Unnütz oder nütz…

Januar 28, 2007 um 4:56 am | Veröffentlicht in Hexen-Gedanken, Spielwiese, Uncategorized | 8 Kommentare

Hoppla, da trifft einen plötzlich und unerwartet ein Stöckchen vom Seewolf, das man ja ungern ignorieren mag – denn die Bordkameraden der“Pequod“ lassen einander niemals nicht im Stich.
Meine zehn nutzlosesten Fähigkeiten soll ich auflisten. Hm, ehrlich gesagt kommt es mir manchmal so vor, als sei sogar eine Menge von dem, was man in seinem Leben mal vorsätzlich gelernt hat, unnütz. Uiui, da balanciert man ja an Abgründen – des eigenen Ich – wenn man mal tiefer drüber nachdenkt. Aber zum Glück will das ja bei so einer Frage eh keiner ganz genau wissen.

Aaalso… ja, was kann ich denn?

1. Ich kann noch alle Kinderlieder vom „Traumzauberbaum“ singen und überhaupt fast alle aus den Geschichtenliedern (Plattenserie in der DDR). Ha, die werden sogar heute noch verlegt. Und sind, wie mir jetzt beim Schreiben grad auffällt, vielleicht gar recht alltagsrelevant. Oder warum fang ich immer beim Fensterputzen an, vom Regentropfen Paule Platsch zu trällern? Außerdem auswendig abrufbar wären zet Be der „Osterspaziergang“ des Doktor Faustus, die Hanna-Cash-Ballade* vom Herrn Brecht (aus Zeiten jugendlich-hoffnungsvoller Rezitationswettbewerbe) und das Gesamtrepertoire der „Miss Marple“- und „Monk“-Dialoge (infolge ungesund häufigen Konsums)…

2. Apropos unnütz belegter Speicherplatz: ich hab ein ausgeprägtes Gedächtnis für Telefonnummern und Geburtsdaten. Das ist ja zunächst mal durchaus brauchbar; allerdings tummelt sich in diesem Sammelsurium auch munter der Zahlen- und Kalendersalat von Leuten, die längst aus meinem Leben verschwunden sind. Dafür haperts dann gelegentlich mit dem Namensgedächtnis, oh, und das kann peinlich werden. Was hatten die in dem bescheuerten Fernsehwerbespot doch gleich nochmal für’n Mittelchen für den vergesslichen Kerl mit zuwenig Sauerstoff im Gehirn?

3. Worin ich richtig gut bin: die Töne eines jeglichen weckenden Weckers in meine Morgenträume einzubauen als etwas, das da hin gehört und mich friedlich weiterschlummern lässt. Für diese Fähigkeit ist ‚unnütz‘ geradezu heftig untertrieben – die hebelt nicht nur Nutzen, Sinn und Zweck eines Weckers aus, sondern ist im Ernstfall höchst kreislauf-, ja sogar existenzgefährdend. Das zur Zeit zuverlässigste Gegenmittel: eine energische Mitbewohnerin.

4. Ich kann Chinesisch, naja, nur ein ganz kleines bisschen. Nicht mal zum geradebrechten Small-Talk (und vor allem: mit wem?) würde es reichen. Ich hab das mal zwei Jahre lang aus purer Neugier gelernt und dann wieder aufgehört. Warum, weiß ich nicht mehr genau.

5. Ganz hervorragend kann ich Tagespläne aufstellen, mit einem Arbeitspensum von geschätzt 48 Stunden. Eigenartigerweise ist am Ende des Tages dann meistens noch reichlich Plan übrig. Kann nicht mal jemand von den Experten für lebenswichtige Erfindungen wenigstens den 36-Stunden-Tag…..?

6. Zu den barfüßigen Fähigkeiten kann ich auch noch was beisteuern. Zunächst mal oute ich mich auch als Mitglied der Zeheneinrollfraktion. Mit denselbigen kann ich außerdem verstreute Papierblätter vom Boden aufsammeln, Teppichfransen ‚glattkämmen‘, Blumen pflücken usw. Ich kann barfuß sogar Autofahren. Letzteres ist weniger unnütz als unzulässig, weil nämlich eine Gefährdung des öffentlichen Straßenverkehrs – wird jedenfalls von den Hütern des Gesetzes behauptet.

7. Ich kann sauber und wie von der Nähmaschine getackert mit der Hand einen Saum umnähen. Das ist solange völlig sinnlos, wie man seine Nähmaschine nicht auf Nimmerwidersehen an die freundliche Nachbarin verborgt hat, die sie dann beim Umzug aus Versehen mitnimmt.

8. Als alteingesessene Platten-Siedlerin kann ich die Fahrstuhlsprüche im hauseigenen Aufzug den jeweiligen Bewohnern und Besuchern meines Hauses zuordnen. Man kennt schließlich seine Pappenheimer. Aber wer will sowas schon hören? Hm, außer dem Hausverwalter vielleicht. Doch dazu stehe ich viel zu sehr auf diese Sorte Alltagspoesie, um gerade dem mein unnützes Wissen preizugeben.

9. Ah ja, und wo wir grad so schön bei der Mietergemeinschaft sind: Ich kann durch meine eigenen vier Wände anhand der Lautstärke der Beziehungsgespräche, der Erziehungs- und Sexgeräusche meiner lieben Nachbarn kompetent Auskunft geben, wie es um deren Haussegen Wir windehen dir…bestellt ist. Obwohl ich darauf gut und gern verzichten könnte. Jaha, Platte is hellhörig.

