Opa und Ostern

April 7, 2007 um 7:38 pm | Veröffentlicht in Drumherum und anderswo, Fest-Platte, Hexengeschichten, Kultur, Zuhaus-Hexe | 2 Kommentare

Meine Wiege stand ja in der Oberlausitz, also genauer gesagt an deren Rand, wo schon fast die Niederlausitz anfängt. Und am östlichsten Ende Deutschlands. Dort, wo sieben Kilometer weiter dieses Land in die die Neiße kippt und gerade mal noch bis zur Flussmitte schwimmt, bin ich aufgewachsen. Bin da zur Schule gegangen, der ersten Liebe begegnet und mit zarten achtzehn Jahren in die Welt hinaus gezogen, um nie wieder zurückzukehren. Außer zu Besuch – alle Jubeljahre einmal.

Dieses Stückchen Erde ist das Land der Sorben, des kleinsten der slawischen Völker. Mein Großvater hatte zur Hälfte sorbisches Blut in seinen Adern. Was bei mir davon übrig geblieben ist, hat in meinem Leben kaum eine Rolle gespielt. Wohl nicht mal bei der lebensprägenden Entscheidung, slawische Sprachen zu studieren. Von der sorbischen Sprache jedenfalls weiß ich bis auf die zweisprachig ausgeschilderten Straßennamen, einige in den landläufigen Sprachgebrauch eingegangene Begriffe und ein paar deftige Flüche meines – je nach Wetterlage – zum Poltern oder Augenzwinkern aufgelegten Opas nicht mehr viel.

Früh übt sich…Warum ich das heut hier überhaupt erzähle?

Viele Erinnerungen an meinen Großvater sind verblasst, aber ich habe als kleines Mädchen viel von ihm gelernt. Mit Hammer, Feile und Säge umzugehen, am Schraubstock in dem alten Werzeugschuppen. Kaputte Sachen selber zu reparieren. Mit einer rußgeschwärzten Glasscheibe eine Sonnenfinsternis zu sehen. Neugierig auf jeden neuen Tag zu sein. Und – nach sorbischer Tradition Ostereier zu bemalen. Mit heißem Bienenwachs, einer Nadel und zurechtgeschnittenen Gänsefederkielen Muster darauf zu kratzen oder zu tupfen. Diese Kunst habe ich über all die Jahre sorgsam aufgehoben und später meinen Kindern beigebracht.

Es kostet Zeit und Geduld. Wenn man deshalb selber mal in Erwägung zieht, das Eiermalen gelegentlich ausfallen zu lassen, gibts wilden Protest von allen Seiten. Also werden jedes Jahr zu Ostern die Utensilien herausgekramt und das Ritual zelebriert.

Für dieses Jahr sieht das Ergebnis so aus:
Selber bemalt
Bei weitem nicht so schön und aufwändig wie die Kunstwerke der echten sorbischen Meister. Aber hübsch sind sie doch trotzdem, oder?

Falls jemand es selber mal probieren möchte – naja, im nächsten Jahr -, gibt es hier ein paar Tipps.

Frohe Ostern, liebe Bloggergemeinde! Und euch allen da draußen.
Wünscht die Hex‘

2 Kommentare »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

  1. Bwuoah ey – selbergefettet? Ich war erstaunt über meine Kenntnis von Osterbräuchen, dass ich heut Eier gekocht hab…

    Quitten für die Menschen zwischen Emden und… was immer da hinten rumliegt😉

  2. Joah, Kochen is doch schon mal ganz gut – als anwendbares Wissen über Osterbräuche eigentlich völlig ausreichend. Find ich. Und: hart gekocht büdde!😉

    Diese Kenntnis könnte übrigens sogar Karl Valentin gehabt haben – wo doch seine Mutter von da hinten aus Zittau stammte. Und er selber ihr zuliebe sogar mal ein Mensch von dort zu sein versuchte. Für die Heldentat hat ihn Zittau denn auch zum Ehrenbürger gemacht. Immer noch empfehlenswert für vertiefende (Volx)Kultur- und Literaturreisen, die Ecke da hinten…🙂
    Jawoll, Quitten für die Menschen! – Danke für Obst, Wolf und Golf… öh, Goldt.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.

%d Bloggern gefällt das: