…Where’d All The Good People Go?
Oktober 4, 2008 at 10:07 | In 2007, 2008, Bloghexe, Drumherum und anderswo, Free Burma, Geschichtsbuch, Hexen-Gedanken, Kalenderblätter, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Politisches, So Momente halt... | 1 CommentTags: Blogger, Blogosphäre, Erinnern, Free Burma, Gesellschaft, Leben, Menschen, Oktober, Politik, Solidarität
Heute vor einem Jahr – do you remember?
Wisst ihr noch?
Heute auf den Tag genau vor einem Jahr gab es neben vielen Real-Life-Bekundungen auch in der internationalen Blogosphäre einen großen und herzwarmen Akt der Solidarität für ein kleines gebeuteltes Volk, von dem viele damals vielleicht zum ersten Mal ergoogelten, wo dieses Land überhaupt liegt.
Dem Aufruf “One blogpost for Burma” folgten damals in einer konzertierten Aktion tausende Blogger über Ländergrenzen und Ozeane hinweg.
Erinnert ihr Euch? Die Regierung und das Militär von Myanmar (Burma, Birma) erstickten damals die friedlichen Proteste der Mönche in den Safrankutten und verzweifelter Menschen in diesem Vielvölkerstaat gegen Hunger und Repressionen und für ein freies Burma mit Terror und Blut. Und der Bloggertag der moralischen Unterstützung, dessen stringente Organisation über engagierte Aktivisten und deren Netzwerke mich schwer beeindruckte, stieß allerorten auf offene Augen und Ohren. – Wenn man mal von den paar nörgelnden kritischen Stimmen absieht, die den Organisatoren und dem solidarisch geeinten Bloggervolk Aktionismus, Einäugigkeit hinsichtlich des Elends der Welt und was weiß ich noch vorwarfen…
Es ist still geworden um die Ereignisse und die Situation in Burma. Nicht z u still? Gar totenstill?
Oh, falls es einer nicht weiß, es hat sich nicht viel geändert dort, nachdem der Widerstand und Protest der Septembertage von 2007 durch die Diktatoren gebrochen wurden. Schon gar nicht zum Besseren, nachdem zu allem Überfluss der Zyklon Nargis auch Myanmar heimgesucht und verheerende Zerstörungen hinterlassen hat. (Hand aufs Herz, wer hat bei Deutschland hilft mitgemacht und für die Opfer gespendet?) Das Land ist weitgehend nach außen abgeschirmt, auch der Zugang zum www. Viele der damals Verhafteten sitzen immer noch in den Gefängnissen, viele Mönche und Dissidenten sind verschwunden, getötet, hinter die Grenzen der Nachbarstaaten oder weit weg geflohen oder untergetaucht. Der Hunger, Zwangsarbeit und Repressionen – es gibt sie immer noch. Mit dem unter Einschüchterung und Druck abgehaltenen Referendum über eine Verfassung – von deren Ausarbeitung die Opposition ausgeschlossen war – hat die Militärdiktatur im Mai 2008 ihre Macht festklopfen lassen. Scheinheilige ‘Schönheitskorrekturen’ der Machthaber sollen die Weltöffentlichkeit täuschen…
Um an diese Informationen zu kommen, muss man heuer schon ein bisschen im Netz kramen. Man stößt auf Burma-Seiten, auf denen man hin- und her gerissen zwischen Besorgnis und Enttäuschung, ja, sogar eigenem schlechten Gewissen, seit Herbst 2007 keine Aktivitäten mehr verzeichnet. Ja, es ist still geworden…(Das letzte deutliche Lebenszeichen der Free-Burma-Initiative vom vorigen Jahr habe ich als Umfrage zur Aktion vom 4. Oktober 2007 in Erinnerung. Und die Free-Burma-Banner sind von den meisten Blogs mit der Zeit wieder verschwunden.)
Totenstill? Nein, ganz so ist es nicht. Es gibt – auch in Deutschland – viele Aktivisten, die sich unermüdlich für die Menschen in Burma einsetzen, zum Beispiel hier oder hier oder hier. Ein Schweizer Journalist hört nicht auf, über die Situation dort zu berichten, ebenso das zweisprachige (Englisch und Burmesisch) Online-Magazin BURMA DIGEST.
Das aus den USA agierende web-Projekt Avaaz.org unter der Leitung des kanadischen Weltbürgers Ricken Patel mobilisiert via www erfolgreich eine internationale Community. (Danke an stefan888 für den erhellenden Blog-Beitrag.)
Und trotzdem beschleicht mich immer wieder das Gefühl, als hätten die Kritiker und Skeptiker der Bloggeraktion “Free Burma” von vor einem Jahr irgendwie Recht behalten – was meint i h r? Bauen die Menschen dort – und überall in der Welt – nicht weiter und immer wieder auf uns? Müssen wir nicht mehr tun?
Ach ja, und verdächtigt jetzt wen ihr wollt des Gutmenschentums. Ich jedenfalls bin ins Grübeln geraten – und sollte ein besserer werden, glaube ich. Und wäre ich es dann einmal, empfände ich diesen Verdacht als eine Ehre…
Glittering Saffron
(by NAY YU, via BURMA DIGEST)Where are those voices of ‘Metta’?
While the Evils still in power
Where are those Saffron power?
Glittering in the sky
Deep in our mind
Though Evils rule our land
With their bloody hands.
