen, sondern vor allem zum liebevoll gepflegten Objekt der Begierde. Für das in den Zeiten größter Nachfrage die Wartezeit (in Jahren!) sogar zweistellig war. Was den Insider heute über der Frage brüten lassen mag, für wen denn eigentlich die knalligen Werbespots für das Zweitakterle produziert wurden. Für den zu Disziplin und Geduld erzogenen Inländer wohl eher nicht…

Der Bums zum KultRobust war er ja, der Kleine, dochdoch. Mit dieser Gebrauchseigenschaft fuhr er schließlich vor über anderthalb Jahrzehnten gar durch eine Mauer. Das muss auch die Zeit gewesen sein, in der der Trabi-Kult geboren wurde. Denn eigentlich gehört der Trabant seit 16 Jahren zu den Untoten: als nach der Wende der Run auf die früher unerreichbaren Pferdestärken auf vier Rädern begann, versuchten die Sachsenring-Werker noch eine Weile vergeblich, ihn zu verkaufen, am Ende gar zu verschleudern. Doch am 30. April 1991 verließ der unwiderruflich letzte Trabi das Fließband in Zwickau. Es war der 3.096.099ste… Und die frischgebackenen Neufünfländler stießen zu tausenden ihre getreuen Gefährte(n) ab.

Hach, da werden Erinnerungen wach…
Als Nachwende-Fahrschülerin habe ich Anfang der Neunziger ja aufm aktuellen Golf Diesel die Straßen von Berlin unsicher gemacht, ziemlich schnell sogar DEKRA-geprüft. Doch mein erstes Auto war ein Trabi, dezent mattgrau, von einem Freund für 1 (EINE!) symbolische D-Mark erworben. Die Umstellung auf die Lenkradschaltung machte mir kurzzeitig ein wenig zu schaffen – ich habe ein paar Tage lang im Morgendämmer heimlich auf menschenleeren Straßen geübt. Aber dann: alles paletti.

StripteaseÖhm… nicht ganz. Mit einigen speziellen Tücken des Objekts haderte ich etwas länger. Schon mal Trabi gefahren? Einschlägig Vorbestrafte Alte Trabipiloten wissen jetzt, dass man vor dem Start den Benzinhahn manuell öffnen muss – Hattu vergessen? Bleibt sich Auto nach etlichen hundert Metern stehn. Der größere – und folgenschwerere – Fehler: zum Starten musst du den Choke ziehen. – Hattu vergessen, den wieder reinzuschieben? Dann hattu einsfixdrei verölte Kerzen und nix geht mehr. Oh, ich hatte oft verölte Kerzen – und seitdem immer Ersatz zum Wechseln und Werkzeuch dabei. Damals verlor ich auch die Angst vor dem Innenleben meiner Asphaltblase.😉

Wider Erwarten war der Trabant nicht untot zu kriegen. Nicht erst seit „Go Trabi, go“ hat er Millionen Fans in aller Welt, die sich in Trabantfahrer-Clubs, auf Ralleys, Trabi-Safaris und alljährlichen Treffen tummeln. Im Net gibts ungezählte Foren, Online-Ersatzteilhändler und Profi-Ratgeber, sogar extra Online-Magazine – ich hab mich fast totgegoogelt, und es nahm kein Ende. Bei den Berliner Trabigören fand ich eine interessante Notiz:

„1995 entdeckte man im Zollhafen von Mersin, in der Türkei, 444 1.1er der letzten Bauserie, die nicht zugelassen wurden, weil der Importeur in Konkurs ging. Sachsenring holte die etwas mitgenommenen Trabanten nach Zwickau, möbelte sie wieder auf und verkaufte sie für 19.444 Märker als ‚The Last Edition‘.“

Und über die Vorzüge des virtuellen „Trabant 2000“ kann man sich auf amüsante Weise hier informieren. Kleine Kostprobe gefällig?

„Asymmetrische Klappergeräusche erleichtern die Fehlersuche. Durch ein ausgeklügeltes System von Rohrleitungen wurde es mit ingenieurtechnischem Feeling möglich, die Heizleistung stets geschwindigkeitsproportional zu gestalten. Den Schritt zur ungeschüzten Scheibenbremse haben wir wohlweislich unterlassen. Wir verfolgen das bewährte Prinzip der gut gekapselten Trommelbremse.

Depressionen, die durch großzügige Innenraumgestaltung entstehen könnten, werden durch den ab Modell 1987 hellblau gespritzten Himmel weitestgehend abgebaut. Durch die vorn weit herabgezogene Dachkante werden Blendwirkungen vermieden. Dazu trägt auch der speziell entwickelte Mattlack bei. Die neue Farbe „Gletscherblau“ assoziiert eine direkte Verbindung zur Heizleistung des Wagens. Wo andere Fahrzeuge eine verwirrende Instrumententafel besitzen, haben wir uns für ein schlichtes und übersichtliches Armaturenbrett entschieden….“

Zurück ins Einkaufs-Center meiner Wahl. Mit großen staunenden Kulleraugen und zahlreichen abgelenkten Wochenendeinkäufern entdecke ich, was aus der guten alten Rennpappe so geworden ist – liebevoll (um)gebaut oder getunt ohne Ende: neben dem schlichten Alltagsmodell (Natur, matt) räkeln sich das schnittige Cabrio (Rubinrot, hochglanz), der unverwüstliche tarnfarbene Kübelwagen und die mondäne Stretchlimou mit allen Schikanen und Sachsenring-„Stern“. Bescheiden am Rande kuscheln Polizei- und Feuerwehrtrabi…

Noch Fragen? TRABI IST KULT! Philosophie… eine Lebenseinstellung.😉
My Trabi is my Mercedes!
Trabi ist unkaputtbar!
Cooooool, ey!
Trabi ist – immer noch für irgendwas zu gebrauchen!
Modell Trabant-Kübel… Blumenkübel
Bild: http://industrieform-ddr.de/

Trabi ist SEXY!
HAPPY 50, Kleener!
Schorsch in Hochform
Bild: Constantin / DIF

3 Kommentare »

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  1. schöner beitrag. hier bei uns in nb gibt es auch nen trabifanclub und jedes jahr einmal in anklam ein fanclubtreffen ähnlich dem in zwickau. heute las ich durch zufall, dass man in dresden trabisafaris buchen kann. stadterkundung im trabi .-)

    lg des käfertier

  2. 🙂 Na dann können wir dich ja bestimmt bald mal bei unserer Trabi-Safari begrüssen, hm?😉 Bekommst auch ein sexy pinkes Cabrio *lach*

  3. Ui, na das nenn ich doch mal ein freundliches Angebot.🙂 Dafür schenk ich dir doch glatt den Safari-Link.
    Aber ’n pinkes Cabrio? Igitt! – Obwohl, wenn schon sexy und auffallen, dann richtig.😉 Der gelbe is aber auch witzig. Und auf die Einladung komm ich vielleicht gelegentlich zurück…


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