Lichtschwerter zu Schnee(p)flugscharen oder: Ein bisschen Weihnachten

Dezember 11, 2006 um 2:05 am | Veröffentlicht in Fest-Platte | 1 Kommentar

Vorweihnachtstrubel allüberall.

Zur Weihnachtsstimmung mitsamt dem drumherum drapierten Lamettakerzengeschenkeklimbim hat ja so mancher ein recht gespaltenes Verhältnis und geht den Erscheinungsformen des festlichen Treibens, so gut er kann, aus dem Wege. Was allerdings in hiesigen Breiten nicht immer so einfach ist.

weihnachtsbeleuchtung Nur keine falschen Hoffnungen! Auch die Plattenwüste ist mitnichten ein idealer Zufluchtsort für Weihnachtsmuffel. Bei jeder Rückkehr aus der dienstlichen Innenstadt ins traute Betonien trifft den feierabendmüden Platten-Siedler schon auf dem Anliegerparkplatz die gleißend geballte Faust nachbarlicher Balkonbeleuchtung. Und zwar voll aufs Auge. Und es kommt mir so vor, als hätte die Weihnachtsmafia neue Highlights (im wahrsten Sinne des Wortes) auf den Markt geworfen. Oder war das Geflacker und Geflimmer, das Aufleuchten und Verglühen unzähliger Lämpchen in ausgeklügelten Intervallen im vorigen Jahr auch schon so schlimm? Die geplagte Netzhaut sagt nein und reagiert mit traumatischen Zuckungen. Ui, und die Energieverbrauchsspitzen dürften lustig Kobolz schießen…

Heftiger geht’s nur noch auf der Weihnachtmeile, die sich natürlich auch hier keines der jeweils zuständigen Einkaufs-Center nehmen lässt. Merke: Die sogenannte Weihnachtsmeile ist sowas wie ein in die Länge gezogener, rudimentärer Weihnachtsmarkt, wobei die angegebene Maßeinheit meist eine ziemliche Hochstapelei darstellt und die Hauptzielgruppe der vom Kaufrausch besessene Familien-Fest-Designer ist. Auf den neben besagten unsäglichen Lichterketten, maschinengeklöppelten Platzdeckchen mit Weihnachtsdekor, Armeen von Schokoladenweihnachtsmännern und lebensgroßen Plastik-Rentieren für den Vorgarten auch so nützliche Dinge wie handgeschnitztes Küchenzubehör oder klumpfüßige Hausschuhe mit Tiergesichtern warten.

Seine Sprösslinge kann der umworbene Meilenläufer praktischerweise am Bastelstand der Betreuerschar eines ansässigen Vereins zu treuen Händen übergeben. Die lässt sie dort an einem eigenen Kochlöffel als Weihnachtsgabe für ihre Erzeuger schnitzen, während selbige ungestört das Familienbudget aufn Kopp kloppen.

dicke-weihnachtsengel.jpg Nebenan, auf einem rohholzgezimmerten Bühnenpodest, dessen Blöße mit besterntem Weihnachtstuch umhüllt ist, gibts „Oh, du fröhlichehää…“. Dies in der Interpretation spätpubertierender Weihnachtsengelinnen, die ihre Babyspeckhüften in karierte Minröcke gezwängt und an den schwierigen Stellen der Melodei meist einen halben Ton neben dem richtigen übrig haben. Aber wer merkt das schon, wenn er gerade in die Fänge eines wortgewandten Handy- oder Düfteverkäufers geraten ist, der heftig an einem rumevaluiert, für wen aus der buckligen Verwandtschaft sein Produkt das ultimative Geschenk ist.

Ich find ja das Beste in diesem klaustrophobischen Treiben immer noch den Bratwurststand. Mit einem freundlich glimmenden und rauchenden Holzkohlengrill. hmmm lecker-bratwurst.jpg Wenn man schon hier durch muss, dann sich im Vorbeigehen eine echte Thüringer Rostbratwurst genehmigen, zielgenau hingeleitet durch den schnuppernden Nasenwegweiser. Kein Weihnachtsmarkt und keine noch so kurze Weihnachtsmeile ohne Bratwurstessen. Das ist im Norden nicht anders als in Berlin oder den deutschen Südstaaten – na gut, dort mampft man vielleicht eher eine Nürnberger oder woher die Wurstprofis da sonst so kommen. Dazu kann man ja eventuell mal bei den Experten recherchieren.

Glühwein ist ja in diesem Jahr nicht so der Renner. Wen wunderts bei Temperaturen, in denen verwirrte Bäume Knospen ansetzen und die Kneipenbesitzer sich nicht entschließen können, die Biergärten einzumotten. Ach, der verflixte Klimawandel wird uns noch unsere weiße Weihnacht vermiesen, gegen die man ja nun wirklich nichts hätte. Und ich habe so meine Zweifel, ob daran unser Stadtoberhaupt, der Wowi, was ändern kann, auch wenn er den grünsten aller Berliner Weihnachtsbäume am Roten Rathaus per Fahrradstrampeln zum Leuchten gebracht hat – er hat ja damit inzwischen auch schon wieder aufgehört… also der Wowi jetzt, nicht der Baum. Aber vielleicht ist das ja ’ne klasse Idee für die Beleuchtung des Weihnachtsgewächses zu Hause, um den Gänsebraten wieder von den Hüften zu kriegen?!
berliner-weihnachtsbaum-nicht der vom wowi.jpg
Ach was, allen Weihnachtmuffeln und solchen, die es (nie) werden wollen, eine erleuchtende und besinnliche Adventszeit!

1 Kommentar »

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  1. Yeehaa! Content! :o) Sieht sogar richtig nach was aus.


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