Where are those ‘Sons of Buddha’?
While the guns still pointing our hearts
Where are those ‘Peaceful Walks’?
Glittering beyond the horizon
Still shining for the by-gone
Though Evils rule our land
With thier bloody hands.
Quellen: Bild „Free Burma“ – StuCkCaRBoy; Videos via Youtube (1, 2 und 3: Song von Jack Johnson: „Where’d All The Good People Go“.)
El Cantor oder Der andere 11. September
September 11, 2008 at 11:45 | In 2008, Drumherum und anderswo, Geschichtsbuch, Kalenderblätter, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, Real-Politisches, So Momente halt..., Uncategorized | Leave a CommentTags: 9/11, Chile, Dichter, Folk, Musik, Sänger, Victor Jara
Wie schwer ist das Singen,
wenn ich den Schrecken singen muß.
Den Schrecken, den ich lebe,
den Schrecken, den ich sterbe.
Mich selbst unter so vielen sehen
und so viele Augenblicke der Unendlichkeit,
in denen Schweigen und Schreie
das Ende meines Gesanges sind.
Was ich sehe, habe ich nie gesehen.
Was ich gefühlt habe und was ich fühle,
wird den Augenblick erschaffen…
Victor Jara. Aus seinem letzten Gedicht, geschrieben
kurz vor seiner Ermordung im Estadio de Chile.)
in heller Spätsommermorgen. Die Sonne hat nicht mehr die Kraft wie vor ein paar Wochen. Sie ist sanft und ein bisschen müde geworden, aber sie gießt uns noch Wärme auf die Haut, weiches Licht in jeden Winkel und eine Stimmung in uns, die sich nach Abschied anfühlt. Solche Tage nennen wir Altweibersommer, goldenen Herbst, Indian Summer oder wer weiß wie sonst noch. Ich liebe ihre melancholische Schönheit.
Jener 11. September war so ein Tag, glaube ich mich zu erinnern. —
Bis die Flugzeuge durch den Himmel donnerten, die… nein, nicht in zwei Türme rasten,
sondern Bomben auf die Moneda, den Sitz ihrer demokratischen Regierung, warfen;
bis faschistische Militärs, unterstützt vom Geheimdienst einer Weltmacht, die den Verlust ihres Einflusses und ein neues Kuba fürchtete, ein Land und seine junge Demokratie in Blut und Terror ertränkten;
bis die Putschisten den vom Volk gewählten Präsidenten Salvador Allende und tausende unschuldiger Landsleute ermordeten;
bis sie eine grausame Diktatur errichteten, die Hoffnung von Millionen Menschen dieses Volkes auf ein besseres und friedliches Leben für Jahre erstickten – erschossen, erschlugen;
bis sie Bücher verbrannten und die Stimme ihrer Poeten zum Schweigen brachten.
In diesem Land, das uns näher war als je zuvor, näher als der ferne Kontinent, auf dem es liegt. An diesem 11. September 1973. Heute vor 35 Jahren. In Chile.
Vor ein paar Tagen wurde ich auf besondere Weise an dieses Datum erinnert, dessen Bilder sich ins Hirn eingebrannt haben: ich erhielt per E-Mail eine Einladung zu einem Konzert für Victor Jara. Leider kann ich sie nicht wahrnehmen. Doch es war Grund genug, wieder einmal seine Lieder zu hören.
Victor Jara, der große Dichter und Volkssänger und glühende Kämpfer für ein freies Chile, Mitbegründer der Bewegung Nueva Canción Chilena. Er setzte seine Gabe bewusst für seine Überzeugungen ein. Seine Waffe war die Gitarre. Sein Porträt schaute gemeinsam mit dem Salvador Allendes von den Plakaten der linken Unidad Popular. Keiner sang in seinen Liedern so wie er die Sprache des einfachen Volkes. Es liebte ihn für all das und verehrte ihn so sehr wie seine Gegner ihn dafür hassten und fürchteten.
Die erkannten und ergriffen ihn am 12. September in der Universität von Santiago, wo er sich mit einigen seiner Studenten versteckt hielt, trieben ihn mit Schlägen und zusammen mit 5000 anderen Gefangenen in das “Estadio de Chile”. Um den Gefährten gegen die tagelangen Grausamkeiten Mut zu machen, begann er zu singen. Die Soldaten brachen und zerschlugen ihm die Hände, damit er nicht mehr spielen konnte. Sie verhöhnten ihn, er solle doch singen, wenn er ein Sänger sei. Und Victor – sang: die Hymne der Unidad Popular (“Venceremos”). Da prügelten sie ihn wütend zusammen und erschossen ihn
zuletzt mit einer Maschinengewehrsalve, wahrscheinlich am 16. September 1973 – sein genauer Todestag ist nicht bekannt.
“Seine Mörder haben die Macht seiner Lieder unterschätzt”, sagte seine Frau Joan einmal. Das Chile, für das er gekämpft und gesungen hat, wird ihn und diese Lieder nie vergessen, singt sie bis auf den heutigen Tag. Wie die bekannten Folkgruppen Inti Illmani und Quilapayún beispielsweise, deren Profilierung Victor in ihrer Anfangszeit noch selbst unterstützte.