10. Ich kann – immer noch und sogar mit Begeisterung – aus Löwenzahn und Gänseblümchen Kränze winden, um sie entweder mir selber oder auch mal Scharen von wildfremden Kindern ins Haar zu setzen. Bin halt ’ne alte, unverbesserliche Romantikerin.

*

10.a (außerhalb des Protokolls) Ach Wolf, außerdem bin i c h diejenige, die den besten Kartoffelsalat ever kann. Unnütz daran ist, solches im virtuellen Raum gegenseitig zu behaupten. Vielleicht sollten wir mal zu ’nem Salat-Contest antreten… ;o)

So, und nun weiß ich gar nicht, wem man das Stöckchen noch zuwerfen könnte. Vielleicht mag ja noch jemand – freiwillig?

*siehe auch im Kommentar

8 Kommentare »

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  1. Eindrucksvoll. Und natürlich nicht im geringsten unnütz. Mach doch bitte nem alten Co-Blogger ne Freude und zauber mal Deinen Lieblings-Marple-Dialog aus dem Plattenhexenärmel, bin gespannt!

  2. Den besten Kartoffelsalat diesseits des Pecos, I said. Was weiß denn ich, was die Indianer jenseits treiben😉

  3. Ach ja – nochmal zum Kyrill – have you met? – :

    http://volkerstruebing.wordpress.com/2007/01/20/rezepte-fur-ein-besseres-leben-ii-krauterquark-kyrill

  4. … was selbstverständlich einen Eintrag weiter runter gehört hätte, knurz… Humja, die Stunde ist eine ungastliche…

  5. @frederic: Aber gerne doch. Was tut man nicht alles für einen alten Co-Blogger. ;o) Obwohl es natürlich d e n Lieblingsdialog nicht gibt… oder viele. Und man sie am besten natürlich synchron mitschwafeln kann. Sie können mich mit einigem Recht eine alte Jungfer nennen… – öhm, untersteh dich!*g*, das gehört schon zum Dialog:

    -Inspektor Craddock (zögernd): „Ich… das heißt wir sind nach langem Überlegen zu der Ansicht gekommen, was Sie im Zug gesehen haben…“

    -MM (lauernd): „Ja!?…“

    Inspektor (um Ruhe bemüht): „…waren…hm, ein Mann und eine Frau…“

    -MM (eifrig & leicht genervt): „Ja, das ist eindeutig.“

    -Inspektor (vorsichtig): „Ich will damit sagen… die beiden befanden sich vielleicht auf der Hochzeitsreise…“

    -MM (ihm empört ins Wort fallend): „Herr Inspektor! Sie können mich mit einigem Recht eine alte Jungfer nennen, aber trotzdem kenne ich doch den Unterschied zwischen einer Umarmung und einem Mord.“

    Blablabla…. (sonst wird’s zu lang ) ;o)…

    MM (herausfordernd): „Sie ziehen also meine Aussage in Zweifel.“

    Inspektor (beschwichtigend): „Das würde ich mir nie erlauben.“

    MM: „Erlauben nicht, aber Sie tun es.“ […]

    Inspektor (in Erklärungsnot): „[…] Die beschriebene Person ist weder beim Ein- noch beim Aussteigen von jemandem gesehen worden.“

    MM (schnippisch): „Seit wann können Tote aussteigen?“

    Inspektor (rechtfertigend): „Aber… ich will sagen…“

    MM (sich in Rage redend): „Ich gestatte mir nicht, Ihnen Vorwürfe zu machen, aber glauben Sie ja nicht, dass ich das so einfach auf mir sitzen lasse. Wenn Sie meinen, eine alte, schwachsinnige Jungfer vor sich zu haben, dann haben Sie sich getäuscht. Guten Tag!“ (Rausschmiss)
    (aus: 16 Uhr 50 ab Paddington)

    Applaus büdde! *g*

    Ui, nu is aber gut (und hey, es war ja nicht m e i n e Idee). Ich glaub, ich brauche einen Nebenjob, in dem man mal so richtig Regieanweisungen geben kann. :o)))

  6. Hey Wolf, was weiß denn ich, was du da für Kartoffelsalat-Areas auf- und ausmachst. Und wo liecht denn überhaupt d e i n Pecos? Oder soll das jetzt etwa nur ein Rückzieher sein? Ha, die Squaw buddelt das Kriegsbeil aus *wetzwetz* ;o))

    Und: Jaha, hab ich. Also den kyrillischen Quark jetzt. Hattest du nicht neulich schon mal an dero leckerem Bockwurstjoghurt rumgenascht… ähm, -geblöggelt? ;o)

  7. Für den- oder diejenige(n), die hier nach der Hanna-Cash-Ballade gesucht haben und ‚mal reinhören‘ wollten:

    das geht hier, beim BARBArossa Musikverlag nämlich. Der hat die Scheibe „Eines alten Seebären Schwanensang“ heraus gebracht, auf der Ernst Busch in seiner einzigartigen Weise auch die Hanna Cash besingt. Wer für die guten alten Busch-Songs was übrig hat, dem sei sie herzwarm empfohlen – es lohnt sich.🙂

    Das Ganze natürlich auch bei amazon.

    Gern geschehn.😉

  8. i’am really impressed!!


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