Viele internationale Künstler und namhafte Sängerkollegen haben Victor Jara, seinem Leben und Sterben in ihren Liedern ein Denkmal gesetzt, so die russische Chansonette
Shanna Bitschewskaja, die deutsche Folkband Zupfgeigenhansel und der Liedermacher Hannes Wader. Besonders anrührend finde ich die englischsprachige Ballade nach einem Text von Arlo Guthrie, selbst Sänger und Sohn der Folk-Legende Woody Guthrie, in der Interpretation des Australoschotten Alistair Hulett:
(Die Zupfgeigenhansel-Version scheint mir übrigens an den Guthrie-Text angelehnt zu sein.)
Victor Jaras Stimme selbst trifft dich auch heute noch mitten ins Herz, treibt mir – immer noch – manchmal Tränen in die Augen.
Wer seine Lieder nicht kennt und/oder einmal echte südamerikanische Folkmusik hören will, die nichts, aber auch gar nichts mit den allbekannten Fußgängerzonen-Verschnitten zu tun hat, der stöbere mal in diesem Beitrag oder den Youtublichkeiten oder – viel besser – tue sich die Victor-Jara-Complete an. Glaubt mir, ihr werdet es nicht bereuen; der Viertelhunni für 4(!) CDs mit seinen wichtigsten Liedern ist ein wahres Schnäppchen und jeder der 92 Songs das Anhören wert. Umso mehr, als seine Texte und Übersetzungen davon schwer zu finden sind und der Box ein umfängliches Booklet mit wundervollen solchen beiliegt. Ihr findet in der Edition nicht nur seine Revolutionssongs, sondern auch so bezaubernde Liebeslieder wie das “Te recuerdo, Amanda” (An dich denke ich, Amanda) für seine Frau, das vertonte Poem 15 des großen Pablo Neruda (der auch wenige Tage nach dem Militärputsch von 1973 gestorben ist) oder Volksliedgut, von dem man manchmal gar nicht wusste, dass es chilenisches ist.
Das ebenfalls enthaltene “Manifiesto” (wunderbar poetisch) kann man als eine Art Credo oder auch Vermächtnis des Sängers verstehen:
Manifiesto (1973)
Ich singe nicht, um zu singen,
weil ich eine schöne Stimme habe,
ich singe, weil die Gitarre
tiefen Sinn und Verstand hat.Sie hat das Herz von Erde
und Flügel eines Täubchens.
Sie ist wie geweihtes Wasser,
ist Segnung, Glorie und Leid:Hier stimme ich mein Lied an,
wie Violeta es sagen würde.
Die Arbeiterin Gitarre
hat einen Duft nach Frühling.Sie ist nicht Gitarre der Reichen,
dazu gibt sie sich nicht her.
Mein Lied steigt auf die Baugerüste,
um hoch zu den Sternen zu fliegen.Der Gesang hat einen Sinn,
tönt er in den Adern des Sängers,
der auch noch beim Sterben
die Wahrheit offen heraussingt.
Weder flüchtigen Schmeichel
noch fremden Lobgesang,
sondern den Gesang einer Lerche
bis tief auf den Grund der Erde,wohin alles gelangt
und wo alles beginnt.
Hat der Gesang Mut bewiesen,
wird er immer neues Leben haben.
Und für den Fall, dass jemand mehr über diesen charismatischen Barden und Menschen erfahren will: Joan Jara, Victors Witwe, hat ein Buch über ihn geschrieben, das 1986 unter dem Titel “Victor. Ein unvollendetes Lied” bei Volk und Welt erschienen ist. (Ich hab natürlich d i e s e Ausgabe, doch wenn ich mich nicht total irre, ist es der selbe Inhalt, den btb anderthalb Jahrzehnte später als “Das letzte Lied” herausgebracht hat.) Sie ist keine professionelle Autorin, doch niemand kannte ihn so gut wie sie – vielleicht macht gerade diese Kombination das Bändchen so wertvoll.
P.S. Im September 2003, lange 30 Jahre nach dem Militärputsch, erhielt das Estadio de Chile den Namen Victor Jara. Gegen nur einen einzigen der Verantwortlichen für seine Ermordung wurde (erst 2004) Anklage erhoben. Der Verräter an seinem Präsidenten Salvador Allende, Putschistenführer und spätere Diktator, General Augusto Pinochet, wurde nie zur Verantwortung gezogen und starb als alter Mann 2006 friedlich und offenbar ruhigen Gewissens dahin. Dem chilenischen Volk gelang es erst 1988, das Militärregime per Volksabstimmung zu beseitigen. Und hat sich von den Folgen der grausamen Diktatur bis heute nicht erholt.
Bilder: Hände. Coverfoto der Audio-CD Pongo en Tus Manos Abiertas. Requiem für Victor Jara – Wolfgang Mattheuer, 1973. Der Rest: creative commons Lizenz. Musik-Videos: sparky2086 und yekolennon, youtube.
Heile, heile… Welt?
Juni 26, 2008 at 5:26 | In 2008, Alles platti, Berlin, Drumherum und anderswo, Hexen-Gedanken, Kultur, MarktLückenbauten, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, Real-Politisches, SchilderBilderbuch, Wetter-Hexe | 1 CommentTags: Heile Welt, Leben, Loriot
Nach-Wort und -Bild zum Sonntag
Ich mag diese Wochenenden, an denen alle unter der Hitze stöhnen und die Sonne hemmungslos vom Himmel knallt. Sie sind wie für mich gemacht – ich bin ein Sommermädchen. Ja, so eins mit den immerzu kalten Füßen, solange die Temperaturen unter zwanzig Grad rumbibbern.
Ha, aber jetzt ist Barfußzeit! Und nach dem ganzen Wochenstress fühlt sich kaum was so gut an wie eine Wiese unterm Bauch, die Grasspitzen auf Augenhöhe, ein Buch vor der Nase, leises Windfächeln und Bienengesumm um die Ohren. Hm, und ist man zu träge, sich irgendwo hinzubewegen, tuts auch der Balkon. Doooch… die sonnenwarmen Sohlen
ohne Schuh’
und ohne Strümpf’
und ohne Hatz
auf die Brüstung gestemmt, lasse ich ein lecker-kühles Zitronensorbet zwischen den Lippen schmelzen und faulenze mit halbgeschlossenen Augen vor mich hin. Das Seniorenheim gegenüber hat einen Leierkastenmann angeheuert und altberliner Musike weht gedämpft zu mir herüber… Die Stimmung hat sowas von heiler Welt – jedenfalls, solange sich die Hoffnung hält, dass der mit der Drehorgel nur für eine Stunde gebucht ist.
Die einzige heile Welt übrigens, die ich höchstpersönlich kenne, döst ausgerechnet an meinem gelegentlichen Dienstweg vor sich hin. Wobei kennen ja eine maßlose Übertreibung ist.

Sie ist tagsüber nämlich immer geschlossen. Was zunächst nicht weiter tragisch anmutet, weil ich sowieso zur Tür nebenan rein muss. 
Die Treppe hinter d e r gehört zu einer sehr sympathisch geführten Sprachschule und hallt üblicherweise von babylonischem Gezwitscher aus aller Herren Länder wider – außer wenn gerade Unterricht ist. Dann hat man auch mal Muße innezuhalten für stille kleine Details, die das schweifende Auge im sorgsam und liebevoll bewahrten Flair einer alten Berliner Großstadtvilla entdeckt. Hier scheint die Welt in Ordnung. Auch für Minderheiten. Was sich bekanntermaßen nicht unbedingt in die Breite verallgemeinern lässt. D a s wiederum lässt einen solche Ideen wie die geplante Schließung des kleinen aber feinen Radio multikulti (dem ich selber schon die Ehre hatte, ein Interview zu geben) durch die hauptstädtische Mutteranstalt weniger als Greifen nach dem Rettungsanker denn als einen Griff ins Klo sehen. (Zur einschlägigen Un-Willensbekundung gehts zet Be hier lang.)
Allerdings (und weil wir eh grad bei Minderheiten sind) würde man ja auch gern mal einen Blick hinter die Rolläden der “Heilen Welt” riskieren, die sich als Cafe-Bar outet und nach einschlägiger Information eine von den stylüschen, für Hinz UND Hetero sehr gastlichen, City-Schwulenkneipen – sogar mit Kuschelfell an den Wänden – ist. Verbirgt sich hinter dem Namen nun ein Orakel, eine Vision… ein Konzept… oder die pure Ironie einer um_weltgebeutelten Zielgruppe. Letzters liegt nahe, seitdem jüngstens in der Eingangstür öffentlich eine heileweltfremde Reglementierung ausgeschildert ward:
Doch es zählt ja der gute Wille. Schließlich gibt es – gleichfalls an Hexis Dienstweg – weitaus guerillierndere und unheiligererere WeltKonzepte:
***
Wenn man so oft wie die Hex’ andauernd dort in der Gegend um die Bülowstraße rumscharwenzelt,
muss einem zum weitläufigen Thema so unversehens wie zwangsläufig ein welt-weiser Blaublüter aus altem meckpommschen Ritteradel einfallen, der hochverehrte Freiherre Loriot nämlich. Schließlich gilt er als unermüdlicher Erfinder seiner eignen der heilen Welt (u.a. mit leckerer Postkartenabteilung). Außerdem als exzellenter Kenner all ihrer unheiligen Irrungen und Wirrungen (äh nee, letztere warn schon vom Herrn Nachbarn, aber der hat se uns vererbt. Holla, und der Ritter von Bülow wird heuer demnächst auch schon fümfunachzich – Kinder, wie die Zeit vergeht!) Die Suche nach der- und denselbigen ist beim Loriot, genauso wie ihr kicherndes Beklagen, ‘ne Berufskrankheit. Die ihn bis in die eigene und fremde Badewanne hinein verfolgt. Eine schmunzelnde und kultige Wiederentdeckung, die es wert ist geteilt zu werden:
ABER DIE ENTE BLEIBT DRAUSSEN!
*
H i e r draußen, vor Fenster und Balkon, entlädt sich inzwischen ein donnerdrummelnder Wolkenbruch und heilt die dürstende Welt.
Bilder: Selbereigene. Loriot auf der heilen Welt und der Hundskerl: aus Loriots heiler Welt.
Helden sind – männlich? Out? Tot?
März 11, 2008 at 4:07 | In Hexentanz, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Politisches, Wetter-Hexe | 4 CommentsTags: Helden, Leben, Lexikon, Werte
Auf leisen Sohlen wandeln die Schönheit,
das wahre Glück und das echte Heldentum.
(Wilhelm Raabe in „Alte Nester“)
Die stürmisch ungestüme Dame Emma hat uns ja jüngstens einen neuen Helden beschert, der ein von ihr zum Spielball erkorenes Flugzeug aus Hamburgs Himmel heil zu Boden knutschte landete. Naaa, also mindestens einen. Denn eigentlich waren es beinahe sogar zwei. Wenn man denn den jugendlichen Amateur, der mit seinem Video im Internet den brötchenverdienenden Journalismus in Sachen Aktualität um Längen geschlagen hat, auch einen nennen darf – des Tages. Was einschlägige Diskussionen im Web zum Ereignis halbwegs implizieren.
Grund genug, mal über heutiges Heldentum zu krautern? Na, aber klar doch.
Helden sind männlich. Meist männlich. Sagt Wikipedia:
Ein Held (althochdeutsch helido) ist eine (meist männliche) Person mit besonders herausragenden Fähigkeiten oder Eigenschaften, die sie zu besonders hervorragenden Leistungen, sog. Heldentaten, treibt. Dabei kann es sich um reale oder fiktive Personen handeln…
usw. usf.
Oha. Das bringt Eine(n) doch – nicht nur, wenn mans ausgerechnet am Internationalen Frauentag gelesen und mal so sacken lassen hat und sogar, wenn man alles andere als eine militante Emanze ist – irgendwie ins Grübeln. Erst recht, wenn ein paar Zeilen tiefer der Verweis folgt:
Zur Heldin vergleiche auch Virago,
und sich unter selbigem die Erklärung findet:
Virago (lat. virago = eine männlich wirkende Jungfrau, auch eine Heldenjungfrau, Heldin; plur. Viragines) bezeichnet im Deutschen (in der gehobenen Umgangssprache) und Englischen – meist abwertend – ein junges „Mannweib“…
Na suuuper! DAS ist also, wenn überhaupt, der weibliche Held?
Mal abgesehen davon, dass zu meiner eigenen Überraschung meine Umgangssprache offenbar nicht gehoben genug ist, diesen Begriff zu meinem alltäglichen Wortschatz zu zählen, gibt es laut Meyers Online-Lexikon nur den „ursprünglichen“ Helden, ebenfalls männlich, im neueren Sprachgebrauch selbigen gar nur noch als handelnde Figur in Literatur, Theater und Film. Die 46-Wörter-Erleuchtung im Brockhaus online enthält wohl schwerlich umwerfend Neues und fällt einstweilen aus, da kostenpflichtig. Bertelsmanns offlinenes Universallexikon in 20 +… Bänden aus den Neunzigern schließlich kennt neben der ausschließlich literarisch-filmischen Deutung noch den unlängst verblichenen Helden der Arbeit – beide hier latent geschlechtslos.
Da fragt man sich doch, ob das Heldensein und seine diversen Definitionen nicht akut reformierungsbedürftig sind. Oder sind die kulturell-historischen Wandlungen des Begriffs zu vernachlässigen? Gehen wir gar vollends heldenlosen Zeiten entgegen, trostlos und ohne real existierende Lichtgestalten? Weil wir keine mehr brauchen? Wird es demnach nicht mal mehr männliche Helden geben?
Sind es etwa gar die traumatischen Nachwirkungen und Auferstehungen unrühmlicher deutscher Geschichte, die uns unsere Helden schleichend zum Unwort stempeln und sie für alle Zeiten sterben lassen, noch bevor sie geboren sind? Hat es HeldINNEN, die k e i n e Mannweiber und brustamputierten Amazonen sind, nie gegeben? Und werden die Helden der Gegenwart und Zukunft etwa um Himmels willen nur noch in bunten und peinlichen Medienförm(at)chen gebacken werden, kurzatmig, mit einer Halbwertszeit und einem Wertelevel, dass sich einem die Nackenhaare gar nicht mehr niederlegen? Fragen über Fragen.
Vielleicht tun wir uns ja so schwer damit, weil die Helden von heute nicht mehr so einfach wie zu Odysseus’, Jung-Siegfrieds oder Ilja Muromezs Zeiten an Schild und Schwert oder womit auch immer bis an die Zähne bewaffnet, hauend, stechend und schießend, auszumachen sind. Und selbst solches wäre kein sicheres Zeichen. Oder sollte denn wer in dem etwas verquer geratenen Spross eines bekannten Königshauses, dem jüngst der Krieg wie eine Badekur bekam, einen Helden sehen wollen?

Der alte Medienfuzzi Fritz Pleitgen, zwar nicht unbedingt einer meiner Lieblingszeitgenossen, hat 2005 für DeutschlandRadio einen sympathisch nachdenkenswerten Beitrag geliefert über die Helden von heute. Man mag nicht alles davon unterschreiben müssen – gelesen haben wollen sollte man ihn vielleicht schon: „Wer sind die Helden von heute?… Es sind die von immer.“
Also falls m i c h einer fragte, könnt ich ihm erzählen, dass ich ständig Scharen von Helden – und -innen! – begegne. Allerdings kaum welchen des per Definition spektakulären Typus, weniger dem Abenteurer und dem Helden des Tages. Nö, eher denen des schnöden Alltags, für die das Leben selber Abenteuer genug ist, oft genug unfreiwillig. Solchen, die nicht bei jeder Gelegenheit groß das Maul aufreißen, aber auch nicht die Klappe halten, wenns not tut. Die jeden Morgen, wenn sie aufstehen, ihr eigenes und auch gleich noch das Leben einer Handvoll anderer beherzt beim Schopfe packen müssen, die schwächer sind als sie. Die auch mal – Augen zu und durch! – gegen den Strom schwimmen. Und bei alldem nicht das geringste Aufhebens drum machen. Schon man selbst zu bleiben kostet heutzutage nicht grad wenig Mut, oder? Und würdest du ihnen ihr Heldentum unter die Nase reiben, lachten sie dich aus – oder fingen an zu heulen…
Meinungen? Vorschläge, wen wir unseren Kindern – außer uns selber, hoff ich mal – ab jetzt als reale Vorbilder und Ausbünde hehren Tuns vorzusetzen haben? Wie wir ihnen „Held“ erklären?
Igitt, bin ich jetzt etwa die moralisierende Klugscheiß-Tante mit dem erhobenen Zeigefinger? Die der gelangweilt gähnende Leser augenrollend von einem Fettnapf in den andern und durch den Schnee von gestern tappen sieht? Ha, letzterer ist das Stichwort! Oder ist es doch der Schnee von heute? Warum nicht alles etwas unangestrengter sehen, statt sich weiter sinnlos abzustrampeln? Schließlich haben schon ganz andere Leute ihr eigenes Fahrrad erfunden.
In diesem Sinne: lasst Blumen Ringelnätze sprechen!
Wir haben zu großen Respekt vor dem,
Was menschlich über uns himmelt.
Wir sind zu feig oder sind zu bequem,
Zu schauen, was unter uns wimmelt.Wir trauen zu wenig dem Nebenuns.
Wir träumen zu wenig im Wachen.
Und könnten so leicht das Leben uns
Einander leichter machen.Wir dürften viel egoistischer sein
Aus tierisch frommem Gemüte. -
In dem pompösesten Leichenstein
Liegt soviel dauernde Güte.Ich habe nicht die geringste Lust,
Dies Thema weiter zu breiten.
Wir tragen alle in unsrer Brust
Lösung und Schwierigkeiten.(Joachim Ringelnatz: Wie machen wir uns gegenseitig das Leben leichter?)
*
P.S. Tja, eigentlich sollte der Eintrag hier einer zum – inzwischen etwas in Ungnade gefallenen und vor allem (bis nächstes Jahr) längst Schnee von gestern gewordenen – Internationalen Frauentag werden. (Jajaah, regt euch ab, ich find ihn immer noch passender als Muttertag, auch wenn ich höchstpersönlich weder auf den einen noch auf den andern angewiesen bin. Und komme mir jetzt bloß keiner mit dem angeblich nur für die Weibsbilder inszenierten Valentinstach!
) Gewidmet gedacht war er – womit nochmal ein kleiner Haken zum natürlichen Element des Eingangshelden geschlagen sei – einer echten Frau u n d Abenteurerin u n d HeldIN, von Beruf Himmelsstürmerin. Leider hab ich mich in der allgemeinen Krise des Heldentums hoffnungslos verfranst. Wegen einem doofen Wiki-Eintrag! Memo an mich selbst: Himmel_stürmen bei nächster Gelegenheit.
Bilder: Julia(-Emma): Susanne Bormann; Heldentasse: Ossiladen; Die drei Bogatyry von Wiktor Wasnezow via Wiki; Wir sind Helden: via WDR Rockpalast; Held Müller: Neuköllner Oper.
Licht an, Licht aus oder was?
Dezember 8, 2007 at 7:45 | In 2007, Alles platti, Hexen-Gedanken, Hexentanz, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Politisches, Uncategorized | 3 CommentsTags: Blogosphäre, Gesellschaft, Leben, Sex, Umwelt
Ich hatte mich schon gewundert, warum heut plötzlich die Zugriffe auf meinen schon etwas angestaubten „Licht-aus!“-Blog in für meine Verhältnisse schwindelerregende Höhen schießen. Vorher taten sie das nur gelegentlich exzessiv – bevorzugt nachts – wegen eines leicht anzüglichen Comic-Bildchens sexuellen Inhalts, das dort leihweise Verwendung fand.
Die stromlose Erleuchtung fiel mir wie ein Betrunkener im Dunkeln vor die Füße: Ich bin Hellseherin, Vordenkerin!! – was auch immer. Meine private und einsame Initiative zum Energiesparen zielte seinerzeit zwar eher gegen Strompreiswucherer sowie auf die Verbesserung der zwischenmenschlichen Kontakte und gute Nachbarschaft. Und sämtliche erhellenden Gedanken dazu waren fern von eventuellen Folgen für länderumspannende Stromnetze – lassen sie die Leut’ doch problemlos auch dezentral für einen guten Zweck enger aneinander rücken.
Doch die Idee dahinter ist, wie man sieht, auch auf die den Menschen, Zwischenmenschen und Nachbarn verbindende Sorge um unsere Umwelt transformierbar.
Was die heutige 5-Minuten-Licht-aus-Aktion angeht, bin ich allerdings etwas verwirrt. Und nicht nur ich, dem Frederic zum Bleistift geht es ähnlich. Denn augenscheinlich gibt’s zum Plan auch einen Gegenplan… und Rufer in der Wüste Warner und Spötter und so. Und mit dem eigenen Halbwissen über zu erwartende Effekte – über das anderer maßt man sich ja kein Urteil an – weiß unsereins nicht so recht, was tun, und neigt dann vielleicht doch mehr zum… Vermeiden und Abwarten?
Samanta hingegen weiß ganz genau, was sie will, egal, obs dunkel oder hell ist:

Jawollja, es lebe die Energie des Zwischenmenschlichen!
Bild: (sicherheitshalber) Creative commons
Von gläsernen Menschen, dem Hausapotheker Erich Kästner und Lost Boys, die erwachsen werden
November 19, 2007 at 3:30 | In Alles platti, Berlin, Drumherum und anderswo, Hexentanz, Kultur, Mitmensch - unbekanntes Wesen, Real-Poetisches, Real-Politisches | 2 Comments
origen Sonntag hab ich mich nun auch nach Karlsruhe aufgemacht, naja, jedenfalls den Herrn Anwalt schon mal für mich losgeschickt, Verfassungstreue einzuklagen. Seit letzter Woche sind es übrigens über
13. 000. 13. 000 und eine Hexe gegen den Staat. Und gegen die Rechtskraft des Gesetzes vom Gläsernen Menschen zur Vorratsdatenspeicherung. Womit sich die Zahl der von Herrn Starostik vertretenen Mandanten seit besagtem Schwarzen Freitag des deutschen Parlamentarismus vorerst mehr als verdoppelt hat. Und die Möglichkeit, hier ein Gleiches zu tun und ihn mit einem weiteren Mandat zu betrauen, wurde als verfrühtes Weihnachtsgeschenk jetzt bis zum 24. Dezember verlängert. Falls noch jemand von denen, die demnächst im Glashaus sitzen sollen, mit Steinen werfen sich dagegen wehren will.
Ich bin ja von Natur aus eigentlich kein Klageweib, und mein Gewissen ist sowas von glasklar und rein. Dochdoch, ich habe NICHTS zu verbergen, bin sozusagen ein offenes Buch. Aber wen ich da drin rumschmökern lass’, möcht’ – bittschön! – meine Sache sein. Und geht gar niemand Anderen nicht nix an, auch den Staat nicht. Wollt ich nur mal gesagt haben. Und dafür sollte man die Rotroben dann schon mal bemühen, finde ich…
Ja, und inzwischen hab ich mich sogar einigermaßen von der verbalen Entgleisung eines Herrn Schäuble erholt, der unser Innenminister genannt sein will. Und mit seiner diesem Posten durchaus abträglichen Äußerung: „Wir hatten den ‘größten Feldherrn aller Zeiten’, den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten“ dokumentierte, dass er wohl in nicht eine einzige ihm von uns demokratisch veranlagten Bundesbürgern übersandten GG-Broschüren auch nur einen Blick geworfen hat.
***
Dann kann ich ja jetzt meiner sensiblen und harmoniebedürftigen Seele was Gutes tun und endlich mal meinen Blog ein wenig herbstlich melancholisch tapezieren. Und zwar bevor der Schnee, der anderwärts bereits die Skipisten bevölkert, womöglich auch hier endgültig Winter beschließt. Dazu eine wetterangepasste Freizeitempfehlung zum Umgang mit demselben in noch flüssiger Form:
Nasser NovemberZiehen Sie die ältesten Schuhe an,
die in Ihrem Schrank vergessen stehn!
Denn Sie sollten wirklich dann und wann
auch bei Regen durch die Straßen gehn.Sicher werden Sie ein bißchen frieren,
und die Straßen werden trostlos sein.
Aber trotzdem: gehn Sie nur spazieren!
Und, wenn’s irgend möglich ist, allein.Müde fällt der Regen durch die Äste.
Und das Pflaster glänzt wie blauer Stahl.
Und der Regen rupft die Blätterreste.
Und die Bäume werden alt und kahl.Abends tropfen hunderttausend Lichter
zischend auf den glitschigen Asphalt.
Und die Pfützen haben fast Gesichter.
Und die Regenschirme sind ein Wald.Ist es nicht, als stiegen Sie durch Träume?
Und Sie gehn doch nur durch eine Stadt!
Und der Herbst rennt torkelnd gegen Bäume.
Und im Wipfel schwankt das letzte Blatt.Geben Sie ja auf die Autos acht,
Gehn Sie bitte, falls Sie friert, nach Haus!
Sonst wird noch ein Schnupfen heimgebracht.
Und, – ziehn Sie sofort die Schuhe aus!
Die Kästnerianer unter uns haben es bestimmt gleich erkannt –
es ist ein ‘Rezept’ aus „Doktor Erich Kästners Lyrische[r] Hausapotheke“,
die erstmals 1936 (in der Schweiz) eröffnete. Und in deren Gebrauchsanweisung der Doktor K. höchstselbst erklärt: „Der vorliegende Band ist der Therapie des Privatlebens gewidmet. Er richtet sich, zumeist in homöopathischer Dosierung, gegen die großen und kleinen Schwierigkeiten der Existenz.“ Die Kästnerschen Hausmittelchen für einschlägige akute Leiden – bereitet und gewürzt mit Humor, Ironie und einer Prise Melancholie – helfen nicht nur, „wenn es Herbst geworden ist“, sondern zet Be auch, Wenn Die Besserwisser Ausgeredet Haben, Wenn Die Ehe Kaputtgeht, Wenn Vom Fortschritt die Rede war, Wenn Man An Gefühlsanämie Leidet oder Wenn Man Wenig Geld Hat…
Bei Kästner-Insidern sind die meisten Rezepturen zur „Behandlung des durchschnittlichen Innenlebens“, wie die „Sachliche Romanze“, der „Monolog mit verteilten Rollen“ oder die „Gedanken beim Überfahrenwerden“, wohlbekannt und werden immer wieder mit inniger Freude eingenommen. Mir ist das dtv-Bändchen jüngstens für ein paar Cent beim Schnäppchenstöbern in die Tasche gewandert, im Auflösungsverkauf eines betrauerten Bücherstübchens um die Ecke.
Weitere Beute daselbst (für einen kleinen roten Schein und wenige Klimperlinge): „Sämtliche Fabeln der Antike“ in einer Anaconda-Lizenzausgabe (Erstausgabe: Berlin und Weimar: Aufbauverlag 1978), Schopenhauers geheimes Hauptwerk, die „Aphorismen zur Lebensweisheit“ (Anaconda 2007, nach der Ausgabe Leipzig: Insel 1941), sechsundzwanzig „Unheimliche Erzählungen“ von Nathaniel Hawthorne, dem Zeitgenossen und Intimus des Vaters von „Moby-Dick“ sowie ein Audiobüchelchen („Lokal-Termin“) mit einer Autorenlesung des unvergessenen Robert Gernhardt. Im Covertext dazu:
„Teure Freundin,
seit jenem unvergesslichen Vormittag, da ich an Ihrer Seite durch die in der Berliner Nationalgalerie aufgebaute Ausstellung ‘Kunst wird Material’ gehen durfte, bin ich Ihnen noch eine Antwort schuldig, die Antwort auf die Frage, die Sie angesichts einesObjekts von Joseph Beuys stellten – es handelte sich um einen Glaskasten mit vier luftgetrockneten Blutwürsten -: ‘Was soll denn der Scheiß?’“ -Es geht um die Frage aller Fragen: Was ist Kunst? In der griechisch-altdeutsch geschmückten Taverne Wachtelstubb in Frankfurt-Bockenheim findet Norbert Gamsbart alias Robert Gernhardt letztgültige Antworten.
Ha, wenn das nicht günstig geramscht ist!
***
Zum Schluss für heute bleibt eine Frage übrig:
![]()
What if Peter Pan grew up?
Nö, ich werde sie nicht beantworten. Denn ich hoffe doch, dass alle diejenigen, die anfangen, das Kind in sich zu vergessen, das Fliegen verlernt haben und nicht (mehr) an Elfen glauben, die Lösung im preisbekränzten Spielbergschen Wochenendfilm „Hook“ gefunden haben. Wer wird denn die lehrreichen Abenteuer des erwachsen gewordenen Helden von J. M. Barrie verpassen? Wo doch, sollte er sie schleunigst nachholen, -
rät dringend
die Hex’.
Bild: J. M. Barrie-Website
Weitere Bilder und die verwendeten Zitate (deren Urheberschaft ausdrücklich gewahrt wird): Creative commons-Lizenz.
Rennpappe die Zweite. Heute: Trabi-Online-Klau
November 7, 2007 at 11:05 | In 2007, BlogMist, Drumherum und anderswo, Fest-Platte, Hexentanz, Real-Politisches, Uncategorized | 9 Comments…und dann noch der 90. Geburtstag einer älteren Dame
enn du morgens noch im Halbschlaf deinen Computer anwirfst,
wenn du in der Zeit, die er zum Hochfahren braucht, in die Küche tappst,
wenn du dort erst mal ‘nen Wachmacher durch die Kaffeemaschine jagst,
wenn du – immer noch dösend – mit dem Kaffeepott in der Hand barfuß zurück zum Monitor wankst,
wenn du nur noch mal schnell deine Emails checken willst,
wenn du weißt, dass es Zeit wird, sich warm angezogen und beschuht in die Tageshatz und den Berufsverkehr zu stürzen,
wenn du dann auf der Startseite im Aktuellen die Überschrift (okay, die halbe) und Sätze deiner eigenen einst geposteten Trabi-Laudatio liest,
dann fragst du dich doch:
Träum ich noch?
Klaut da wer?
Dürfen die das?
So geschehen heute morgen – mir.
Ich hab (soviel Zeit muss sein!) zwecks Beweissicherung extra einen Screenshot gemacht – auch wenn ich erstmal suchen musste, wie das geht.
Meine Version war die hier. Und wohooow, heute zum echten trabantenen Geburtstag kamen vielevieleviele Trabifreunde gucken. Danke.
***
Dass der Trabant am 7. November 1957, zum 40. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, das Licht dieser Welt erblickte, war übrigens damals kein Zufall, sondern mit voller Absicht von entscheidungstragendem Platze so hingedreht. Dieselbe hat somit heute per Addition und nach Adam Ries ihr 90. Jubiläum. Nur, damit es keiner vergisst und für den Fall, dass es jemand begehen, begießen oder gebührend würdigen mag.


Bilder: Creative Commons.
Free Burma!
Oktober 4, 2007 at 12:02 | In 2007, Drumherum und anderswo, Real-Politisches, Uncategorized | 2 CommentsTags: Free Burma
Free Burma

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Über die aktuellen Entwicklungen: der Burma-Ticker beim Spiegelfechter.
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